Der Kampf ums Überleben ist eine gute Erfahrung

Harijs Witolinsch hat am 20. Dezember als Nachfolger von Arno Del Curto beim HCD eine schwierige Aufgabe und das Team in einer delikaten Situation übernommen. Der 50-jährige Lette stabilisierte die Mannschaft und führte sie im Playout zum Ligaerhalt.

Harijs Witolinsch, der HCD hat den Ligaerhalt im Playout mit 4:1 Siegen gegen die Rapperswil-Jona Lakers geschafft. Sind Sie erleichtert?

Harijs Witolinsch: Natürlich. Das Hauptziel war, das letzte Spiel der Saison zu gewinnen und so den Ligaerhalt zu sichern. Das haben wir geschafft. Aber klar: Wir hätten lieber schon in der Qualifikation mehr Spiele gewonnen.

Sie sind Olympiasieger, Weltmeister und dreifacher KHL-Champion. Bis jetzt haben sie als Coach stets um Titel gespielt. Jetzt mussten Sie erstmals gegen den Abstieg kämpfen. Wie erlebten Sie diese neue Situation?

Die Spannung war gleich wie bei Titelkämpfen, der Druck und die Verantwortung, einen Klub mit einer derart grossen Geschichte in der obersten Spielklasse zu halten, hingegen grösser. Im Playoff und bei internationalen Titelkämpfen seit man einen Berg schrittweise hoch. Im Playout hingegen musst du versuchen, nicht vom Berg hinunter zu fallen. Für meine weitere Trainerkarriere war dieser „Kampf ums Überleben“ eine gute Erfahrung.

In der bedeutungslosen Platzierungsrunde vor dem Playout hatte der HCD nur eine von sechs Partien gewonnen. Bereitete Ihnen das Sorgen?

Nein. Denn in jener Phase betrieben wir in Absprache mit der ganzen Trainercrew ziemlich viel Krafttraining mit Blick aufs Playout. Wir fokussierten uns nicht auf die Platzierungsrunde. Die Resultate waren deshalb zweitrangig.

Alle fünf Playout-Begegnungen mit den Rapperswil-Jona Lakers waren eng. Wie erlebten Sie diese Partien?

Ich erwartete enge Auseinandersetzungen. Beide Mannschaften kämpften ums Überleben. Da spielt es keine Rolle mehr, was im vorangegangenen Verlauf der Saison geschah. Alles beginnt bei Null, wie ja auch in den Playoffs. Aber das macht das Ganze ja so spannend. Wir behaupteten uns im Playout mit 4:1 Siegen gut. Wir hatten das breitere Kader als die Lakers und mit Gilles Senn und Anders Lindbäck zwei Top-Torhüter. In den ersten Playout-Spielen funktionierte unser Powerplay sehr gut und erfolgreich. Und im letzten Match verhielten wir uns Boxplay ausgezeichnet.

Der HCD führte zwischendurch in jeder dieser fünf Partien. In allen gab es allerdings auch schlechte Phasen, in denen von aussen betrachtet irgendwie Angst aufkam und ihre Mannschaft den Lakers das Spieldiktat überliess…

Wir begannen jede dieser fünf Partien gut. Das zwischenzeitliche Nachlassen ist schwierig zu erklären. In Führung liegend schauten viele Spieler zu stark aufs Zwischenresultat. Sie glaubten, dieses verwalten zu müssen und bemühten sich, ja keine Fehler zu machen, statt weiter frisch nach vorne zu spielen. Mit dem Ligaerhalt ist jetzt auch nicht einfach alles gut. Vieles muss noch besser werden.

Wie schwierig war es für Sie, denn HCD mitten in der Saison in einem schlechten Zustand zu übernehmen?

Ich erachtete es für mich und die Trainercrew wie eine Prüfung, ob wir etwas bewegen können. Im Leben muss man immer wieder etwas versuchen. Einfach war die Situation beim HCD nicht. Aber ich denke, zusammen mit allen Spielern konnten wir grosse Fortschritte machen.

Wo setzten sie den Hebel besonders an?

Bei der Stimmung. Das wichtigste ist, wie ein Team zusammenhält. Das ist nur möglich, wenn auch in der Kabine Freude herrscht. Die Mannschaft wuchs wieder mehr zusammen. So fand sie auch die Kraft, um wieder mehr Spiele zu gewinnen.

Entscheidend war aber auch, dass Sie mit ihrer Trainercrew auf dem Eis wieder defensive Stabilität in die Mannschaft brachten.

Die Defensive bildet immer den Schlüssel zum Erfolg, darauf muss man sich konzentrierten. In der Offensive kann man immer Tore schiessen. Deshalb legten wir auch viel Wert auf das Defensivverhalten. Die Jungs zogen aber auch gut mit, indem sie zum Beispiel viele gegnerische Schüsse abblockten. Ja, ich kann sagen, wir schlugen den richtigen Weg ein.

Mit dem Ligaerhalt schafften Sie das wichtigste Ziel. Ihr aktueller Vertrag mit dem HCD läuft jetzt aus. Möchten Sie bleiben?

Bis jetzt konzentrierte ich mich auf die Playout-Spiele und den Ligaerhalt. Jetzt brauche ich etwas Zeit zum Überlegen. Ich bin sehr dankbar, dass mir der HCD im Dezember vertraute und mir die Chance gab, als Headcoach zu arbeiten. Die Unterstützung vom Klub und von allen war immer sehr positiv.

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