Uns steht eine grosse Menge Arbeit bevor

Félicien Du Bois verrät, wie er die schwierige abgelaufene Saison erlebt hat. Er analysiert schonungslos und warnt davor, dass nun alles von allein wieder besser wird. „Wir haben die Möglichkeit und das Potenzial, um wieder auf die richtigen Bahnen zu gelangen. Dafür müssen wir aber hart und richtig arbeiten“, sagt der 35-jährige HCD-Verteidiger.

Seit langem hat Félicien Du Bois wieder einmal ein freies Wochenende mit seiner Familie geniessen können. Als Eishockeyprofi könne er mit Wochenend-Arbeit gut leben, sagt er. „Froh bin ich aber, dass wir den Ligaerhalt geschafft haben. Es war doch eine Last. Wir wussten, dass es nicht einfach würde. Als Klub und Mannschaft waren wir im Überlebenskampf sehr unerfahren. Ich hatte grossen Respekt vor dem Ganzen“, so der HCD-Routinier.

Der HCD schloss das Playout am letzten Donnerstag mit einem 3:1-Heimerfolg gegen die Rapperswil-Jona Lakers ab. Er gewann die Serie mit 4:1 Siegen, musste aber in jedem Match heikle Phasen überstehen. Für Du Bois nicht verwunderlich. „Playout-Final heisst hart arbeiten, so wenig Fehler wie möglich begehen und hoffen, dass der Gegner Fehler macht. Die Nerven sind angespannt“, schildert der 35-jährige Verteidiger. Die Leistungsschwankungen innerhalb der einzelnen Partien erklärt er nachvollziehbar. „Im Playout spielen Teams gegeneinander, die während einer schwierigen Saison öfter verloren als gewonnen haben. Da fehlen die Selbstsicherheit und die Konstanz.“

Das war brutal

Der HCD krebste praktisch ab Saisonbeginn gemeinsam mit den Lakers am Tabellenende herum. Wie ging Du Bois während Monaten mit dieser Situation um? „Ich hörte bald einmal auf, auf die Tabelle zu schauen“, sagt er. „In der Regel guckst du, wie viel Vorsprung du auf den Strich hast. Aber wir waren von Anfang an abgeschlagen. Da konnte ich nicht mehr hinschauen. Das hätte mich nur noch mehr negative Energie gekostet.“ Verlieren sei nie schön; das wolle keiner, betont Du Bois. „Ganz schwierig war, dass wir einige Male richtig ‚abgeschlachtet‘ wurden – und das erst noch zuhause. Das war brutal.“ Selbstverständlich sei es stets und für jedes Spiel das Ziel gewesen zu gewinnen. Und er habe immer gehofft, dass irgendwann eine Siegesserie einsetze, damit man Selbstvertrauen aufbauen könne. „Aber ein Sieg und dann wieder drei, vier Niederlagen – so kannst du nicht richtig was aufbauen. So schlichen wir durch die Saison.“ Das Gefühl, „jetzt kommt was“ sei erst entstanden, als der HCD in den letzten acht Qualifikationspartien sechs Mal gewann.

Zu wenig fürs „Teambuilding“ getan

Für Du Bois kam die enttäuschende Saison nicht aus dem Nichts. „Wir hatten schon 2017/18 nicht mehr wirklich gutes Eishockey gezeigt“, stellt er rückblickend fest. „Damals profitierten wir noch von einem guten Saisonstart und gewannen danach immer wieder mal einen Match. Ab Weihnachten waren wir aber wirklich schlecht. Im Playoff-Viertelfinal hätten wir Biel schlagen müssen, wenn wir auf gutem Niveau gespielt hätten, doch wir scheiterten mit 2:4 Siegen.“ Auch im letzten Sommer sei nicht alles richtig verlaufen. „Wir hatten eine Mannschaft mit vielen neuen Gesichtern. Da wurde zu wenig gemacht, um das Team richtig zusammenzuschweissen. Mit gezielten Inputs und Aktivitäten hätte man mehr tun sollen.“ Die Stimmung in der Kabine sei zwar auch während der Saison gut gewesen, wobei logischerweise nach Niederlagen keiner zufrieden war. „Es wurde nicht gegeneinander geschossen. Jeder war etwas ratlos und wartete, was der andere macht. Aber es fehlte der starke Zusammenhalt, das Feuer, um den Karren vereint aus dem Dreck zu reissen. Und auf dem Eis waren wir zu wenig strukturiert – ein Hühnerhaufen, vor allem in der Defensive. Doch ein Spiel gewinnst du in der Regel mit wenig Gegentoren.“

Nach dem Trainerwechsel von Arno Del Curto zu Harijs Witolinsch hätten im Dezember alle von Neuem anfangen müssen. „Eine neue Stimme, neue Ideen, neue Trainings, neue Übungen. Das einzige, was noch blieb, war die gleiche Sportart und die gleiche Mannschaft. Es änderte sich viel – Schritt für Schritt “, bemerkt Du Bois. Witolinsch habe das gut gemacht. „Er brachte gemeinsam mit seinen Assistenten Viktors Ignatjevs in der neuen Struktur langsam, Tag für Tag, seine Ideen und ein Spielsystem ein, das er ab einem gewissen Zeitpunkt aufs Playout ausrichtete.“

Wir haben das Potenzial und die Möglichkeit

Mit dem Ligaerhalt fand die verkorkste Saison beim HCD wenigstens ein versöhnliches Ende. Du Bois warnt aber davor zu glauben, „wir sind zwar richtig auf die Schnauze gefallen, doch ab nächster Saison wird alles von allein wieder besser.“ Die Chance für den Neustart sei jedoch vorhanden. „Die Mannschaft ist sicher konkurrenzfähig, und wir haben eine super Infrastruktur. Wir haben das Potenzial und die Möglichkeit, um wieder auf die richtigen Bahnen zu gelangen. Dafür müssen wir aber sehr hart und richtig arbeiten. Das beginnt bei uns Spielern mit besser trainieren, uns klare Ziele setzen und auch als Team besser werden, näher zusammenrücken.“ Das Fazit von Du Bois ist deutlich: „Uns steht eine grosse Menge Arbeit bevor. Das ist aber auch im Sinn unseres Berufs.“

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