Vor dem 100. WM-Spiel

Das schaffen im Profieishockey nur ganz wenige: Andres Ambühl startet am Samstag in der slowakischen Hauptstadt Bratislava mit der Partie gegen Italien zu seiner 15. Weltmeisterschaft. „Ich fühle mich sehr privilegiert“, sagt der Davoser, mit 35 Jahren der Älteste im Schweizer Team.

Ein ganz dickes Lob stammt aus höchst berufenem Mund. „‘Büali‘ ist ein unglaublich guter Eishockeyspieler. Er ist trickreich, wendig, zuverlässig und höchst vielseitig einsetzbar“, sagt Patrick Fischer. Der Trainer der Schweizer Nationalmannschaft weiss, was er am Davoser hat. Andres Ambühl ist ein unermüdlicher Kämpfer und Reisser. Er ist ein klassischer Zweiwegstürmer, schliesst Lücken in der Defensive und öffnet solche in der Offensive. Der HCD-Captain ist auf der Center- und auf der Flügelposition sattelfest. Und er kommt auch regelmässig sowohl in Über- als auch in Unterzahlphasen zum Einsatz.

Zu Ambühls Trümpfen zählt zudem die Erfahrung. Mittlerweile ist er bei 255 Länderspielen angelangt. In Bratislava nimmt er am Samstag seine 15. Weltmeisterschaft in Angriff, weiter spielte er für die Schweiz auch an drei Olympischen Winterspielen. Sein WM-Debüt gab der waschechte Walser, der im Sertig aufgewachsen ist, 2004 in Prag. „Dass ich jetzt zu meiner 15. WM komme, ist schon sehr speziell“, sagt Ambühl. Das sei keine Selbstverständlichkeit. „Ich fühle mich sehr privilegiert und freue mich darauf, wie wenn es meine erste WM wäre; das ist cool“, so der Davoser. In der Neuzeit des Schweizer Eishockeys weist nur der nicht mehr aktive Schweizer Rekordinternationale Mathias Seger (305 Länderspiele) mit 16-WM-Teilnahmen eine mehr auf als Ambühl. Eine Marke, die der Bündner gar noch übertreffen könnte. „Ich möchte schon noch an die eine oder andere WM gehen. Es wäre hübsch, Seger zu überflügeln. Aber jetzt sehen wir zunächst mal, was aus aus der diesjährigen WM wird“, meint er.

Es ist alles noch gut

Das Rad der Zeit scheint nicht am Sertiger, der im September seinen 36. Geburtstag feiern wird, zu nagen. Aus physischer Optik müsse er zu sich noch immer nicht viel mehr Sorge geben als früher und deshalb auch nicht anders trainieren, bemerkt der Naturbursche. „Es ist alles noch gut“, stellt Ambühl fest. Nur eine WM hat er seit 2004 verpasst. Ausgerechnet die Letztjährige, als die Schweiz Silber gewann und Gold im Final gegen Schweden erst im Penaltyschiessen verpasste. Ambühl hatte damals passen müssen, nachdem er im Playoff-Viertelfinal mit dem HCD in Biel eine tiefe Schnittwunde im Fuss erlitten hatte, als er von der Kufe seines Mitspielers Claude Paschoud getroffen worden war.

Spezielles Jubiläum zum WM-Auftakt

Was erwartet Ambühl nun von der kommenden WM? „Wir haben eine gute Mannschaft“, stellt er fest. „Jede WM zeigt: Wenn du gut ins Turnier hineinkommst, gerätst du in einen Lauf. Jetzt ist zuerst einmal der Start sehr wichtig, dass du in den ersten Partien Punkte holst und so ins Rollen kommst. Dann ist alles möglich.“ Auf dem Papier hat die Schweiz eine gute Ausgangslage. Zunächst trifft sie in den Gruppenspielen auf die in der Weltrangliste schwächer eingestuften Italien, Lettland, Österreich und Norwegen, erst danach auf Schweden, Russland und Tschechien. Leichte Konkurrenten gebe es für die Schweiz jedoch nicht, warnt Ambühl. "Es gehr von Anfang an voll um die Wurst. Jetzt fokussieren wir uns auf den ersten Match am Samstag gegen Italien, danach sehen wir weiter.“ Das Italien-Spiel wird für den Davoser ohnehin ein besonderes: Es wird seine 100. WM-Partie!

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