Etwas vom Speziellsten, das ich je erlebt habe

Mit seiner 107. WM-Partie ist Andres Ambühl am letzten Donnerstag im Viertelfinal gegen Kanada Schweizer Eishockey-WM-Rekordspieler geworden. Die Begegnung bleibt beim 35-jährigen Davoser allerdings aus einem anderen Grund unvergessen. Schafft Ambühl auch nächstes Jahr die WM-Selektion, wird er weitere Rekorde brechen.

„Den Halbfinaleinzug um 0,4 Sekunden zu verpassen ist etwas vom Speziellsten, das ich je erlebt habe.“ Das sagte Andres Ambühl am letzten Freitag, am Tag nach der dramatischen Niederlage gegen Kanada. Bis vier Zehntelsekunden vor Ablauf des dritten Drittels führten die Schweizer. Dann rutschte der Puck doch noch für die Nordamerikaner zum 2:2 über die Torlinie. Und in der Verlängerung behielten sie das bessere Ende für sich. Der Zeitpunkt der Wende ist zumindest rekordverdächtig. Fakt ist hingegen ein anderer Rekord, der allerdings aufgrund des hochspannenden Spielendes völlig unterging: Ambühl hatte eben seine 107 WM-Partie bestritten und den bisherigen Schweizer Rekordhalter Mathias Seger abgelöst. Nur der Deutsche Udo Kissling (119), der Russe Alexander Malzew (110) und der Tscheche Jiri Holik (109) bestritten in der Geschichte der Eishockey-WM noch mehr Spiele.

Mit seinen 35 Jahren war Ambühl in der Slowakei der älteste, aber dennoch vielseitigste Akteur im Schweizer WM-Team. Er stürmte am Flügel oder als Center und kam regelmässig auch in Unter- und Überzahlphasen zum Einsatz. Der geerdete Davoser aus dem Sertig gefiel mit seiner unerschöpflichen Energie und seiner Leidenschaft, aber auch mit Spielwitz. Zum 4:1-Sieg gegen Norwegen steuerte er zwei Tore bei. Es waren seine WM-Treffer Nummer 20 und 21. Die Schweizer WM-Trefferstatistik führt übrigens Bibi Toriani mit 28 Toren an. Ambühl liess sich in Bratislava auch noch zwei Assists notieren. Bezüglich Skorerpunkten ist er nun bei 46 angelangt. Nur Jörg Eberle schaffte in den Achtziger- und Neunzigerjahren noch zwei mehr.

Ambühl jagt nächste Rekorde

Kommt Ambühl in einem Jahr auch an der nächsten WM in Zürich zum Einsatz – das ist schon jetzt ein erklärtes Ziel für ihn –, könnte er mit seiner 16. WM-Teilnahme mit Seger gleichziehen und möglicherweise als bester Schweizer WM-Skorer aller Zeiten Eberle überflügeln. Weiter würde er bezüglich WM-Spielen Malzew und Holik überholen und auf Rang 2 hinter Kiessling vorrücken. Und noch ein weiterer zweiter Platz wäre dem Davoser nächste Saison mit einer WM-Teilnahme gewiss. Dann würde er in der Schweizer Länderspielstatistik Ivo Rüthemann überholen, der 270 Mal das Nationaltrikot trug. Ambühl hat jetzt 263 Länderspiele auf dem Buckel. Wohl uneinholbar führt Seger diese Rangliste mit 305 Einsätzen für die Schweiz an.

Von der Nati zum HCD

Mit der WM in der Slowakei schlossen zumindest vorläufig Christian Wohlwend und Raeto Raffainer ihre Tätigkeiten im Schweizer Nationalteam ab. Beide wechseln bekanntlich nach Davos. Wohlwend, zuletzt Headcoach des U20-Nationalteams und Trainerassistent der A-Nationalmannschaft, übernimmt den Cheftrainerposten beim HCD; er wird Anfang Juli erstmals das Training leiten. Raffainer, seit Dezember 2015 Direktor aller Nationalteams bei Swiss Ice Hockey, wird neuer HCD-Sportchef. Ein dickes Kompliment erhielt er am WM-Ende von Patrick Fischer. „Was mich am meisten juckt, ist dass wir uns mit dieser Niederlage von Raeto Raffainer verabschieden müssen“, meinte der Nationalcoach nach dem höchst unglücklichen 2:3 gegen Kanada

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