Auf ins „teuflische“ Abenteuer

Gilles Senn schlägt ein neues Eishockey-Kapitel auf. Heute Dienstag fliegt der bisherige Torhüter des HC Davos nach Nordamerika. Bei den New Jersey Devils versucht sich der 23-Jährige einen Platz in der National Hockey League (NHL) zu erkämpfen.

Er sei recht aufgeregt, denn er wisse nicht, wie alles ablaufen werde, sagt Gilles Senn kurz vor seiner Abreise in Davos. Fakt ist, dass er bei den New Jersey Devils zunächst das Rookie Camp, in welchem drei Spiele auf dem Programm stehen, absolvieren wird und anschliessend ab dem 12. September das Main Camp. Dort werden alle Cracks der „Teufel“ um einen Platz im NHL-Team kämpfen. „Ich kann es kaum erwarten und bin froh, dass es jetzt bald beginnt“, bemerkt Senn. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass der 23-Jährige den Sprung in die NHL, die beste Eishockeyliga der Welt, nicht auf Anhieb schaffen wird. Er schürt denn auch nicht zu hohe Erwartungen. „Schon viele sehr gute Torhüter spielten die ganze Saison im Farmteam, um sich zuerst dort durchzubeissen“, weiss Senn. „Ich will dort, wo auch immer ich eingesetzt werde, wirklich gute Leistungen bringen und mich zunächst auch ans Spiel auf den kleineren Eisfeldern gewöhnen. Egal in welcher Liga ich zum Zug komme, möchte ich spielen und eine wichtige Rolle einnehmen.“

Drei Mal im Development Camp

Senn hatte sich nach dem Abgang von Leonardo Genoni zum SC Bern in der Saison 2016/17 den Stammplatz beim HC Davos mit auffallend starken und konstanten Auftritten erkämpft. Sie trugen ihm an den Swiss Ice Hockey Awards den Titel des „Youngster of the Year“ ein. Und mehr noch: „Im Juni 2017 wurde Senn im NHL-Draft von den New Jersey Devils gezogen. Schon ein paar Wochen später rückte er bei den „Teufeln“ erstmals ins Development Camp ein. Dieses „Kennenlern-Camp“ besuchte er auch 2018 und erneut im Juli dieses Jahres. „Nach ein paar Tests am ersten Tag stehen in den nächsten jeweils am Vormittag Eis- und Krafttraining auf dem Programm. Am Nachmittag folgen Informationen in den verschiedensten Bereichen, etwa über Ernährung oder die Bedeutung des Mentalen im Eishockey und Teamevents zum Kennenlernen von vielen Personen in der grossen Organisation der Devils“, schildert Senn den Ablauf. In der Praxis wurden die jungen Eishockeytalente beim Einkaufen von Lebensmitteln von einem Ernährungsberater begleitet. Und natürlich besuchten sie auch New York. Die New Jersey Devils tragen ihre Heimspiele im Prudential Center in der nur wenige Kilometer südwestlich gelegenen Stadt Newark aus. Sie zählt rund 280‘000 Einwohner.

Davos – das Beste, was mir passieren konnte

Senn hatte 2012 als 16-Jähriger aus dem Oberwallis vom EHC Visp zum HCD gewechselt. „Die sieben Jahre in Davos sind das Beste, was mir passieren konnte“, blickt er zurück. „Ich konnte mich schulisch am Sportgymnasium mit der Matura als Abschluss bilden und gleichzeitig im Eishockey entwickeln. Für mich waren die sieben Jahre eine wirklich gute Zeit – inklusive der letzten Saison, als ich mit Anders Lindbäck einen grossen Torhüterkonkurrenten hatte und es der ganzen Mannschaft nicht wunschgemäss lief. Auch jene Saison brachte mich weiter.“ Um die Weihnachtszeit versuchte der HCD vergeblich, den Vertrag mit Senn zu verlängern. Stattdessen unterschrieb er für zwei Jahre bei den New Jersey Devils. Das sei kein Entscheid gegen Davos gewesen, betont der Torhüter. „Die Devils wünschten, dass ich rüberkomme. Ich erachte die Zeit als richtig, um es zu versuchen“, so Senn. Sollte er den Sprung ins NHL-Team auf Anhieb schaffen, erhält er ein Jahresgehalt von 817‘500 Dollar, im Farmteam hingegen nur einen Bruchteil davon.

Mit René Baur und dem HCD trainiert

Nach Abschluss des zweiten Teils der Sportler-RS in Magglingen bereitete sich Senn in den vergangenen Monaten in Davos auf sein Nordamerika-Abenteuer vor. Fürs Konditionstraining engagierte er mit René Baur einen privaten Trainer. Der Südtiroler war ab 2015 während dreier Jahre als Off-Ice-Trainer beim HCD tätig gewesen. „Ich wollte für den Kraft- und Ausdauerbereich eine eigene Person, die nur für mich zuständig ist und für mich einen individuellen Trainingsplan erarbeitete. René war früher selber Goalie (auch im italienischen Nationalteam, die Red.), wir kennen uns gut, er weiss, wie ich ticke, was ich kann und was ich brauche“, so Senn. Das Eistraining absolvierte er regelmässig mit dem HCD, auch die spezifischen Goalietrainings unter der Leitung von Marcel Kull und Peter Mettler. Gut vorbereitet und entsprechend zuversichtlich nimmt Senn nun sein Nordamerika-Abenteuer bei den „Teufeln“ in Angriff.

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