Abschied an Krücken

Nach sechs Jahren beim HCD wechselt Noah Schneeberger zu Fribourg-Gottéron. Beim Bündner NLA-Klub entwickelte er sich zu einem spielstarken Verteidiger. Der fitnessbewusste Athlet wurde bei Davos auch zum Vorturner.

So hatte sich Noah Schneeberger den Abgang von Davos nicht vorgestellt. Statt mit dem HCD im Playoff-Viertelfinal gegen Biel zu kämpfen, musste der 29-jährige Verteidiger an Krücken gehen. Während der Olympiapause sei es geschehen, erzählt Schneeberger. Eine Minute vor Trainingsschluss wurde er von einem Puck nach einem Schuss so hart getroffen, dass er im rechten Fuss einen Knochenbruch erlitt. Weil der Bruch „schön“ und die Schmerzen nicht stark waren, trainierte und spielte der Pechvogel nach einem freien Wochenende vorerst normal weiter. Vor dem Playoff-Start wurde versucht, die Bruchstelle mit Einlagen im Schlittschuh noch besser zu fixieren. Dadurch verschob sich jedoch die Bruchstelle, der Fuss schwellte an, und die Schmerzen wurden extrem, so dass sich eine Operation nicht mehr vermeiden liess. „Zuschauen ist für einen Eishockeyprofi immer bitter“, sagt Schneeberger rückblickend. „Für mich wurde es noch bitterer, weil ich den HCD verlasse und dem Team im Playoff nicht mehr auf dem Eis helfen konnte.“

Das Gesamtpaket stimmt in Davos

Nach sechs Jahren beim HCD wechselt Schneeberger zu Fribourg-Gottéron. „Es war eine extrem schöne Zeit, sonst wäre ich nicht so lange in Davos geblieben“, meint er. Er sei gar nahe daran gewesen, den Vertrag nochmals zu verlängern. „Denn das Gesamtpaket stimmt. Es ist einfach familiär hier oben. In Davos ist alles so nahe beieinander. Es ist schon speziell; das ist wirklich so. Auch mit dem jungen Team. Es gab viele schöne Momente. Das Zusammensein neben dem Eishockey mit Freunden und Kollegen stimmte ebenfalls“, so Schneeberger. Nun wolle er aber trotzdem etwas Neues sehen und erleben. Bei einem neuen Klub müsse er sich wieder von Neuem beweisen und neue Verantwortung übernehmen. Mit Freiburg als Arbeitsort ist Schneeberger auch wieder näher bei seiner Familie. Er wuchs „neben dem ‚Schoren‘ auf“, der Schoren-Eishalle in Langenthal, wo er das Eishockey-ABC lernte.

Via SC Langnau, EHC Biel und Genf-Servette stiess Schneeberger 2012 zum HCD. In Davos entwickelte sich der talentierte Verteidiger zu einer Teamstütze, was ihm auch die Teilnahme an der A-Weltmeisterschaft 2016 in Moskau eintrug. Vier Mal liess sich Schneeberger beim HCD allein in der Qualifikation 12 bis 14 Assistpunkte notieren. Sie zeugen für sein Spielverständnis, sein gutes Auge im Spielaufbau und für seine präzisen Steilpässe. In der Nationalliga B und sporadisch auch beim HCD spielte Schneeberger auch als Stürmer. Er fühlt sich aber in der Abwehr mehr zuhause. „Als Verteidiger kann ich viel mehr ins Spiel eingreifen. Vorne bist du auf Pässe angewiesen“, meint er. „Manchmal suche er allerdings fast zu oft den Pass, statt selber zu schiessen. Mit dieser „Seuche“ ist er beim HCD wahrlich nicht allein.

Als Höhepunkte in seiner Davoser Zeit bezeichnet Schneeberger den Gewinn der Schweizer Meisterschaft 2015 und die nachfolgende Champion-League-Saison mit dem Vorstoss bis in den Halbfinal. Sein wichtiges Tor erzielte er auf dem Weg zum Meistertitel im Playoff-Halbfinal in Bern. Am 21. März 2015 bezwang Schneeberger nach 47 Minuten Torhüter Marco Bührer mit einem satten Handgelenkschuss im dritten Spiel zum 1:0. Der HCD gewann jenen wegweisenden Match mit 2:0 und die Halbfinalserie schliesslich mit 4:0 Siegen. In den total 15 Playoff-Partien in jener Meistersaison bereitete der Verteidiger zudem sieben Treffer mit seinen Pässen vor.

Extrem hohe Ansprüche

Spezielle Enttäuschungen habe er in Davos nicht erlebt, meint Schneeberger rückblickend. „Ab und zu hatte ich jedoch Spiele, nach denen ich sagen musste, ich stand völlig neben den Schuhen.“ Die kritische Betrachtung hänge mit seinen extrem hohen Ansprüchen an sich selber zusammen. Entsprechend achtet der Berner auch auf seinen Körper. „Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass mein Körper immer leisten muss“, so Schneeberger. Schon lange interessiert er sich für Trainingslehre und Anatomie. Auch ausserhalb der Trainingseinheiten mit dem Klub macht er regelmässig noch viele One-Ice-Übungen. Und beim HCD entwickelte sich Schneeberger zum Vorturner. Seit dem Meisterjahr leitete er die Rumpfübungen mit den Teamgefährten.

Den Wechsel zu Fribourg-Gottéron sieht Schneeberger als Chance, um nochmals einen Schritt nach vorne zu tun, aber auch als Neuanfang. „Ich muss mich in ein neues Team hineinkämpfen und mich neu profilieren“, sagt er. „Ich will versuchen, noch besseres Eishockey zu spielen. Offensiv möchte ich etwas mehr Einfluss auf Spiel nehmen und selber vermehrt den Abschluss suchen.“ Schneeberger freut sich auf seine neue Herausforderung. Denn Freiburg sei eine eishockeyverrückte Stadt, und Gottéron erhofft sich neuen Schub vom neuen Stadion. Entsprechend rüstet es die Mannschaft auf.

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