Das Team ist in dieser Zeit eng zusammengerückt

Am letzten Freitag haben die HCD-Spieler eine taffe, zehnwöchige Trainingsphase abgeschlossen. Verantwortlich für dieses Sommertraining war zum ersten Mal der neue HCD-Athletiktrainer Steven Lingenhag, der von Pierre Gutknecht und dem Physiotherapeuten Phillipp Deck unterstützt wurde. Im exklusiven Interview hat Steven eine erste Bilanz gezogen.

Steven Lingenhag, was waren die Vorgaben für diese wichtige Vorbereitungsphase die nun zu Ende gegangen ist? 

Die Spieler müssen Ende Juni bereit sein, das war die einzige Vorgabe die mir die Sportkommission gegeben hat. Das heisst dass sie austrainiert und topfit sein müssen.

Wie bist Du an diese grosse Aufgabe herangegangen?

Ich habe zuerst mit Philipp (Phillipp Deck, Physiotherapeut) eine Analyse über die letzte Saison gemacht. Dabei haben wir neben den vorhandenen Testresultaten auch die aufgetretenen Verletzungen, deren Art, Ursache und Anzahl aufgelistet. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse erstellten wir ein Konzept, welche Spieler noch zusätzliche Rehabilitationsmassnahmen brauchen und welche spezifischen Trainings sinnvoll sind, um möglichst ohne Überbelastungen, d.h. ohne erhöhte Verletzungsgefahr durch diese zehn Wochen Sommertraining zu kommen. Danach haben wir Tests mit allen Spielern gemacht und nach diesem Monitoring individuelle Trainingspläne für jeden Spieler zusammengestellt, die unter den medizinischen und sportwissenschaftlichen Aspekten angebracht sind.

Was genau wurde trainiert?

Begonnen haben wir mit herzfrequenzbasiertem Grundlagentraining unter Zuzug der Pulsuhr. Dann kam der Kraftteil, je nach Spieler mehr im Hypertrophie- oder mehr im Maximalkraftbereich. Dazu kamen Ausdauer-, Agility-, und koordinative Trainingseinheiten. Einen Schwerpunkt legten wir auch auf teambildende Trainings wie Biken, Wandern oder Fussballspielen mit dem ganzen Team. Was wir bis jetzt noch nicht trainiert haben ist die Schnellkraft, das machen wir erst nach den Ferien, wenn das Eistraining begonnen hat.

In den Socialmedien hat der HCD regelmässig über spezielle Trainings unter dem Hashtag #Kopfsache berichtet. Was hatte es damit auf sich?

Sinn und Zweck dieser Kopftrainings waren nicht in erster Linie trainingsspezifische Aspekte, sondern es ging darum, dass die Spieler an ihr Limit oder leicht darüber gehen. Jahrelang zeichnete es den HCD aus, dass die Davoser extrem «beissen» konnten. Diese legendären Siege in den siebten Playoff-Spielen oder auch gegen Ende eines Spiels einen Rückstand in extremis nochmals zu wenden, diese Eigenschaft ging in den letzten Saisons etwas verloren. Wir haben deshalb zum Beispiel Bergläufe oder Bike-Rennen gemacht, in denen jeder einzelne Athlet an sein Limit gehen musste, damit das ganze Team ein vorgegebenes Ziel erreichen konnte. Sie mussten sich im Kopf dazu überwinden, für eine kurze Zeit zu leiden, um diese Einheiten zu erfüllen.

Die drei Import-Spieler Nygren, Palushaj und Tendeby haben nicht mit dem Team trainiert, sondern bei sich zu Hause in Schweden oder in der USA. Wie war da der Austausch?

Mit Nygren war ich in ständigem Kontakt. Er hatte Trainingspläne von uns erhalten und mir regelmässig ein Feedback gegeben, wie sein Training verläuft. Mit Palushaj und Tendeby haben wir bei Vertragsunterzeichnung geredet. Sie haben sich verpflichtet, ihr Training selbst zu organisieren. Ich denke, die drei werden topfit in Davos ankommen.

Nun sind die 10 Wochen durch. Wie sieht deine Bilanz aus?

Nach der schwierigen letzten Saison waren alle Spieler mit einer sehr grossen Motivation ins Sommertraining eingerückt. Erstaunlicherweise hielt diese Motivation über die ganzen 10 Wochen, mit Ausnahme von vielleicht 1-2 Tagen, auf einem hohen bis sehr hohen Niveau an. Das Team ist in dieser Zeit eng zusammengerückt, die Spieler haben sich gegenseitig gepusht und es hat wirklich Spass gemacht, zusammen hart zu trainieren. Es war für mich ein Training einer Mannschaft und nicht von Individualisten, die das jetzt halt machen müssen. Auch wurden wir von Verletzungen verschont, worauf ich ein wenig stolz bin. Trotz dem harten Training, in dem die Athleten oft ans Limit gehen mussten, fiel kein Spieler länger als einen Tag wegen einer Blessur aus. Jetzt waren sicher alle froh, dass sie in die Ferien konnten, um sich zu erholen. Vor allem auch mental. Aber die Spieler betonten im Feedback, dass sich jetzt wirklich fit fühlten und bereit sind, um die wichtigen sieben Wochen Vorbereitung auf dem Eis in Angriff zu nehmen. 

Das war nun deine erste Sommersaison als hauptverantwortlicher Athletik-Coach. Was würdest du im nächsten Sommer anders machen?

Was man noch verbessern kann ist das Monitoring des Trainings, um vielleicht noch spezifischer auf Stärken und Schwächen jedes einzelnen Athleten einzugehen.

Wie sieht das Programm nach den Ferien aus?

In zwei Wochen wird das Eistraining im Fokus stehen. Neben dem Eis wird Rumpf und Schnellkrafttraining im Vordergrund stehen. Dazu auch immer wieder mal ein strenges Krafttraining um die Basis, die wir jetzt erarbeitet haben, erhalten zu können.

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