Davoser Rumpfteam fordert dem Leader alles ab

Obwohl der HCD am Freitagabend gegen Tabellenführer Bern auf sieben Stammspieler verzichten musste und fünf Junioren einsetzte, lieferte er dem Tabellenführer ein Duell, das die Zuschauer von den Sitzen riss. Den einzigen Treffer der Partie erzielte allerdings Matthias Bieber für die Gäste bereits nach 117 Sekunden.

Bei Davos gab Tomas Kundratek ohne ein richtiges Training mit seinen neuen Teamgefährten sein Debüt. Der 29-jährige Tscheche war am Vortag verpflichtet worden und direkt aus seiner Heimat an seinen neuen Wirkungsort gereist. Um es vorwegzunehmen: Kundratek gefiel mit seiner physischen Präsenz, seinem Positionsspiel und auch seinem Überblick. Trotz des Einstands des Tschechen wurde die Absenzenliste der Bündner allerdings nicht kleiner, figurieren darauf doch nicht weniger als fünf verletzte Stammspieler. Zudem musste Perttu Lindgren krankheitsbedingt Forfait geben. Und Marc Wieser sass seine zweite von drei Spielsperren nach seinem Foul gegen Erik Martinsson im Servette-Match vom letzten Sonntag ab.

Wie ungleich die Kräfte in der Partie zwischen Davos und Bern verteilt waren, offenbarte der erste Gegentreffer nach nur 117 Spielsekunden. Bei Davos standen mit Dominic Buchli (20), Fadri Riatsch (19) – er bestritt seine erste Partie in der National League –, Benjamin Baumgartner (18) und Yannick Frehner (20) gleich vier Feldspieler mit höchst geringer Erfahrung auf höchster Ebene im Einsatz, bei Bern hingegen mit Torschütze Matthias Bieber, Tristan Scherwey und Gaëtan Haas drei Nationalstürmer. Weil der HCD nach dem 0:1 hintereinander gleich zwei (unnötige) Zweiminutenstrafen kassierte, mussten die Platzherren in der Anfangsphase arg untendurch. In den ersten sieben Spielminuten wurde HCD-Goalie Gilles Senn nicht weniger als neun Mal geprüft. Berns Torhüter Leonardo Genoni musste hingegen erst in der 12. Minute erstmals klären.

Die Bündner stellten sich aber immer besser auf den Gegner ein und kamen so auch selber besser ins Spiel. Auffallend war, wie kampfbetont die ganze Mannschaft arbeitete, wie unerschrocken die Jungen in die Zweikämpfe stiegen und auch der respektlose Mut, mit welchem sie im Angriff agierten. Bis zur ersten Pause verbesserten die Davoser das Schussverhältnis auf 7:13.

Die Berner hatten zwar auch im zweiten Drittel mehr Spielanteile (13:9 Schüsse für die Gäste), doch Genoni musste nun gleich mehrmals seine Klasse unter Beweis stellen. So stoppte er während des dritten Berner Powerplays den solo anstürmenden Frehner. Und im ersten Davoser Powerplay lenkte Genoni einen Schuss von Enzo Corvi noch an den Pfosten.

Im Schlussdrittel strebten die Bündner den Ausgleichstreffer mit einem geradezu schon frechen Angriffsspiel an. Sie begeisterten die Fans und erhielten spontanen Szenenapplaus. 78 Sekunden vor Spielende nahm HCD-Coach Harijs Witolinsch sein Time-out. Danach ersetzte er seinen hervorragenden Torhüter Gilles Senn durch einen sechsten Feldspieler. Der intensive Schlussspurt fruchtete jedoch nicht. So blieb dem stark ersatzgeschwächten HCD nur der Trost, den Tabellenführer Bern bis aufs äusserste gefordert zu haben.

Davos – Bern 0:1 (0:1, 0:0, 0:0)

Vaillant Arena, Davos. – 4561 Zuschauer. – SR Urban/Prazak, Kaderli/Duarte.

Tore: 2. Bieber (Scherwey, Blum) 0:1.

Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Davos, 2-mal 2 Minuten gegen Bern.

Davos: Senn; Du Bois, Payr; Kundratek, Barandun; Buchli, Jung; Heldner, Heinen; Pestoni, Corvi, Ambühl; Rödin, Bader, Meyer; Riatsch, Baumgartner, Frehner, Kessler, Aeschlimann, Egli.

Bern: Genoni; Burren, Almquist; Krueger, Blum; Andersson, Gerber; Kamerzin; Boychuk, Arcobello, Moser; Ruefenacht, Ebbett, Kämpf; Bieber, Haas, Scherwey; Sciaroni, Heim, Berger; Grassi.

Bemerkungen: Davos ohne Nygren, Paschoud, Stoop, Hischier, Dino Wieser, Sandell (alle verletzt), Lindgren (krank), Marc Wieser (gesperrt), Weder, Portmann (Partnerteams) und van Pottelberghe (Kloten). Bern ohne Mursak und Untersander (beide verletzt). – Pfostenschüsse: Corvi (37.), Ruefenacht (54.) und Haas (59.). – Timeout Davos (59.).

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