Demütig bleiben und sich auf die Playoffs freuen

11.3.2026, 11:15

Es gab keine grosse Euphorie und schon gar keine Party. Als der HCD am Montagabend gegen den EHC Biel seinen 39. Saisonsieg und die Punkte 115, 116 und 117 eingefahren hatte, herrschte in der HCD-Kabine «Business as usual». Athletikcoach Sergio Gaggioni schickte die Spieler zum Auspowern in den Kraftraum, die Coaches um Josh Holden besprachen in ihrem Büro die Partie, die Gastrocrew brachte die obligate Pasta mit Salat und die Medizinabteilung kümmerte sich um Blutergüsse und verschobene Wirbel. Nichts deutete darauf hin, dass Davos soeben die Qualifikation als Tabellenerster abgeschlossen hatte, ja diese richtiggehend dominiert hatte.

Oder zumindest fast nichts. Im Speech von Josh Holden an die Mannschaft kurz nach Spielschluss schaute der Headcoach in wenigen Sätzen auf die letzten 52 Spiele zurück. Dabei betonte er vor allem, wie Stolz er auf das bisher erreichte und diese Mannschaft sei und mahnte, dass man nun clever und professionell bleiben müsse. Damit meinte er explizit auch die «langweilige «Phase bis zum 20. März, dem Start der Playoffs. So lange muss sich die Mannschaft nochmals etwas in Geduld üben. Wie schon so oft seit Mitte Januar. «Dank» WEF, Olympia und Play-Ins hatte der HCD in neun Wochen lediglich zwölf Partien zu absolvieren. Und diese meist gebündelt auf wenige Tage. Dazwischen gab es viele Trainingseinheiten, einige «Day off» und viel Zeit, um sich zu überlegen, wie die Saison weitergehen könnte

Verdient hat sich der HC Davos diese Ausgangslage mit einer nahezu perfekten Regular Season. Schon zu Saisonbeginn setzt der HCD ein Ausrufezeichen und reiht Sieg an Sieg. Die erste Niederlage lässt lange auf sich warten: Erst im 10. Saisonspiel ist es so weit und selbst an diesem 30. September gegen Rapperswil geht Davos nicht leer aus, sondern nimmt immerhin noch einen Punkt mit. Danach rollt die Erfolgswelle weiter. Wieder neunmal hintereinander verlässt der HCD das Eis als Sieger. 18 Siege in den ersten 19 Partien - die Grundlage für den späteren Qualisieg ist damit bereits früh gelegt. 

In dieser Phase greift vieles ineinander. Die Mannschaft bleibt von langwierigen Ausfällen weitgehend verschont, Automatismen greifen, das Selbstvertrauen wächst von Spiel zu Spiel. Und im Sog dieser Erfolgswelle wachsen mehrere Spieler über sich hinaus. Allen voran Matej Stransky: 53 Punkte in 46 Spielen, dazu mit +34 die beste +/-Bilanz der gesamten Liga. Doch es ist nicht nur eine Einzelleistung des Davoser Captains, der diesen Höhenflug möglich macht. Die Offensive des HCD funktioniert als Kollektiv. Gleich zehn Spieler erreichen zweistellige Torzahlen. Stransky, Zadina, Tambellini, Kessler, Lemieux, Asplund, Frehner, Ryfors, Nussbaumer und Corvi, sie alle schiessen 10 oder mehr Tore. Auch in der Statistik der besten Plus-Minus-Bilanzen sind die Davoser top. Mit Stransky, Barandun, Asplund, Dahlbeck, Corvi, Fora, Andersson und Jung belegen acht HCD-Spieler die ersten acht Plätze. Und hinter der offensiven Wucht sorgt eine verlässliche Defensive und ein starkes Goalie-Duo für Sicherheit: Sandro Aeschlimann (95.5) und Hollenstein (92.1) kommen beide wieder auf über 92 Prozent Fangquote und sind mit ihren Werten die Nr. 2 und die Nr. 4 der Liga. So entsteht ein Gesamtbild, das die Dominanz des HCD erklärt. Dazu die meisten erzielten Tore der Liga und gleichzeitig die zweitwenigsten Gegentreffer. Und mit 26,17 Prozent auch das effizienteste Powerplay. Als wäre das noch nicht genug, setzt die Mannschaft mitten in der Saison ein weiteres Glanzlicht und gewinnt zum 17. Mal den Spengler Cup.

So fragt sich vor Beginn der schönsten Zeit des Jahres, den Playoffs, die ganze Hockeyschweiz zurecht, wer diesen HC Davos vom Titelgewinn abhalten kann. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass es am Ende eine perfekte Saison geben könnte. Aber. Wenn da nicht dieses kleine, hartnäckige „Aber“ wäre, das wie ein Geier über der zondacrypto-Arena Davos kreist. Ohne all die bekannten Playoff-Floskeln zu bemühen – dass mit dem Qualisieg noch nichts gewonnen sei, dass Playoffs ihre eigenen Gesetze hätten oder dass ein einziger Fehler eine ganze Serie drehen könne – weiss man doch: In diesen nächsten entscheidenden Wochen kann sich vieles auch sehr schnell ändern.

Darum bleibt in diesen Tagen, in denen man viel Zeit zum Überlegen hat, eigentlich nur eines: Demütig bleiben. Sich mit Vorfreude auf die Playoffs einstellen. Dann Spiel für Spiel nehmen und nicht zu weit vorauszublicken. Genauso, wie es die sieben anderen Mannschaften auch tun werden. Und dies am besten dort, wo Eishockey am meisten lebt: live im Stadion. Um die Mannschaft bedingungslos auf ihrer Mission zu unterstützen. Sie hat es mehr als verdient.

Tickets für die ersten beiden Playoff-Heimspiele am Freitag, 20. und Dienstag, 24. März sind online erhältlich. Spielbeginn ist in den Playoffs jeweils um 20:00 Uhr.

Text: HCD Online-Redaktion     Bild: Maurice Parrée

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