Den besten Ausbildungsplatz in der Schweiz schaffen

„Ich bin neugierig und schaue, was geschieht“, sagt Anders Olsson. Der 41-jährige Schwede ist beim HC Davos Trainer der Elite-Junioren. Qualitative Ausbildung auf und neben dem Eis lautet sein oberstes Gebot. Dabei beschreitet er auch neue, unkonventionelle Wege.

Anders Olsson, vor einem Jahr haben Sie gesagt, Sie möchten Davos zum besten Ausbildungsplatz der Schweiz im Eishockey machen. Wie weit sind Sie auf diesem Weg?

Anders Olsson: Dieses Ziel kann ich natürlich nicht allein verwirklichen. Dazu braucht es Teamwork im gesamten Nachwuchsbereich. Alle müssen zusammenarbeiten – von der Eishockeyschule bis zur Elite. Es bewegt sich in Davos wirklich etwas. Wir bringen viele Spieler nach oben. Auf diese Saison hin haben vier Nachwuchsleute einen Vertrag für die erste Mannschaft erhalten. Wenn ich diese Statistik mit den anderen Nationalliga-A-Klubs vergleiche, ist der HC Davos der beste in der Schweiz. Wir stellten weiter drei Spieler für die U20-Nationalmannschaft; auch das ist gut so. Ich beobachte jede Nachwuchsstufe. Wir befinden uns auf einem guten Weg. Ich glaube, dass wir richtig arbeiten. Wir können Arno Del Curto ein gutes Ergebnis liefern.

Sie kamen im Frühling 2015 vom schwedischen Jönköping nach Davos. Jönköping wird als beste Ausbildungsstätte in ganz Europa gelobt. Warum wollten Sie weg und ausgerechnet nach Davos?

Ich suchte eine neue Herausforderung und war auch gespannt, ob man das, was wir in Jönköping erreichten, auch in Davos schaffen können. Mit dem Wechsel aus Skandinavien in die Schweiz konnte ich zudem meiner Familie ermöglichen, eine neue Kultur zu entdecken und eine neue Sprache zu lernen. Ich bin neugierig und schaue, was geschieht. Ich hatte alternative Möglichkeiten. Doch der HCD ist ein spezieller Klub – ein kleiner Dorfverein, der seinen Weg zum Erfolg gefunden hat. Da wollte ich gerne meinen Beitrag leisten.

Sie sind Trainer bei den Elite-Junioren. Wie läuft es?

Letzte Saison war die Umstellung für die Jungs schwierig. Wir führten viele neue Sachen ein. Jetzt verstehen das die Junioren immer besser. Sie machten grosse Fortschritte, nicht nur auf dem Eis, sondern auch daneben. Wir schicken sie ins Theater und ins Kino. Sie müssen Bücher lesen und Vorträge vor der Gruppe halten.

Was für Neuerungen führten Sie auf dem Eis ein?

Zum Beispiel möchten wir kreative Verteidiger ausbilden. Wir suchen neue Félicien Du Bois oder Beat Forster. Wir wollen nicht, dass die Verteidiger den Puck einfach aus der eigenen Zone herausschiessen. Sie sollen bessere Lösungen suchen. Deshalb habe ich meinen Spielern verboten, Icings zu produzieren. Und unsere Goalies müssen den Puck stoppen und dadurch gegnerische Befreiungsschläge unterbinden, obwohl wir sonst ein Bully vor dem anderen Tor hätten. So erhält der Torhüter praktisch die Rolle als dritter Verteidiger. Wegen der Umstellung gabs letzte Saison viele Fehler. Wir verloren oft, und die Verteidiger waren frustriert. Inzwischen finden sie aber immer mehr bessere Lösungen im Umgang mit dem Puck. Nachdem wir im letzten Jahr mit den Elite-Junioren die Playoffs verpasst hatten, sind wir zurzeit auf Platz 4 klassiert.

Wie wichtig sind für Sie die Resultate?

Eigentlich nicht besonders. Wichtig ist für mich, wie sich die Spieler entwickeln und dass wir viele gut ausgebildet nach oben bringen. Das hat erste, zweite, dritte und vierte Priorität. Dann schaue ich, wie viele Spieler wir in die Schweizer Nachwuchs-Auswahlen bringen. Ein weiteres Ziel sind auch NHL-Drafts. Wenn möglich wollen wir bei der Elite natürlich auch um den Meistertitel spielen.

In dieser Saison erhielten zahlreiche Ihrer Elite-Junioren Gelegenheit, sich in der ersten Mannschaft zu präsentieren – nicht zuletzt wegen der langen Verletztenliste im Fanionteam.

Ich wünsche keinem Spieler eine Verletzung. Für die Jungen finde ich es jedoch gut, wenn sie Erfahrungen auf höherem Niveau sammeln können. Diese Durchlässigkeit wirkt sich auf allen Stufen aus. Zwei Novizen-Spieler haben inzwischen zum Beispiel einen Stammplatz bei den Elite-Junioren erhalten.

Gibt es Unterschiede zwischen den schwedischen und den Schweizer Junioren.

Ja. Die Schweden sind uns immer noch weit voraus, sowohl auf als neben dem Eis. Hier in Davos können zum Beispiel die Jungen, welche eine Berufslehre absolvieren, nicht immer an den Trainings teilnehmen. Sie fehlen oft in jenen Einheiten, in welchen am Vormittag individuell auf dem Eis an den Details gearbeitet wird. Und in Schweden spielen die Junioren häufiger, drei Mal pro Woche, ab und zu gar vier Mal. Die Auswahl an Spielern ist in Schweden auch grösser. Aber wir rücken näher, wenn wir so weiterarbeiten.

Kann man bei vier Spielen pro Woche überhaupt noch sinnvoll trainieren.

Ja, aber dann muss man ein besseres Fundament haben, als es bei uns zurzeit noch vorhanden ist. Aber wir sind gut unterwegs.

Wer häufig trainiert, muss auch auf den Kalorienhaushalt achten. Wie wichtig ist die Ernährung?

Natürlich ist das ein Thema. Schweden hat ein anderes Steuersystem. Daraus wird zum Beispiel auch das Essen, das in den Schulen ausgegeben wird, finanziert – also inklusive Frühstück. Oder wenn die Jungen zum Training kommen, sorgt der Klub für das Essen. Wenn man zwei- bis dreimal pro Tag trainiert und an Kraft zulegen will, ist die Verpflegung auch sehr wichtig. In Davos arbeiten wir an einer Lösung.

Sprechen Sie sich bezüglich Spielsystem und –taktik für Ihre Junioren mit Arno Del Curto ab, dem Trainer der ersten Mannschaft?

Wir versuchen eine gemeinsame Linie zu finden. Wir wollen alle schnell spielen und kommen uns immer näher. Nur so ist es möglich, dass die Junioren den Schritt in die erste Mannschaft möglichst nahtlos vollziehen können. Mich freut es sehr, wenn ich sehe, wie etwa Nando Eggenberger und Jerôme Portmann im NLA-Team auftreten oder wie das bereits letzte Saison Chris Egli und Tino Kessler taten. Wir versuchen einen roten Faden beim ganzen Nachwuchs durchzuziehen. Jeden Montag und jeden Freitag sitzen beim HCD alle Nachwuchstrainer zusammen, Da tauschen wir uns aus und sprechen auch über Jungs, denen man eine Chance auf der nächst höheren Stufe geben sollte. Wir versuchen uns immer zu verbessern.

Gibt es auch etwas, was die Schweden von den Schweizern lernen können?

Ich habe in Davos viel gelernt bezüglich Menschenführung und wie die Schweizer denken und ticken. Ich kann mich mit neuen Situationen auseinandersetzen und mache mir darüber viele Gedanken. Das finde ich gut.

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