Der HCD und sein «Jour sans»

Wenig überraschend hat der HC Davos im ersten Spiel im neuen Jahr am Samstagabend Mühe bekundet, den Tritt zu finden. Der klare 4:0-Sieg der ZSC Lions gegen das Bündner Rumpfteam war die logische Folge.

Er musste kommen, dieser «Jour sans», wie ihn die Radprofis nennen. Jener Tag, an dem gar nichts geht, an welchem die Beine schwer wie Blei sind und der leere Kopf den entkräfteten Körper nicht mehr vorwärtszutreiben vermag. Nicht unerwartet zogen die Davoser im Zürcher Hallenstadion einen solchen «Jour sans» ein. Am Spengler Cup hatten sie mit ihrer Rumpfmannschaft im Viertelfinal in der Verlängerung noch überraschend Jokerit Helsinki ausgebootet und tags darauf, am vergangenen Mittwoch, im Halbfinal dem nachmaligen Turniersieger, dem Team Canada, bei der 5:6-Niederlage alles abgefordert. Dabei verausgabten sie sich bis zum letzten Tropfen Benzin, sprich Energie.

Die ZSC Lions hingegen hatten seit ihrem letzten Meisterschaftsspiel am 23. Dezember zehn spielfreie Tage, sich in dieser Zeit gut erholen und optimal auf die Partie vorbereiten können. Den müden Davosern hingegen fehlten auch in Zürich acht verletzte Stammspieler sowie fünf weitere, die noch mit der Schweiz im Abstiegskampf an der U20-Weltmeisterschaft in Finnland beschäftigt sind. Logischerweise offenbarten sich die Unterschiede zwischen den beiden letztjährigen Play-off-Finalisten deutlich. Bereits nach 24 Sekunden scheiterte Ryan Shannon allein vor HCD-Goalie Leonardo Genoni, der seine ausgezeichnete Form erneut demonstrierte und eine weit höhere Niederlage verhinderte. Die Zürcher spielten phasenweise Einbahn-Eishockey Richtung Davoser Tor, ihre 2:0-Führung nach dem Startdrittel dank Treffern von Jan Neuenschwander (11.) und Fabrice Herzog (18.) war die logische Folge. Erneut Neuenschwander (32.) und Shannon in der Startminute des Schlussdrittels sorgten später für den Endstand.

Die Davoser konnten nur einen Teilaspekt für sich verbuchen: Im Boxplay hielten sie sich schadlos. Während 102 Sekunden verhinderten die Bündner gar mit zwei Feldspielern weniger auf dem Eis einen Gegentreffer. Den berühmten kleinen Schritt zu spät kamen sie aber verschiedentlich nicht nur während ihrer Abwehrschlacht, sondern auch in der Offensive, wo neben dem Tempo und der Entschlossenheit auch die Präzision fehlte.

Obwohl der Sieg der Zürcher nie zur Diskussion stand, ärgerte sich Samuel Walser über die Vorstellung der Davoser Mannschaft. «Natürlich ging das harte Spengler-Cup-Programm nicht spurlos an uns vorbei. Vor allem im Kopf, im mentalen Bereich, spürten wir die Müdigkeit», meinte der Davoser Mittelstürmer. «Trotzdem war es eine Frechheit, wie wir unseren Goalie Leonardo Genoni in den beiden ersten Dritteln im Stich liessen. Erst im Schlussabschnitt fanden wir besser zu unserem Spiel. Wir hätten von Beginn weg einfacher spielen sollen.»

Aufgrund des Personalnotstands kam bei den Bündnern der erst 16-jährige Stürmer Nando Eggenberger zu seiner NLA-Premiere. Immerhin wird die Absenzenliste vielleicht bereits am Sonntagnachmittag etwas kürzer, wenn sich der HCD und die ZSC Lions ab 15.45 Uhr in der Davoser Vaillant Arena erneut gegenüberstehen. Dick Axelsson, Noah Schneeberger und Dino Wieser stehen vor ihrem Comeback. Ein ernsthaftes Thema ist beim Schweizer Meister auch die Verpflichtung von Alexandre Picard. Der 30-jährige kanadische Stürmer spielte als Leihgabe von Genf-Servette bereits am Spengler Cup für Davos. Er wird jedoch sein Debüt frühestens am nächsten Wochenende geben.

ZSC Lions – Davos 4:0 (2:0, 1:0, 1:0) 

11 200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Fischer/Massy, Bürgy/Wüst.

Tore: 11. Jan Neuenschwander (Diem, Foucault) 1:0. 18. Herzog (Künzle) 2:0. 32. Jan Neuenschwander (Diem) 3:0. 41. (40:20) Shannon 4:0.

Strafen: 1mal 2 Minuten gegen ZSC Lions, 5mal 2 Minuten gegen Davos.. 

ZSC Lions: Schlegel; Seger, Phil Baltisberger; Blindenbacher, Geering; Hächler, Bergeron; Künzle, Shannon, Herzog; Nilsson, Keller, Roman Wick; Patrik Bärtschi, Trachsler, Schäppi; Jan Neuenschwander, Diem, Foucault. 

Davos: Genoni; Du Bois, Jung; Schmutz, Guerra; Nater, Paschoud; Rampazzo; Ryser, Walser, Ambühl; Marc Wieser, Lindgren, Jörg; Setoguchi, Corvi, Aeschlimann; Portmann, Schläpfer, Sieber; Eggenberger.

Bemerkungen:

ZSC Lions ohne Cunti, Chris Baltisberger, Daniel Schnyder, Flüeler, Dan Fritsche (alle verletzt) sowie Malgin, Karrer, Matthews, Suter und Siegenthaler (alle U20-WM)

Davos ohne Schneeberger, Axelsson, Forster, Paulsson, Sciaroni, Dino Wieser, Simion, Brejcak (alle verletzt) sowie Kessler, Egli, Heldner, Kindschi, Forrer (alle U20-WM). – NLA-Debüt von Davos-Stürmer Nando Eggenberger (16). – 23. Timeout Davos.