Der neue Trainerstaff kostet nicht mehr als der bisherige

HCD-Präsident Gaudenz Domenig begründet im Interview die Wahl des neuen Headcoaches Christian Wohlwend, er spricht über die Erwartungen in den neuen Trainerstaff und er verrät, weshalb der Klub trotz der sportlich sehr schwierigen Saison in der Jahresrechnung mit einem blauen Auge davonkommen dürfte.

Gaudenz Domenig, weshalb hat sich der HCD für Christian Wohlwend als neuen Headcoach entschieden?

Gaudenz Domenig: Wir berücksichtigen natürlich sehr viele Aspekte. Christian Wohlwend offenbarte eine sehr grosse Begeisterung für den HCD und diese Aufgabe. Er steht auch voll hinter unserer Klubphilosophie und wird von seiner Position aus die ganze Ausbildung prägen in enger Zusammenarbeit mit den Elite-Junioren- und dem Novizen-Elite-Trainer. Zudem ist er bereit, in der ersten Mannschaft gemeinsam in einem Team mit guten Assistenztrainern zu arbeiten.

Strebte der HCD eine Schweizer Lösung an? In der National League wird es in der nächsten Saison mit Wohlwend und Luca Cereda nur zwei Schweizer Trainer geben.

Schweizer zu sein schadete bei unserer Evaluation nicht. Aber es war kein sehr gewichtiger Grund. Ich sehe allerdings eine gewisse Chance, dass es eine langfristige Beziehung zwischen dem HCD und Wohlwend werden könnte. Wir betrachten Kontinuität als grosse Qualität.

Der neue Defensivcoach Waltteri Immonen stammt aus Finnland, bringt aber auch viel Schweizer Erfahrung mit. Auch der künftige Offensivcoach dürfte ein Ausländer sein. Befürchten Sie im Coachingstaff kein Konfliktpotenzial?

Wohlwend hat mit Immonen bereits intensiv kommuniziert, bevor wir die Beiden engagierten. Und auch beim Stürmercoach, den wir noch suchen, werden wir unserem neuen Headcoach nicht einfach eine qualifizierte Person ohne sein Einverständnis aufzwingen. Er wird bei der Suche stark involviert sein.

Der HCD stellt seine Strukturen im Sportbereich radikal um. Nach dem erfolgreichen „Alleinherrscher“ Arno Del Curto ist künftig ein kompletter professioneller Trainerstaff mit einem Headcoach sowie einem Verteidiger-, einem Stürmer und einem Torhütertrainer tätig. Weshalb dieser Wechsel?

Wir betrachten es als erfolgsversprechende Struktur. Auch wenn einer allein hervorragende Qualitäten aufweist, hat er viel weniger Zeit für die einzelnen Spieler, als dies in einem Trainerteam der Fall ist. Der professionelle Trainerstaff ergibt mehr Möglichkeiten, um die Spieler individuell zu entwickeln und zu fördern. Die Zeit der „Alleinherrscher“ scheint im modernen Eishockey ohnehin abgelaufen zu sein.

Der neue Trainerstaff treibt wohl das Budget des HCD in die Höhe. Ist das nötige Geld überhaupt vorhanden?

Der neue Staff wird nicht mehr kosten, als es bei uns bisher der Fall war. Arno Del Curto hatte ja auch einen Staff. Mit Wohlwend haben wir einen aufstrebenden Trainer, der noch nicht in den höchsten Preisklassen anzusiedeln ist. Deshalb haben wir mehr Spielraum für den Rest des Coachingstaffs.

Apropos Geld: Wie gross ist das Loch in der Kasse beziehungsweise in der Jahresrechnung nach der sportlich arg enttäuschenden Saison 2018/19?

Die genauen Zahlen kennen wir noch nicht. Das Defizit wird sich jedoch im Rahmen des Gesamtbudgets von rund 26 Millionen Franken trotz des Zuschauerrückgangs nicht in einer katastrophalen Grösse bewegen, sondern etwa in der Grössenordnung des Vorjahres. Unsere Spieler haben leistungsbezogene Verträge. Sie beinhalten bei Nichterreichen der Playoffs eine Lohnkürzung und umgekerht einen Bonus, wenn es in den Playouffs nach oben geht. Uns hilft es finanziell auch, dass Arno Del Curto nach seinem Engagement bei den ZSC Lions im Januar nicht mehr auf unserer Lohnliste figurierte. Zudem lief nicht alles schlecht. Im Gastrobereich verzeichnen wir im Restaurant „Time Out“ ein Plus. Aufgrund der nahen Baustelle werde mehr Mittagessen serviert. Und der letzte Spengler Cup lief auch im finanziellen Bereich ausgezeichnet.

Mit dem neuen Trainerstaff und dem neuen Sportchef verbreitet der HCD Aufbruchstimmung. Trotzdem ist es bestimmt noch viel zu früh, bereits wieder von einem Meistertitel zu träumen…

Für die nächste Saison haben wir ein klares Ziel: die Playoffs erreichen. Hinter dieses Ziel stellt sich der neue Trainer mit voller Kraft. Mir machen uns aber keine Illusionen. Um die Playoffs zu erreichen, muss jetzt hart gearbeitet werden. Es ist nicht so, wie es ein Teil der Mannschaft vielleicht noch im letzten Sommer mit Del Curto glaubte, dass die Playoffs leicht zu erreichen seien. Eine Meister-Mannschaft kann man nicht von heute auf morgen aufbauen. Da muss dann die Handschrift unseres neuen Sportchef Raeto Raffainer schon auch noch wirken. Bei der Suche nach zwei ausländischen Stürmern, die wir für die nächste Saison noch benötigen, wird er nach der WM ein erstes Mal stark involviert sein.

Was sind generell Ihre Erwartungen in Raeto Raffainer?

Übergangsweise war der Verwaltungsrat in der Sportkommission vertreten. Das wird künftig nicht mehr der Fall sein. Sportchef Raeto Raffainer wird zusammen mit unserem CEO Marc Gianola den Sportbereich tragen. Über Top-Positionen im Sportbereich wird weiterhin der Verwaltungsrat entscheiden, unten durch liegt die Verantwortung im vorgegebenen Budgetbereich hingegen bei den genannten Personen. Natürlich erwarten wir auch einen engen Dialog zwischen dem Headcoach und dem Sportchef, der relativ nahe bei der Mannschaft sein wird. Diesbezüglich kann man uns rückblickend einen Fehler vorwerfen: Wir spürten nicht rechtzeitig, wie die Kommunikation zwischen Trainer Arno Del Curto und der Mannschaft immer schlechter wurde. Das begannen wir erst spät zu realisieren. Da haben wir jetzt mit Raffainer institutionell einen, der viel näher bei der Mannschaft ist und in einem ähnlichen Fall künftig den richtigen Weg finden muss, ohne dass er ins Coaching eingreift.

Noch eine persönliche Frage: Hatten Sie während der schwierigen vergangenen Saison nie den Gedanken, den Bettel als Präsident hinzuschmeissen?

Ich spürte natürlich die Verantwortung und fragte mich, ob ich den Rücktritt offerieren müsste. Das hätte ich auch getan, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, es wäre die beste Lösung für den Klub und wenn der Verwaltungsrat nicht gesagt hätte, gerade jetzt sei es wichtig, dass ich bleibe. Ich habe keine Angst davor, den Kopf hinzuhalten.

Auffallend war, wie die HCD-Führung trotz der misslichen Tabellenlage und des unerwarteten Rücktritts von Arno Del Curto zumindest gegen aussen Ruhe bewahrte und keine Panikentscheide traf.

Für uns war nach dem Rücktritt von Arno Del Curto sofort klar, dass wir keine panikartigen Schnellschüsse abfeuern würden. Wir liessen uns auch von medialen Vorwürfen nicht beeinflussen und engagierten nicht überhastet einen neuen Trainer. Während drei Wochen führte bekanntlich Michel Riesen die Mannschaft, ehe wir uns für den Rest der Saison für Harijs Witolinsch entschieden. Witolinsch machte seine Arbeit dann ja auch gut. Am Schluss schafften wir den Ligaerhalt im Playout relativ sicher.