Die Kunst des Schlittschuhlaufens für Hockeyaner

In der Davoser Vaillant Arena kurvt einer in rotem Trainingsanzug auffallend stilsicher und elegant übers Eis, ja er scheint beinahe zu schweben. Besa Tsintsadze, der bekannteste Powerskating-Coach in der internationalen Eishockeyszen, feilt gerade mit Fabian Heldner, Simon Kindschi und Marco Forrer an der Schlittschuh-Lauftechnik.

 

Seit 2013 weilt Besa Tsintsadze immer wieder wochenweise beim HC Davos, um die Spieler auf dem Eis in kleinen Gruppen zum Tanzen zu bringen – nicht nur die NLA-Cracks, sondern auch den HCD-Nachwuchs. Der jetzt 49-jährige Georgier weiss, wovon er spricht. Als Kind frönte er selber dem Eishockey. Er wechselte dann aber zum Eiskunstlauf, „weil damals Eishockeyspieler vor allem gross und kräftig sein mussten. Meine Statur entsprach nicht diesem Anforderungsprofil. Heutzutage hingegen können sich auch kleinere Spieler mit grossem läuferischem und technischem Potenzial im Eishockey behaupten“, sagt der Georgier. In den Neunzigerjahren nahm Tsintsadze an Welt- und Europameisterschaften im Eiskunstlauf teil; regelmässig klassierte er sich unter den ersten 15. Nach seiner Aktivkarriere blieb der Osteuropäer vorerst dem Eiskunstlauf als Trainer treu – „bis ich spürte, dass das nicht mein Ding war. Beim Eiskunstlauf war es mir zu langweilig und zu langsam. Ich brauchte mehr Tempo“, so der Georgier.

Mit Crosby und Malkin

Er entwickelte verschiedene Übungstechniken für sein eigenes Powerskating-Programm und begann, seine Methoden bei mehreren Teams in der American Hockey League (AHL) zu unterrichten. Tsindsadzes spezielle Trainingsart sprach sich in Nordamerika rasch herum. Nach wenigen Monaten verpflichtete in der NHL-Spitzenklub Pittsburgh Penuins. Zu seinen Schützlingen gehörten dort während fünf Jahren unter anderen die Superstars Sidney Crosby und Jewgeni Malkin, der ihn auch noch privat engagierte. Danach arbeitete Tsintsadze drei Jahre für die Boston Bruins, ehe er sich selbständig machte. „Wenn man Erfolg haben will muss man ein bisschen verrückt sein, sonst wird man nicht wahrgenommen“, meint er zu seinem Aufstieg und seinen speziellen Trainingseinheiten. Alle rufen ihn nach seinem Vornamen nur Besa. Mittlerweile hat er diesen zur Marke gemacht. Besa steht nun auch für Balance, Efficiency, Speed und Agility.

Fortschritte als Motivation

Während die Spieler nach einer 20- bis 30-minütigen Trainingseinheit wechseln, steht Tsintsadze in der Vaillant Arena den ganzen Tag auf dem Eis. Mit grosser Leidenschaft vermittelt er ihnen den Antritt, das Laufen und Kurven in hohem Tempo und das Stoppen. Der Powerskating-Coach läuft selber mit, er lobt und korrigiert. Den HCD-Akteuren attestiert er deutliche läuferische Fortschritte, seit er in Davos vor fünf Jahren seine punktuelle Tätigkeit aufnahm. „Es motiviert mich jeden Tag wieder aufs Eis zu gehen, wenn ich sehe, wie die Spieler besser werden und ich ihnen immer wieder Neues beibringen kann“, so Tsintsadze.

Stellvertretend für die HCD-Spieler bemerkt Fabian Heldner: „Als ich aus dem Wallis nach Davos kam, war ich läuferisch um Welten schlechter als jetzt. Das Powerskating-Training hat mir sehr viel gebracht“, sagt der Verteidiger. „Besa zeigt immer wieder, worauf man achten muss, damit man möglichst effizient Schlittschuh läuft. Er selber beherrscht es bis zur Perfektion. Allein schon ihm zuzuschauen und zu versuchen, das umzusetzen, was er sagt, bringt einen weiter.“

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