Diese junge Mannschaft braucht Zeit zum Reifen

Trotz des Scheiterns in Playoff-Halbfinal spricht Arno Del Curto von einer Top-Serie mit Top-Leistungen. Den entscheidenden Unterschied zum EV Zug ortet der HCD-Coach in der Kaltblütigkeit. Er verweist auf seine junge Mannschaft, auf die man sich in Zukunft weiter freuen dürfe.

Arno Del Curto, der HCD ist im Playoff-Halbfinal ausgeschieden. Auch das sechste Spiel gegen Zug stand wie die vorangegangenen bis zum Schluss auf des Messers Schneide.

Arno Del Curto: Die Zuger waren insgesamt kaltblütiger. Wir krampften und krampften und krampften und rackerten und sirackerten und brachen den Puck nicht im Tor unter. Doch das war eigentlich normal. Eine junge Mannschaft, wie wir sie haben, braucht Zeit, bis diese Kaltblütigkeit kommt. Die Kaltblütigkeit vermisste ich nicht erst im Playoff-Halbfinal, sondern während der ganzen Saison. Aber diese junge Mannschaft hat gekämpft, das ist genial, das ist geil. Sie hat sich auch durch Rückschläge nie unterkriegen lassen, ist immer wieder aufgestanden und weitergerannt.

Auffallend war, dass der HCD immer wieder in eigenen Druckphasen Gegentore kassierte, im letzten Match im Mitteldrittel gleich drei innert 164 Sekunden.

Ja, wir hatten die zahlreichen Partien jene ein, zwei Minuten, in welchen wir dem Gegner durch individuelle Fehler Tore schenkten. Das hat wahrscheinlich mit dem Kopf zu tun. Da kassierst du einen Gegentreffer und fragst dich, was soll das? Da drücken, spielen, versuchen und machen wir alles, und dann trifft der Gegner. Dann glaubst du, das Gegentor sofort wettmachen zu müssen und verhaspelst das Ganze, statt mit Ruhe und Geduld zu reagieren.

Der HCD benötigte während der ganzen Saison für seine Treffer enorm viel Aufwand und viele Chancen.

Wie schon gesagt: Wir sind eine junge Mannschaft. Mit dem Messer am Hals war der unbedingte Wille, Tore zu schiessen und den Puck ins Tor zu würgen, unübersehbar. Doch sonst wollten die Spieler vor allem schöne Tore schiessen. Aber das ist eine Krankheit von Schweizern generell und nicht nur von Eishockeyspielern. Das hat mit unserer Gesellschaft zu tun. Leider. Bei mir wäre es nicht so. Ich wäre so krank, dass ich unbedingt Tore schiessen möchte.

Wie beurteilen Sie die Torhüterleistungen?

Unsere Torhüter sind jung. Gilles Senn zeigte Top-Playoffs und arbeitete sehr gut. Aber Zugs Goalie Tobias Stephan spielte überragend. Doch das überraschte nicht. Senn ist 21 Jahre alt. Er befindet sich mitten im Lernprozess. Vor Saisonbeginn hiess es ja gar, mit dem jungen Torhüterduo Gilles Senn/Joren van Pottelberghe steigt der HCD ab. Jetzt kamen wir bis ins sechste Playoff-Halbfinalspiel und schieden in diesem Match unverdient aus. Alle Halbfinalpartien waren knapp, aber letztendlich verdiente Zug den Vorstoss in den Final.

Welche Schlüsse ziehen Sie mit Blick auf die nächste Saison?

Wir stellten in dieser Saison die jüngste NLA-Mannschaft. Die spezielle Playoff-Atmosphäre musste sie zuerst einmal bewältigen. Doch wir sind da um zu lernen. Deshalb gilt für mich: Wir zeigten im Halbfinal eine Top-Serie mit Top-Leistungen. Auf die Zukunft können wir uns freuen. Normalerweise gewährt man einer so jungen Mannschaft vier, fünf Jahre Zeit zum Reifen. Dem HCD aber scheinbar nicht. Da träumten viele schon vom Meistertitel. Aber auch die HCD-Mannschaft hat das Recht auf zwei, drei Jahre Zeit, bis sie davon träumen darf, dass irgendetwas kommt – wenn dann überhaupt alle Spieler noch da sind. Vielleicht gegen auch viele weg. Das weiss man nie.

Der HCD hat sich erneut für die Champions League qualifiziert…

Die Qualifikation für die Champions League ist für uns wie der Vorstoss in den Playoff-Halbfinal ein weiterer Erfolg. Die Vorfreude auf diese internationalen Partien ist schon jetzt gross. Wir werden zwar erneut ein happiges Programm haben mit Meisterschaft, Spengler Cup, Schweizer Cup und eben Champions League. Aber in der Champions League können gerade auch unsere vielen jungen Spieler profitieren.

Reicht das HCD-Kader für das happige Programm?

Damit müssen wir leben. Ich werde noch mehr junge Spieler aus dem Nachwuchs an die erste Mannschaft heranführen und integrieren. Nach dem Abgang von Beat Forster wird die Verteidigung ja noch jünger.

Wie sieht es für nächste Saison auf den Ausländerpositionen aus?

Perttu Lindgren muss sich jetzt einer Hüftoperation unterziehen. Wir hoffen, dass er rechtzeitig bis zum Beginn der Champions League wieder zurück ist. Auch Robert Kousal hat einen weiterlaufenden Vertrag. Die anderen zwei Positionen sind offen

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