Dumme Fehler und blöde Strafen

Die 2:5-Heimniederlage gegen den EHC Biel war am letzten Donnerstag gleichbedeutend mit dem Saisonende für den HC Davos. Coach Arno Del Curto blickt im Interview nicht nur auf die missglückten Playoffs, sondern auf die ganze durchzogene Saison zurück.

Arno Del Curto, der HCD ist im Playoff-Viertelfinal am EHC Biel gescheitert, der in der Qualifikation zwar 14 Punkte mehr als Ihr Team holte, aber doch nicht als unbezwingbar galt.

Arno Del Curto: In den Playoff-Spielen stand bei uns eine andere Mannschaft auf dem Eis, als wir sie normalerweise haben. In den letzten Partien spielten teilweise mit Dominic Weder, Ken Jäger und Nando Eggenberger sehr junge Akteure auf der Centerposition, mit denen wir noch nicht geplant hatten, dazu mit dem ebenfalls jungen Chris Egli einer, der in den letzten drei Jahren häufig verletzt war. Die Jungen machten es sehr gut, da brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber natürlich gab es manchmal aufgrund der mangelnden Erfahrungen Fehler. Als Mittelstürmer fehlten uns die verletzten Perttu Lindgren und Andres Ambühl.

Was entschied in der Playoff-Serie abgesehen von den vielen jungen Davoser Spielern zugunsten von Biel?

Dumme Fehler. Wir begingen fast in allen Spielen unglaublich dumme Fehler. Blöde Scheibenverluste leiteten Gegentore ein. Und bei zahlreichen Bieler Treffern stand der Torschütze völlig allein vor unserem Goal, weil die Zuordnung nicht stimmte. Diese Treffer verliehen dem Gegner Auftrieb. Uns nahmen sie zwar nicht gerade den Mumm, aber so wurde es für uns immer schwieriger. Aber gerade in solchen Situationen konnte man ja nicht erwarten, dass ausgerechnet die Jungen die Tore schiessen würden. Schlecht waren im Playoff aber auch zahlreiche blöde Strafen, die wir nach Unbeherrschtheiten oder bei Racheakten kassierten.

Wie lautet Ihre Saisonbilanz?

Es gab viel Positives. Wir setzten viele junge Spieler ein, tätigten wir doch auf diese Saison keine Transfers von Schweizer Akteuren. Gegen die Spitzenteams Bern, ZSC Lions, Lugano und mit Ausnahme einer Partie auch gegen Zug zeigten wir sehr gute Matches. Wir erreichten die Playoffs sicher, und wir stiessen im Schweizer Cup in den Final vor.

Dort gab es dann gegen die Rapperswil-Jona Lakers jedoch ein Debakel.

Dieses war erklärbar. Im sechsten Match innert acht Tagen fehlte schlichtweg die Kraft.

Was gefiel Ihnen in dieser Saison nicht?

Gegen die Mannschaften in unserer Reichweite, also gegen jene auf den Pätzen 5 bis 12, zeigten wir viele schlechte Partien. Das gibt mir zu denken; das müssen wir wieder ändern. Da passierte irgendetwas im Kopf. Aber das muss intern bleiben. Gesamthaft gesehen war die Saison in Ordnung. Wenn man mit so vielen Jungen wie der HCD spielt, kann man nicht aufs Eis gehen und glauben, man könne jetzt zaubern. Die Mannschaft kämpfte bis zum Schluss. Mit etwas Glück wäre auch im Playoff-Viertelfinal etwas möglich gewesen.

Der HCD kassierte in dieser Saison so viele Gegentreffer wie noch nie, seit Sie Trainer in Davos sind.

Das hing damit zusammen, dass wir wie schon gesagt gegen Bern, die ZSC Lions, Lugano und Zug hervorragend spielten, dass wir aber gegen die anderen Mannschaften liederlich auftraten. Das war eine Frage des Kopfes, eine Einstellungssache – leider. Aber natürlich riskierten wir mit dem Einsatz so vieler junger Spieler auch einiges.

In die Kritik gerieten während der ganzen Saison immer wieder Ihre beiden Torhüter Gilles Senn und Joren van Pottelberghe.

Wir entschieden uns 2016 nach dem Abgang von Leonardo Genoni zum SC Bern, mit jungen Torhütern von vorne zu beginnen. So, wie wir das bereits zuvor mit Jonas Hiller und dann mit dem Duo Genoni/Reto Berra getan hatten. Man darf nicht vergessen: Gilles Senn ist Anfang März gerade mal 22 Jahre alt geworden, Joren van Pottelberge ist erst 20. Ich hoffe, dass es sich erneut auszahlt, auf die Jungen zu setzen.

Ihre jungen Torhüter wurden von der Abwehr allerdings auch ungenügend unterstützt.

Die Verteidigung war tatsächlich ein Problem. Einige Abwehrspieler stagnieren, andere konnten sich nicht auf ihre Kernkompetenz fokussieren. Auf nächste Saison stossen Davyd Barandun, Dominic Buchli und Julian Payr von den Junioren fix zur ersten Mannschaft, dazu kommt Lukas Stoop kommt von Kloten.

Was sagen Sie zu Ihren Ausländern?

Da hatten wir in dieser Saison extrem Pech. Perttu Lindgren war praktisch nicht dabei. Für ihn war die Saison schon nach den ersten fünf Meisterschaftsspielen zu Ende. Mit Anton Rödin holten wir dann im Dezember einen Top-Ausländer. Aber er brach sich schon im fünften Spiel ein Bein und fiel dann bis Ende Februar aus. Unter diesen Umständen fehlten ihm logischerweise in den Playoffs die Topform und die Kraft. Auch Robert Kousal fiel im Dezember mit einem Fussbruch aus. Wir holten dann zwar vor dem Spengler Cup Mikael Johansson und Brandon Buck. Aber wenn man während der Saison Spieler holt, ist es in der Regel nicht die perfekte Lösung. Im sechsten Playoff-Match versuchte ich es mit Jaedon Descheneau, der die ganze Saison beim B-Ligisten HC Thurgau gespielt hatte. Ich hoffte, wir würden dieses Spiel beginnen; dann hätte ich in der finalen siebten Partie auf einen etwas ausgeruhten Broc Little gesetzt, den ich in der sechsten Begegnung pausieren liess.

Wie sieht die Ausländerfraktion des HCD nächste Saison aus?

Momentan sieht es so aus: Magnus Nygren, Anton Rödin, Perttu Lindgren und Broc Little bleiben. Bei Lindgren sind wir aber noch nicht sicher, wie gut seine Hüfte verheilen wird. Einer wird wohl noch dazu kommen.

Was sind Ihre Lehren für die nächste Saison?

Wir hatten in dieser Meisterschaft sieben, acht Bein- und Fussbrüche, vier, fünf Hirnerschütterungen, Schulterverletzungen, ausgerenkte Kniescheiben – all das kann man nicht beeinflussen. Sollte dieses Pech anhalten, wird sich nicht viel ändern. Aber vielleicht haben wir ja Glück und auch vier gesunde Ausländer, die den Unterschied ausmachen. Bezüglich HCD glauben offensichtlich viele, dass er einfach gewinnen müsse, egal wie die Umstände sind.

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