Ein Schwede mit NHL-Erfahrung fürs HCD-Tor

Der HC Davos lanciert die neue Saison mit einem Paukenschlag: Er hat am Samstag Torhüter Anders Lindbäck verpflichtet. Der 30-jährige Schwede spielte die letzten acht Jahre vorwiegend in Nordamerika. Insgesamt 135 Partien absolvierte er in der National Hockey League (NHL).

Anders Lindbäck, mit einer Körperlänge von 1,98 Metern und 98 Kilogramm ein Riese, lancierte seine Karriere in Schweden bei seinem Stammklub Brynäs, bis er 2010 als 22-Jähriger zu Nashville wechselte. Von den Predators war der Torhüter 2008 im NHL-Draft in der siebten Runde gezogen worden. Gleich in seiner ersten NHL-Saison bestritt Lindbäck für Nashville seine ersten 23 Partien. Den Durchbruch zum Nummer-1-Keeper schaffte er in der besten Eishockeyliga der Welt nicht. Für Nashville, Tampa Bay Lightning, die Dallas Stars und die Arizona Coyotes brachte er es auf insgesamt 135 NHL-Spiele. In der letzten Saison spielte er für die Milwaukee Admirals, Nashvilles Farmteam, in der American Hockey League (AHL).

Dass Lindbäck Anfang Jahr fürs AHL-All-Star-Team nominiert wurde, spricht für seine Qualitäten. Dem Schweden werden trotz seiner Grösse eine sehr gute Beweglichkeit und höchst wache Reflexe attestiert. Weiter wird er für seine ausgezeichnete Stockarbeit gelobt.

Auf gepackten Koffern gesessen

Am Samstag wurde der Vertrag mit Lindbäck besiegelt, bereits am Sonntagmittag traf er von Schweden kommend in Zürich-Kloten und später in Davos ein. Er sei schliesslich auf gepackten Koffern gesessen, meinte der neue HCD-Keeper nach seiner Ankunft. Ihm lagen verschiedene Angebote vor, unter anderen auch vom chinesischen KHL-Klub Kunlun. Lindbäck entschied sich jedoch auch aus familiären Gründen – er hat eine zehn Monate alte Tochter – und nach Empfehlungen etwa von Dick Axelsson und Magnus Nygren für den HCD. Das Sommertraining absolvierte Lindbäck wie gewohnt auf privater Basis mit einem persönlichen Konditionstrainer, das sei er sich seit Nordamerika so gewohnt. Auf dem Eis trainierte er gemeinsam mit anderen Goalies unter der Leitung eines ehemaligen NHL-Cracks. „Ich bin bereit und kann spielen, sobald mit der Lizenz alles geregelt ist“, sagt Lindbäck.

Das Ende eines Experiments

Die Verpflichtung von Lindbäck bedeutet, dass der HCD sein Experiment mit jungen Torhütern beendet. In den beiden letzten Saisons bildeten nach dem Abgang von Leonardo Genoni zum SC Bern Gilles Senn und Joren van Pottelberghe beim Bündner Traditionsklub das Goalieduo. Sie sind in der obersten Schweizer Eishockeyliga mit 22 (Senn) respektive 21 Jahren (van Pottelberghe) nach wie vor die beiden jüngsten regelmässig eingesetzten Torhüter. Senn galt in der Saison 2016/17 als Entdeckung in der National League. Am Ende jener Spielzeit wurde er gar von den Dallas Stars gedraftet. In der letzten Saison hinterliessen Senn und van Pottelberghe wie die ganze Davoser Mannschaft insgesamt einen zwiespältigen Eindruck. Den beiden Torhütern gelang es nur selten, mit Big Saves Siege für den HCD einzufahren.

Die Verträge von Senn und van Pottelberghe mit dem HCD dauern noch bis nächsten Frühling. Beide machten nie ein Geheimnis daraus, dass sie danach den Schritt nach Nordamerika wagen wollen. Das ist ein gewichtiger Grund, dass sich der HCD bereits jetzt um eine Nachfolgelösung bemüht hat. Lindbäck unterzeichnete vorerst einen Einjahresvertrag. Der HCD habe mit seinen beiden jungen Goalies keine längerfristige Lösung gefunden“, sagt HCD-Präsident Gaudenz Domenig gegenüber dem „Tages-Anzeiger“-Online. Darum gelte der Fokus des Klubs nur auf sich selbst. „Der Torhüter ist die vielleicht wichtigste Position im Eishockey, der Entscheid ist darum in Interesse des HCD. Unser Fokus liegt nicht auf der Ausbildung von Spielern für ausländische Klubs“, so Domenig.

Was nun mit Senn und van Pottelberghe, der von den Detroit Red Wings gedraftet ist, geschieht, ist offen. Es ist nicht davon auszugehen, dass beide die ganze Saison beim HCD bleiben werden.

 

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