Eine ausgezeichnete Destination für Trainingslager

Der russische Eishockey-Spitzenklub Metallurg Magnitogorsk weilt zurzeit in Davos im Trainingslager. Assistenztrainer Mike Pelino spricht über Sinn und Zweck dieses Aufenthalts, über die Ziele am Davos Hockey Summit und seine Erinnerungen an den Spengler Cup.

Mike Pelino, weshalb überbrückt Metallurg Magnitogorsk die Olympiapause mit einem zehntägigen Trainingslager ausgerechnet in Davos?

Mike Pelino: Davos ist eine ausgezeichnete Destination für ein Trainingslager. Wir haben hier alles, was wir brauchen: genügend Eiszeit in einem wunderschönen Stadion, Kraftraum und kurze Wege vom Hotel ins Eisstadion. Zudem erhalten wir am Davos Hockey Summit die Möglichkeit, Testspiele zu bestreiten, was während der langen Olympiapause wichtig ist. Im Eishockey ist Davos allein schon aufgrund seiner Tradition ein sehr bekannter Ort. Und viele kennen ihn wegen des Spengler Cup, auch in Magnitogorsk. Selber weilte ich mit dem Team Canada zwischen 1999 und 2002 vier Mal am Spengler Cup. Fredi Pargätzi und sein Team haben unser Trainingslager hervorragend vorbereitet. So war es jetzt für uns einfach, nach Davos zu kommen.

Welche konkreten Ziele verfolgen sie in Davos?

Wir wollen uns hier möglichst gut auf das Saisonfinale, die Playoffs, vorbereiten und am Davos Hockey Summit gute Spiele gegen Davos, Dinamo Riga und Trinec zu zeigen. Überall, wo wir antreten, wollen wir gewinnen – natürlich auch das Turnier in Davos in dieser Woche.

Schwieriger dürfte für Magnitogorsk der Titelkampf in der KHL werden. Ihr Team belegt zurzeit in der Ostgruppe nur Platz 6.

Der Titelkampf ist sehr offen. Unser Team verfügt über gute Spieler mit viel Erfahrung. 2014 und 2016 gewannen wir den Titel in der KHL, den Gagarin Cup. Und letztes Jahr scheiterten wir im Playoff-Final an St. Petersburg. Unsere Mannschaft kennt folglich den Weg zum Erfolg.

Sie arbeiten und leben nun bereits die fünfte Saison bei Metallurg Magnitogorsk.

In der Tat. Ich kam 2013 zusammen mit Mike Keenan zu Metallurg. Damals wussten wir nicht, wie lange wir beide hier bleiben würden. Mike wurde dann im Herbst 2015 als Headcoach abgesetzt. Ich bin immer noch in Magnitogorsk. Für mich ist es eine spannende, abwechslungsreiche Erfahrung in einer ausgezeichneten Organisation und in einer schönen Stadt. Mit gefällt es in Russland. Und die KHL ist eine hervorragende Eishockeyliga. Es gibt also viele gute Gründe, dass ich noch immer in Magnitogorsk bin.

Wo orten Sie die grössten Unterschiede zwischen Nordamerika und Magnitogorsk?

In der Verständigung, in der Sprache. Ich bin dabei, immer besser russisch zu lernen und zu sprechen. Die Leute sind nett. Schwieriger als für mich war am Anfang der Aufenthalt für meine Familie. Doch in Magnitogorsk gibt es auch viele Möglichkeiten zum Shoppen und zur Unterhaltung.

Haben Sie kein Heimweh nach Kanada?

Ich habe den Wechsel noch nie bereut. Bei Metallurg kann ich etwas bewegen und gemeinsam im Coachingstaff weiterentwickeln. Ich liebe es zu gewinnen; das ist mit Metallurg oft der Fall.

Sie erwähnten bereits Ihre vier Spengler Cup-Turniere. In den Jahren 2001 und 2002 amteten Sie als Headcoach des Team Canada.

Oh ja, und ich erinnere mich noch ganz genau an die Finals. 2001 verloren wir das Endspiel gegen Davos mit 3:4. Den entscheidenden Treffer für den HCD erzielte Lonny Bohonos, ein kanadischer Landsmann, in der Verlängerung. Im folgenden Jahr revanchierten wir uns mit einem 3:2-Finalsieg gegen Davos. Wir hatten damals ein wirklich starkes Team, unter anderen spielten Torhüter Corry Hirsch und Jan Alston, der den Siegtreffer erzielte, nachdem er schon das 1:0 geschossen hatte. Ich liebe den Spengler Cup – die Atmosphäre, die Fans, ja das ganze Eishockeyfest und überhaupt die Leute in Davos.

Wird Magnitogorsk wieder einmal am Spengler Cup antreten?

Ich hoffe es. Warum nicht schon das nächste Mal? Der Spengler Cup wäre gut für unser Team und ein grossartiges Erlebnis für jeden Spieler.

Sie sind nach wie vor verbunden mit Hockey Canada und kennen die KHL ausgezeichnet. Halfen Sie mit, Kanada Olympiakader für die aktuellen Winterspiele in Südkorea zu selektionieren?

Ja, schon letzte Saison und auch in der laufenden beobachtete ich die vielen kanadischen Spieler in der KHL als Berater. Für jeden kanadischen Eishockeyspieler ist es das Grösste, wenn er für sein Land spielen darf.

Wer wird Olympiasieger?

Meine Favoriten sind Russland und Kanada. Von Metallurg Magnitogorsk sind an den Winterspielen Sergei Mozjakin und Wasili Koschechkin für Russland, Chris Lee und Wojtek Wolski für Kanada, Jan Kovar für Tschechien und Oskar Osala für Finnland im Einsatz. Ich drücke allen die Daumen.