Eine derart grosse Krise hatten wir noch nie

Eine 2:5-Niederlage am Freitagabend in Lugano, eine 1:6-Pleite gegen den gleichen Gegner 24 Stunden später in der heimischen Vaillant Arena. Der HC Davos kommt weiter nicht auf Touren. Jetzt nimmt Präsident Gaudenz Domenig im Interview Stellung.

Gaudenz Domenig, der HCD hat beim 1:6 gegen Lugano eine weitere (Heim-)Pleite kassiert!

Gaudenz Domenig: Wir kämpften; das ist das Positive. Wir verloren; das ist das Negative. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, weshalb wir verloren.

Warum?

Ich orte eine Mischung. Wenn man unten ist, fehlt auch noch das Glück. Wir hatten schon in der vierten Minute einen Pfostenschuss. Lugano hatte im Schlussdrittel einen Pfostenschuss, doch beim Gegner prallte der Puck dann via Gilles Senn ins Tor, bei uns eben nicht. So läuft es, wenn man unten ist. Der HCD spielte über weite Strecken nicht schlecht, auch wenn sich Fehler einschlichen. Es war kein Match, nach welchem man sagen müsste, die Mannschaft sei kollabiert. Aber Fakt ist, dass sie sechs Gegentore kassierte.

Der HCD hat nun sechs Mal in Folge verloren und im siebten Heimspiel die sechsten Niederlage in der Vaillant Arena eingesteckt. Jetzt muss man von einer Krise sprechen.

Wir reden schon seit einiger Zeit von einer Krise. Deshalb trafen wir bereits auch organisatorische Massnahmen. Wir sprechen oft mit den Spielern. Die Mannschaft steht. Da kann man nicht viel machen. Jetzt müssen wir da durch und mit dieser Mannschaft wieder aus dem Loch herauskommen.

Es gibt viele Baustellen. Die Torhüter sind verunsichert. In der Defensive muss der HCD viele Tore hinnehmen, in der Offensive schiesst er fast keine Treffer, und die Ausländer sind nicht die reissenden Elemente. Wo soll man da überhaupt beginnen, die Probleme zu lösen?

Überall. Unser Ausländer-Quintett ist per se nicht schlecht. Es sind eigentlich allesamt gute Spieler. Aber irgendwie läuft es zurzeit nicht. Nun müssen wir die Gründe eruieren. Wir können die jetzt in der laufenden Saison nicht einfach auswechseln. Handkehrum müssen wir bereits für nächste Saison planen. Das ist ja das Verrückte in unserer Liga: Jetzt ist die Zeit, wo man die nächste Saison vorbereitet bezüglich Mannschaft. Wir haben deshalb zwei Themen, die brennen. Nächste Saison darf es nicht mehr so laufen. Diesbezüglich müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Gleichzeitig müssen wir schauen, was wir in der aktuellen Meisterschaft tun können. Es ist bereits sehr schwierig, überhaupt noch die Playoffs zu erreichen.

Eine Frage, die man sich in den letzten 22 Jahren nie vorstellen konnte: Ist Arno Del Curto noch der richtige Trainer, erreicht er die Mannschaft noch?

Ich glaube, dass Arno Del Curto die Mannschaft noch erreicht. Ist er noch der richtige Trainer? Irgendwann hört jeder Trainer auf, auch jeder Präsident. Zurzeit befinden wir uns nicht auf Trainersuche. Aber natürlich muss man alles in Frage stellen.

Worauf beruhen Ihre Hoffnung, dass Arno Del Curto zusammen mit der Mannschaft aus der aktuellen Krise herausfindet?

Wir hatten auch schon Krisen, aber nie eine derart grosse. Aus den kleinen Krisen führte uns Del Curto jeweils bravourös heraus. Jetzt hoffe ich, dass er auch aus der Grossen bravourös herausfindet. Natürlich hatte ich gehofft, dass wir aus der Doppelrunde gegen Lugano mit mehr als null Punkten herauskommen würden.

Am Dienstagabend trifft der HCD auswärts auf die Rapperswil-Jona Lakers, den Tabellenletzten – ein Schicksalssiel von Not gegen Elend also?

Zweifellos ein ganz wichtiges Spiel, auch aus psychologischer Optik. Diese Partie sollten wir gewinnen. Die erste Partie gegen „Rappi“ gewannen wir zuhause mit 2:0. Also auch kein Riesenunterschied. Wir werden alles für einen Sieg tun.

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