Eine Medaille bei der WM-Premiere – das ist unglaublich

Gleich bei seinem WM-Debüt mit der Schweiz gewinnt Enzo Corvi eine WM-Medaille und trumpft auch persönlich gegen die Weltklasse gross auf. Die Davoser Zeitung sprach am Montagmittag mit dem 25-Jährigen beim grossen Empfang fürs Nationalteam am Flughafen in Kloten.

Enzo Corvi, Sie sind eben mit WM-Silber um den Hals von der Eishockey-WM aus Kopenhagen zurückgekehrt. Überwiegt die Freude, oder schmerzt die verpasste Goldmedaille nach der unglücklichen 2:3-Finalniederlage nach Penaltyschiessen gegen Schweden noch?

Enzo Corvi: Zurzeit bin ich noch etwas enttäuscht. Wir waren so nahe am Weltmeistertitel, verloren erst im Penaltyschiessen. Das ist unglaublich. Ich brauche noch ein paar Tage, um das zu verdauen. Aber ich glaube, dass wir erhobenen Hauptes in die Schweiz zurückkehren durften. Wir zeigten eine gute Leistung, und zwar nicht nur im Endspiel, booteten wir doch im Viertelfinal Finnland, den Sieger der anderen WM-Gruppe, mit 3:2 aus und danach mit dem gleichen Resultat im Halbfinal die Kanadier mit Superstar Connor McDavid.

Wie erlebten Sie den Final?

Es ist natürlich der Traum eines jeden Eishockeyspielers, irgendwann einmal in einem WM-Final zu spielen. Wir hatten eine wirklich geile Truppe und erreichten gemeinsam das Endspiel. Das war wirklich der Hammer.

Was sagen Sie zum Endspiel?

Wir zeigten eine sehr gute Leistung, waren auf Augenhöhe mit den Schweden. Mehrheitlich wickelte sich das Spielgeschehen zwar in unserer Defensivzone ab. Aber wir liessen dem Gegner nicht viel zu und machten unseren Slot zu. So mussten die Schweden meist aussenherum spielen, der Bande entlang. Und wir kamen auch zu unseren Torchancen. Das Penaltyschiessen am Schluss war dann wie immer eine Lotterie. Da zogen wir leider den Kürzeren.

Sie bestritten Ihre erste Weltmeisterschaft überhaupt. Wie erlebten Sie die 15 Tage in Kopenhagen?

Natürlich positiv. Ich konnte gleich bei meiner ersten WM-Teilnahme eine Medaille nach Hause mitnehmen. Das ist unglaublich. Ich bin stolz auf die Schweizer Truppe, die wir in Dänemark zusammen hatten. Gemeinsam schafften wir etwas Grosses. Und wer weiss: Vielleicht gewinnen wir eines Tages ja auch noch die Goldmedaille.

Gemeinsam mit Nino Niederreiter und Mirco Müller wurden Sie bereits nach dem Halbfinal als einer der drei besten Schweizer Spieler des ganzen WM-Turniers geehrt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Das ist wirklich schön. Das ganze Team half mir brutal viel, damit es soweit kommen konnte. Die ganze Truppe machte es mir einfacher. Vor allem auch in unserer Sturmlinie funktionierte es ausgezeichnet.

Sie setzten aber auch selber auffallende Akzente. Bereits im Eröffnungsspiel erzielten Sie gegen Österreich das entscheidende 3:2 in der Verlängerung. Sie sorgten mit diesem Treffer dafür, dass die Schweiz gegen den Aufsteiger keinen Fehlstart erlitt.

An den Olympischen Spielen im Februar in Pyeongchang war es mir nicht gelungen, wirklich saubere Leistungen aufs Eis zu bringen. Ich versuchte deshalb eine Reaktion zu zeigen und irgendetwas zu kreieren. Umso mehr freute es mich, dass ich diese Absicht bereits im ersten WM-Match und danach auch in den weiteren Spielen umsetzen konnte.

Auch gegen Russland traten Sie ins Rampenlicht. Bei der 3:4-Niederlage trafen Sie unmittelbar vor der Schlusssirene die Latte statt zum Ausgleich ins Tor, und anschliessend wurden Sie als bester Schweizer Spieler der Partie ausgezeichnet – nota bene ausgerechnet gegen den Olympiasieger!

Ja, das war eine Riesen-Torchance. Ist stand zufällig am weiteren Torpfosten. Der Puck sprang auf meine Stockschaufel. Russlands Goalie war noch knapp dran; er lenkte die Scheibe an die Latte. Es war ein geiler Match gegen die Russen, ein Hammer-Spiel.

Mit total neun Skorerpunkten, vier Treffern und fünf Assists, belegen sie in der WM-Gesamt-Skorerliste als bester Schweizer gemeinsam mit Nino Niederreiter den 13 Platz – eine bemerkenswerte Ausbeute für einen WM-Neuling…

Ich habe die Skorerliste noch gar nicht genau angeschaut. Das erfahre ich jetzt zum ersten Mal. Ja, da tönt gut. Aber wie schon erwähnt gelangen uns als Team dank unserem grossartigen Zusammenhalt Super-Leistungen. Umso besser lief es mir dann auch persönlich.

Sie spielten alle zehn Partien in der selben Sturmlinie wie Nino Niederreiter, ihrem Schulkollegen aus Churer Zeiten.

Das war grossartig. Nino ist ein so guter Mensch, sowohl auf als auch neben dem Eis. Er war mir eine brutale Hilfe und motivierte mich immer, wenn ich mal am Boden zerstört war. Als ich hörte, dass Nino zum WM-Team stossen würde, war ich unheimlich froh. Wir hatten uns seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Es war sofort wieder wie früher.

Sie teilten während der WM mit Nino Niederreiter auch das Zimmer. Worüber sprechen zwei Churer Freunde miteinander?

Ab und zu schauten wir eine Fernsehserie, sonst allerdings schon vor allem Eishockey.

Nino Niederreiter wechselte als 13-Jähriger vom EHC Chur in die Nachwuchsabteilung des HCD und mit 16 nach Nordamerika. Mittlerweile gehört er in der NHL bei Minnesota zu den Stammkräften. Sie selber spielten vor sieben Jahren noch mit Chur in der 2. Liga. Bereuen Sie es jetzt, nicht schon in ganz jungen Jahren voll auf die Karte Eishockey gesetzt zu haben?

Nein, überhaupt nicht. Nino machte in Nordamerika einen Super-Job. Mit harter und konsequenter Arbeit verdiente er sich den Platz, den er jetzt bei Minnesota einnimmt. Ich konnte meinen Weg im Eishockey auch gehen und mein Ziel erreichen, vielleicht ein bisschen auf einem Umweg. Jetzt bin ich froh und glücklich, dass ich es so weit geschafft habe.

Sie bestritten in dieser Saison 89 Ernstkämpfe, 51 in der Schweizer Meisterschaft, fünf im Schweizer Cup, drei am Spengler Cup, vier in der Champions League, vier an den Olympischen Spielen, zehn an der Weltmeisterschaft und zusätzlich noch zwölf Länderspiele. Wie platt sind Sie jetzt?

Jetzt bin ich schon recht müde, das muss ich ehrlich sagen.

Dann geht es nun ab in die Ferien?

Jetzt fahre ich erst mal nach Hause. Dann rufe ich unseren HCD-Trainer Arno Del Curto an, um ihn zu fragen, wie lange er mir Ferien gewährt. Ich werde spontan irgendwohin fliegen und etwas Golf spielen.

Haben Sich aufgrund Ihrer starken WM-Auftritte bereits Scouts, Talentsucher der NHL-Klubs, bei Ihnen gemeldet?

Keine Ahnung, denn während der WM konzentrierte ich mich auf die Einsätze mit der Schweiz. Ich hatte in Dänemark und auch bis jetzt noch keinen Kontakt mit meinem Agenten.

Kann man davon ausgehen, dass Sie nächste Saison weiterhin für den HC Davos spielen?

Mein Vertrag mit dem HCD läuft noch bis im Frühling 2019. Was jetzt aufgrund meiner WM-Leistungen läuft, weiss ich wie gesagt noch nicht. Ich kann nichts versprechen.

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