Eine Saison, die Lust auf mehr macht

Für den HC Davos ist die NLA-Meisterschaft am letzten Samstag im sechsten Playoff-Halbfinalspiel gegen Zug mit einer 3:5-Heimniederlage zu Ende gegangen. Gleichwohl überwiegen in der Saisonbilanz die positiven Aspekte. Und mit dem Blick voraus ist Zuversicht angebracht.

Mit versteinerten Mienen standen sie am Samstagabend nach der Schlusssirene auf dem Eis. Die Enttäuschung stand ihnen ins Gesicht geschrieben, den HCD-Spielern. Trotz grossartigem Kampfgeist und Charakter schafften sie es nicht mehr, ein alles entscheidendes siebtes Spiel zu erzwingen. Nach einem in nur 164 Sekunden eingehandelten Drei-Tore-Rückstand bei Spielhälfte waren sie auf 2:3 herangekommen. Und auch nach dem 2:4 liess Vorbildkämpfer und Captain Andres Ambühl mit dem Anschlusstreffer nochmals Hoffnungen keimen. Mangelnde Präzision im Abschluss und der während der ganzen Serie überragende Tobias Stephan verhinderten jedoch den durchaus möglichen Ausgleich. Stattdessen machte Jarkko Immonen mit seinem Treffer zum 5:3 für Zug ins leere Davoser Tor alles klar.

58 Minuten in Unterzahl

Der HCD und Zug lieferten sich eine der spektakulärsten Serien in der Schweizer Playoff-Geschichte. Beide Mannschaften betrieben mit ihrer offensiv ausgerichteten und intensiven Spielweise beste Eishockey-Werbung. Davos war in allen sechs Halbfinalpartien nie die klar schlechtere Mannschaft. Alle sechs Begegnungen waren bis am Schluss hart umkämpft, zwei Mal brachte erst die Verlängerung die Entscheidung. Das totale Engagement und der grosse Aufwand im intensiven Vorwärtsspiel hielt jedoch mit dem Ertrag nicht stand. Insgesamt lag Davos nur während 10:12 Minuten in Führung. (Zu) oft mussten die Bündner einem viel Energie kostenden Rückstand nachrennen, den sie sich meist durch individuelle Fehler oder in Zuger Powerplayphasen einhandelten. Genau 58 Minuten spielte der HCD in den sechs Partien in Unterzahl, 37:35 Minuten davon in den drei Auswärtspartien, was vor allem bei den Schlüsselspielern an den Kräften zehrte.

Kontinuität ist gewährleistet

Dass es der HCD mit der jüngsten NLA-Mannschaft bis ins sechste Spiel des Playoff-Halbfinals schaffte, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Mut, nach dem Abgang von Leonardo Genoni, dem wohl besten Goalie auf Schweizer Eis, mit Gilles Senn und Joren van Pottelberghe auf zwei junge Talente zu setzen, zahlte sich aus. Vor allem Senn schaffte den Durchbruch bei den „Grossen“ in erstaunlich kurzer Zeit. In der Abwehr offenbarten Claude-Curdin Paschoud und Fabian Heldner, der auffallendste Blocker beim HCD, die grössten Fortschritte. Und im Angriff ist Enzo Corvi auf gutem Weg, einer der besten Schweizer Center zu werden. Gepaart mit den bekannten und bewährten Leistungsträgern darf der HCD zuversichtlich in die Zukunft blicken. Von den Teamstützen verlässt einzig Verteidiger Beat Forster Davos in Richtung Biel. Vom aktuellen Kader werden 22 Schweizer auch nächste Saison dabei sein, ebenso der finnische Spielmacher und Goalgetter Perttu Lindgren. Einen weiter laufenden Vertrag hat auch der Tscheche Robert Kousal.

Aegerter wird Sportchef in Visp

Eine Änderung gibt es im Staff des HC Davos. Der 61-jährige Bruno Aegerter wird Sportchef beim EHC Visp. Seit Mai 2012 war der Zürcher mit Emmentaler Wurzeln als erster vollamtlicher Talentscout beim HCD tätig. Zuvor hatte er ab 1988 als Trainer bei verschiedenen NLB-Klubs und in Italien gewirkt.

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