Endlich wieder zurück im Team

Nach viermonatiger Verletzungspause hat Claude Paschoud am Dienstag beim 6:1-Heimsieg gegen die ZSC Lions sein Comeback gegeben. Heute Abend spielt er mit dem HCD zuhause gegen Fribourg-Gottéron. Der 24-jährige Verteidiger verpasste 34 Meisterschaftsspiele und den Spengler Cup. Im Interview spricht er über seine Leidenszeit und seine Rückkehr ins Davoser Fanionteam.

Claude Paschoud, wir fühlten Sie sich, als Sie am Dienstagabend fürs Spiel gegen die ZSC Lions endlich wieder Ihr Matchleibchen überstreifen durften?

Claude Paschoud: Bei mir kam eine grosse Freude auf. Es war ja wirklich eine lange Zeit, seit dies letztmals der Fall war.

Wie kam es Mitte November zur Verletzung, welche Sie vier Monate ausser Gefecht warf?

Am 16. November wurde ich im Heimspiel gegen Lausanne kurz vor Spielende nach einem Schuss vom Puck am rechten Ohr getroffen. Das Ohr schmerzte, doch sonst spürte ich zunächst keine Symptome. Am folgenden Tag bestritt ich den Auswärtsmatch in Biel. Nach jener Partie hatte ich mit Übelkeit und Kopfschmerzen zu kämpfen. Die brachte ich nicht mehr weg.

Ihre Wettkampfpause dauerte dann aber mit vier Monaten doch ungewöhnlich lange.

Anfänglich wusste niemand, wie lange ich ausfallen würde. Auch die Ärzte waren überfragt. Nach einem Monat befand ich mich auch schon wieder auf dem Weg zurück. Kurz vor Weihnachten stieg ich ins Mannschaftstraining ein. Aber bereits nach dem dritten Training erlitt ich einen Rückschlag, der mich praktisch nochmals an den Anfang zurückwarf. Ich entschied mich Anfang Januar, ins Swiss Consussion Center nach Zürich zu gehen, wo sich viele Eishockeyspieler behandeln lassen. Diverse Tests brachten nicht nur eine Hirnerschütterung zutage, sondern auch einen gestörten Gleichgewichtssinn, ein sogenanntes vestibuläres Problem. Ich weilte dann während vier Wochen in Zürich in der Therapie. Danach begann ich in Davos wieder mit dem Aufbau, mit Kraft- und später mit Eistraining, wobei ich sachte beginnen musste und danach allmählich steigern durfte. Dabei musste ich stets auf meine Symptome achten. So wurde es Mitte März, bis alles wieder gut war.

Verletzte Eishockeyprofis fühlen sich wie junge Rennpferde, die eingesperrt sind. Wie gingen Sie während Ihrer langen Verletzungspause mental mit dieser Situation um?

Vor allem zu Beginn hatte ich Mühe damit, mir einzugestehen, dass ich verletzt bin, war es doch der erste längere Ausfall in meiner Karriere. Und natürlich musste ich dann im Dezember den Rückschlag wieder verdauen. Nachher sagte ich mir, dass ich mir die nötige Zeit gebe, um wieder richtig gesund zu werden. Während meiner Zeit in Zürich, wo ich pro Woche vier Tage weilte, erhielt ich etwas Abstand zum Eishockey und zur Mannschaft, was das Ganze erleichterte.

Was war das Schwierigste während Ihrer Verletzungszeit?

Ich verletzte mich im November, als noch Arno Del Curto Trainer war. Nach seinem Rücktritt kam bekanntlich zunächst interimistisch Michel Riesen und dann Harijs Witolisch. Da ging ziemlich alles drunter und drüber. In dieser Zeit hätte ich der Mannschaft gerne geholfen. Da verletzt zusehen zu müssen und nicht helfen zu können, war mühsam.

Kopfverletzungen sind generell heikel. Hinterfragten Sie während Ihrer Rekonvaleszenzzeit Ihren Beruf als Eishockeyprofi?

Nein, wirklich nie. Trotz allem sah ich immer Fortschritte. Ich musste mir nie sagen, dass ich keine gesundheitliche Besserung spürte.

Wie erlebten Sie am Dienstagabend Ihr Comeback beim 6:1-Heimsieg des HCD gegen die ZSC Lions.

Die Partie war nicht besonders intensiv, was mir zupass kam. Ich fühlte mich relativ gut und fand gut ins Spiel. Mit Félicien Du Bois hatte ich einen Verteidigerpartner, der mir sehr half. Er machte mir das Comeback einfach. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit jedem Shift besser dreinfand. Für mich war es ein super Match, um mich wieder ans Niveau heranzutasten. Ich wurde mit Einsätzen auch nicht forciert.

Wie weit sind Sie, in Prozenten ausgedrückt, wieder in Form?

Das ist noch schwierig einzuschätzen, spielten die ZSC Lions doch mit zahlreichen Junioren. Eine richtige Standortbestimmung erhalte ich im beiden letzten Spielen der Platzierungsrunde am Donnerstagabend gegen Fribourg-Gottéron und am Samstag auswärts gegen die Rapperswil-Jona Lakers, bevor es dann am nächsten Dienstag mit dem ersten Playout-Heimspiel gegen „Rappi“ richtig losgeht. Vertrauen hollte ich aber bereits gegen den ZSC holen. Ich konnte ans Limit gehen und ohne Hemmungen voll in die Zweikämpfe steigen.

Kommentare