Erst sprachlos, dann fühlte ich mich geehrt

Nach einem starken Auftritt am Samstagabend beim 5:3-Sieg in Zug hat sich der HC Davos am Sonntagnachmittag trotz bescheidener Leistung auch gegen Ambri mit 3:2 durchgesetzt. Gegen die Tessiner traf Ahren Spylo, der in der Saison 2006/07 bereits einmal für die Bündner gespielt hatte, beim Comeback zum 2:0.

Es wäre übertrieben zu behaupten, Ahren Spylo sei gegen Ambri im Mittelpunkt gestanden – höchstens im Mittelpunkt des Interesses aus Zuschaueroptik, nicht aber als spielbestimmende Figur. Einen Farbtupfer setzte er in seinem ersten Match in dieser Saison überhaupt gleichwohl. Bei seinem Treffer zum 2:0 demonstrierte Spylo seine stocktechnischen Qualitäten und seinen Torriecher. Erst narrte er die beiden Ambri-Verteidiger Franco Collenberg und Michael Ngoy, darauf versetzte er auch noch Torhüter Sandro Zurkirchen. Sonst war Spylo im Davoser Spiel und System oft noch ein Fremdkörper, langsam und wenig engagiert in der Defensive. „Mir fehlen noch der Rhythmus und die Spielpraxis. Aber ich denke, das kommt jetzt schnell zurück“, meinte der 33-Jährige nach dem Match.

Erst vor knapp drei Wochen verpflichtete der HCD den kanadisch-deutschen Doppelbürger als zusätzlichen Ausländer mit Blick auf die Playoffs. Ein Neuer ist Sylo in Davos gleichwohl nicht. In der Saison 2006/07 hatte er, damals noch als Ahren Nittel unter dem Namen seiner Mutter, von der American Hockey League (AHL) kommend, beim HCD seine ersten Europa-Erfahrungen gesammelt. In 17 Meisterschaftsspielen hinterliess er in Davos mit einem Treffer und vier Assists noch keinen bleibenden Eindruck. Später entwickelte er sich als Ahren Spylo (sein Vater heisst Andrew Spylo) zu einem Goalgetter.

Nur noch Ambühl und Dino Wieser

„Es ist grossartig, zurück in Davos zu sein“, schwärmte Spylo nach dem Ambri-Match. „Als ich vor ein paar Wochen erstmals von Interesse des HCD hörte, war ich zuerst sprachlos. Dann erinnerte ich mich an die Zeit vor zehn Jahren, und die Emotionen kehrten zurück. Ich fühlte mich geehrt und telefonierte ein paar Mal mit Arno Del Curto.“ Vom HCD, Ausgabe 2006/07, spielen jetzt nur noch Andres Ambühl und Dino Wieser für den Bündner NLA-Klub. Sonst habe sich aber fast nichts geändert, sagte Spylo. „Die Kabine ist noch immer die gleiche, einfach ein bisschen aufgefrischt. Arno Del Curto ist nach wie vor als Trainer da. Auch die Atmosphäre in der Kabine ist noch wie vor zehn Jahren: Da herrschen ein grossartiger Teamgeist und ausgeprägter Siegeswille, wie ich es bei keiner anderen Mannschaft erlebt habe.“

Nach sechs Jahren beim EHC Biel hatte Spylo im Frühling des letzten Jahres keinen neuen Vertrag mehr erhalten. Er kehrte nach Kanada zurück, trainierte meist allein oder mit einem Juniorenteam in seiner Heimatstadt und wartete „auf das richtige Team und das richtige Angebot“ (Zitat Spylo). Dieses traf aber nie ein. Umso dankbarer ist der Stürmer jetzt um die Chance, die er mit dem aktuellen Vertrag bis Saisonende beim HCD erhält. „Es war hart“, stellte er nach dem Spiel gegen Ambri fest. „Meine Teamkollegen hatten am Abend zuvor beim Sieg in Zug viel Energie und Kraft verbraucht. Und die Ambri-Spieler wollten sich ihrem neuen Trainer natürlich von ihrer besten Seite präsentieren.“ In den letzten Jahren habe er es oft erlebt, wie schwierig es sei, gegen den HCD zu spielen und zu gewinnen. „Umso schöner ist es jetzt, auf der Davoser Seite zu stehen“, meinte Spylo.

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