Exklusiv: Sven Jung im Interview

Für HCD-Verteidiger Sven Jung stehen zwei spezielle Partien bevor: Letzte Saison absolvierte er drei Spiele für den SC Bern, der am Samstagabend in Davos gastiert. Noch mehr freut sich der 20-Jährige mit schwedischem Blut auf das Champions-League-Viertelfinalspiel vom nächsten Dienstag gegen Skeleftea.

Sven Jung, ihre Mutter hat schwedische Vorfahren. Sind Spiele wie in der Champions League im August gegen Färjestad oder nächste Woche gegen Skeleftea für Sie etwas Besonderes?

Sven Jung: Meine Mutter beobachtet unsere Spiele gegen schwedische Teams jeweils im Stadion. Und für mich sind diese Partien auch etwas speziell, weil ich die schwedische Sprache einigermassen verstehe und weiss, dass ich etwas schwedisches Blut in mir habe. In Stockholm habe ich auch Bekannte.

Erhielten Sie von diesen nach dem Sieg des HCD in Karlstad gegen Färjestad Reaktionen?

Aus Schweden nicht. Aber meine Grossmutter, die jetzt in Bern wohnt, weiss, dass das schwedische Eishockey sehr gut ist. Sie hat gestaunt, sich aber auch gefreut, dass wir gegen Färjestad auswärts gleich mit 4:0 siegten.

Am nächsten Dienstag kommt es zum nächsten Vergleich mit einem schwedischen Spitzenteam. Da empfängt der HCD im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League Skeleftea.

Ich habe gehört, dass es sich bei Skeleftea um die beste Mannschaft in Schweden handeln soll. Sie gewann 2013 und 2014 die Landesmeisterschaft, und sie erreichte in den letzten fünf Saisons immer den Playoff-Final. Da treffen wir bestimmt auf einen ganz harten Brocken.

Sie bestritten in dieser Saison alle acht bisherigen Champions-League-Partien mit dem HCD. Was bedeuten Ihnen diese Begegnungen?

Ich finde es spannend, selber erfahren zu können, wo wir im europäischen Vergleich stehen. Ich denke, dass die Gegner jetzt immer stärker werden, je weiter wie in der Champions League noch kommen.

Sie sind erst 20 Jahre alt, haben im Eishockey aber schon viel erlebt. Weshalb wechselten Sie im Sommer 2010 von Langnau zu Notre Dame Argos Midget in eine kanadische Juniorenliga?

Mit 16 stand für mich in der Schweiz zur Debatte, eine Berufslehre zu beginnen oder in ein Sportgymnasium einzutreten. Einen Lehrmeister zu finden, der mir die nötigen Freiheiten fürs Eishockey gewährt hätte, wäre nicht einfach gewesen. Die Alternative wäre folglich ein Sportgymnasium gewesen. Da ich mit meiner Grossmutter von klein auf Englisch redete und die Sprache beherrsche, suchte ich aber eine spezielle Herausforderung; diese fand ich in Kanada.

Was erlebten Sie in Nordamerika?

Ich lernte viel fürs Leben, musste mich weg von zu Hause allein behaupten. In Kanada fand ich natürlich neue Kollegen. Und im Eishockey lernte ich zu beissen. Der Konkurrenzkampf ist dort schon auf Juniorenstufe enorm. Da kannst du dir keine schlechten Spiele leisten, weil auf jeder Position ein paar andere warten.

Im Sommer 2013 wechselten sie in Kanada den Klub, sie gingen zu den Rio Grande Valley Killer Bees. Dort blieben Sie jedoch nur ein paar Monate, ehe sie in die Schweiz zurückkamen und sich dem HCD anschlossen.

Ich zog mir zu Saisonbeginn eine Schulterverletzung zu und kam danach nicht mehr regelmässig zum Einsatz. Deshalb ersuchte ich nach einem Trade, doch einen solchen wollten die Teamverantwortlichen erst Ende Saison vollziehen. Da ich keine halbe Saison verschwenden wollte, entschloss ich mich zur Rückkehr. Beim HCD und Arno Del Curto sah ich für mich die besten Entwicklungsmöglichkeiten.

Zwischen dem 3:1-Heimsieg gegen die Kloten Flyers vom letzten Samstag und dem nächsten Heimspiel am kommenden Samstag gegen Bern war der HCD spielfrei. Wie sah das Programm für die erste Mannschaft aus?

Am Sonntag, Montag und Dienstag hatten wir frei. Seit Mittwoch läuft wieder das normale Training. Zurzeit konzentrieren wir uns auf den Bern-Match. Aber natürlich steckt im Hinterkopf schon das Champions-League-Spiel gegen Skeleftea. Der SCB wird für uns ein harter, starker Gegner – gerade der Richtige vor dem Heimspiel gegen Skeleftea.

Letzte Saison bestritten Sie aushilfsweise zwei Meisterschaftsspiele und ein Cupspiel für den SC Bern. Am Samstag treffen Sie nun mit dem HCD auf den SCB…

Mit einigen SCB-Spielern ging ich früher gemeinsam in die Schule. Und mit Janick Schwendener teilte ich in Davos die Wohnung. Den Grossteil der aktuellen SCB-Mannschaft kenne ich von den drei Wochen, während denen ich letzte Saison in Bern weilte. Natürlich will ich mich gegen den SCB vorteilhaft präsentieren. Da gibt es eine extra Motivation und einen extra Biss.