Für jeden ein individuelles Mäppchen fürs Krafttraining

Die Basis für eine bessere kommende Saison legen die Spieler des HC Davos zurzeit im Sommertraining unter Leitung des neuen Off-Ice- und Athletik-Trainers Steven Lingenhag. Der 27-jährige Sportwissenschafter legt bei seinen Schützlingen viel Wert auf eine individuelle Trainingsgestaltung.

Der 27-jährige Domleschger Steven Lingenhag weiss, wovon er spricht. Bis Ende Jahr schliesst er an der Universität Bern sein Studium in Sportwissenschaft mit der Masterarbeit ab. Er kennt sich in der Trainings- und Ernährungslehre aus, hat unter anderem in einem Fitnessstudio in Thusis gearbeitet und in verschiedenen anderen Bereichen Trainings geleitet. Bereits seit fünf Jahren ist Lingenhag beim HC Davos in immer mehr gesteigertem Zeitumfang als Konditionstrainer tätig. Letzte Saison war er zu 100 Prozent vom HCD für den Nachwuchs engagiert, ab Ende September begleitete er auch die erste Mannschaft.

Mit Spitzensportlern zu arbeiten nennt Lingenhag eine besonders reizvolle Aufgabe. Seine Liebe zum Eishockey stammt nicht von ungefähr. Sein Vater Hansjürg spielte in den Achtzigerjahren für den EHC Chur in der Nationalliga A. Eishockey sei neben dem Eis am schwierigsten zu trainieren, sagt Steven Lingenhag, da es den ganzen Körper beanspruche. „Da rotierst du auf einem Bein, musst mit dem Stock schiessen, Checks auffangen und die Schnelligkeit einsetzen. Sehr spannend, aber auch herausfordernd ist die Rumpfstabilisierung.“

Vollgas in der Eishalle

Sehr viel Wert legt Lingenhag bei den HCD-Spielern auf die individuelle Trainingsarbeit. Jeder erhielt seinen eigenen Kraftplan. Berücksichtigt wurden die individuellen Problemzonen wie Schulter, Rücken oder Hüften. Aufgrund der relativ vielen Kopfverletzungen in der letzten Saison wurde auch ein Augenmerk auf die Nackenmuskulatur gelegt. Zusammen mit HCD-Physiotherapeut Philipp Deck deckte er bei der Planung auch die medizinische Seite ab. Das Resultat der gesamten Auswertung erhielt jeder Spieler in einem Mäppchen, in dem nun seine eigene Trainingsgestaltung aufgeführt ist. Inbegriffen sich auch die Möglichkeiten für Mobilisationsübungen. Beim Stretchen sind die Vorgaben rumpfangepasst auf die individuellen Bedürfnisse. Im Kraftraum arbeitet Lingenhag gemeinsam mit Pierre Gutknecht in kleinen Gruppen. Jeder von Beiden ist jeweils gleichzeitig für maximal vier Spieler zuständig. „So können wir qualitativ sehr hochwertig arbeiten und den Spielern helfen“, betont Lingenhag und fasst zusammen: „Wenn wir in der Vaillant Arena sind, geben wir Vollgas!“

Wöchentliche Hausaufgaben

Für den Ausdauerbereich haben die Spieler Hausaufgaben erhalten. In der aktuellen Phase muss jeder fünf Stunden pro Woche Grundlagen-Ausdauer trainieren. Für dieses auf der Herzfrequenz basierendes Training hat jeder Spieler eine spezielle Uhr erhalten. „Ich will nicht mehr alle Spieler herpfeifen, um Biken zu gehen; das machen wir nun noch ab und zu“, bemerkt Lingenhag. Wie weit die individuelle Betreuung im Profieishockey inzwischen bereits fortgeschritten ist, dokumentiert Joe Thornton. Wenn der NHL-Superstar im Sommer jeweils in Davos weilt, bringt er gleich zwei Trainer aus Nordamerika mit, die er persönlich entlöhnt: je einen für den Kraft- und den Ausdauerbereich.

Bild: Steven Lingenhag instruiert Samuel Guerra an seinem ersten HCD-Arbeitstag