Fussballwädli, Eishockeymuskeln und eine Prinzessin

Petr Prasek knetet die angespannten Muskeln der Davoser Eishockeyprofis locker. Der 40-jährige Tscheche arbeitete auch im Fussballmetier bei U19-EM-Silbermedaillengewinnern und bei Bayern München. Zu seinen Klienten gehörte beim Abstecher in den Wellnessbereich auch schon eine holländische Prinzessin.

Auf der Suche nach einem geeigneten Masseur wurde Tommaso Franceschini im Sommer in Österreich fündig. Den entscheidenden Tipp erhielt der Physiotherapeut des HC Davos von Dr. Markus Klein, der beim EC Red Bull Salzburg als Mannschaftsarzt und in der Eishockey-Akademie tätig ist. Petr Prasek zögerte nach der Anfrage aus Davos keine Sekunde. „Den HCD kennt man aufgrund seiner erfolgreichen Klubgeschichte und dank des Spengler Cup über Europa hinaus“, sagt der 40-jährige Tscheche. Viele Spengler-Cup-Partien habe er in früheren Jahren am Fernsehen live verfolgt, und schon zwei Mal habe er seine Ferien in Davos verbracht.

HCD-Anfrage – eine grosse Ehre

Die Anfrage von Franceschini habe er als grosse Ehre betrachtet, bemerkt Prasek. Und die Eindrücke, die er von Davos und dessen Vorzeige-Eishockeyklub in all den Jahren gewonnen hatte, täuschten ihn nicht. Im Gegenteil. Der Tscheche erhielt sie nicht nur bestätigt, sondern fühlt sich an seinem neuen Wirkungsort rundum wohl. „Davos ist sehr schön zum Wohnen. Und die HCD-Spieler sowie der Trainer sind sehr nett; alle helfen mir“, lobt der Masseur aus Tschechien.

Prasek lernte seinen Beruf von der Pike auf. Er liess sich zum Krankenpfleger ausbilden und besuchte parallel Kurse im Massieren und Tapen. Postwendend engagierte ihn nach der Lehre im Jahr 1996 der HC Mountfield Ceske Budejovice in seiner tschechischen Heimatstadt Budweis. Als der Hauptsponsor Mountfield 2005 ins 300 Kilometer entfernte Hradec Kralove wechselte und einen Grossteil der Mannschaft mitnahm, hätte Prasek mitgehen können. Er verzichtete darauf und wandte sich stattdessen dem Fussball zu. 2009 massierte er an der U19-EM in seiner Heimat jene tschechischen Junioren, die Silber gewannen. Zwei Jahre später kümmerte er sich an der U19-EM in Bukarest um die Schiedsrichter. Mit einem Leuchten in den Augen nennt Prasek zahlreiche Namen aus dem Silber-Team von 2009, die jetzt zu den Stützen der A-Nationalmannschaft gehören und verstreut in ganz Europa dem Ball nachrennen: Pavel Kadernbek spielt in Hoffenheim, Tomas Koubek in Rennes, Ladislav Krejci in Bologna, Jiri Skalak in Brighton, und Tomas Kalas ist zurzeit von Chelsea an Middlesbrough ausgeliehen.

Abstecher in den Wellnessbereich

Ab 2012 arbeitete Prasek in drei bekannten 4- und 5-Sterne-Herbergen in Österreich im Wellnessbereich – im VIP Chalet „Maierl Alm“ bei Kitzbühel, im Hotel „Alpenrose“ in Lermoos und im Hotel „Post“ in Lech am Arlberg. Dort gehörte gar eine Prinzessin aus dem holländischen Könighaus zu seinen Klienten. Auch während seines Abstechers in die Hotellerie blieb der Tscheche mit dem Sport verbunden. In der Zwischensaison und in seiner Freizeit war er in der Nachwuchsabteilung von Deutschlands Vorzeigeklub FC Bayern München tätig. Dort lernte er Markus Klein kennen.

So schloss sich der Kreis für Prasek. Beim HC Davos ist er glücklich zurück im Eishockey. Der kräftig gebaute Tscheche vermittelt optisch das Bild eines typischen Muskelkneters. Seine ruhige Art und seine leise Stimme verraten hingegen sein grosses Einfühlvermögen und Feingefühl. Bei der Frage, ob er Eishockey oder Fussball bevorzuge, kommt der Tscheche ins Dilemma. „Ich mag Beides und schätze die gute Atmosphäre“, sagt Prasek. Im Eishockey sei seine Tätigkeit vielseitiger, bei den Fussballern habe sie sich zu 80 Prozent auf die Beine und das Tapen der Fussgelenke konzentriert.

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