Gilles Senn erlebt seine erste WM aus spezieller Optik

Als Torhüter Nummer 3 im Schweizer Team wird Gilles Senn an der Eishockey-Weltmeisterschaft in Dänemark wohl kaum zum Einsatz kommen. Dennoch weilt der 22-jährige HCD-Goalie zurzeit nicht als Tourist in Kopenhagen.

Gilles Senn, wie fühlen Sie sich hinter Leonardo Genoni und Reto Berra als dritter Schweizer Torhüter, der während der WM-Spiele nicht einmal als Ersatzgoalie auf der Spielerbank Platz nehmen darf?

Gilles Senn: Mir war schon vor dem WM-Start klar, dass ich primär nach Kopenhagen reisen würde, um einmal den ganzen WM-Alltag und die WM-Atmosphäre kennenzulernen. So sehe ich das Ganze auch etwas aus anderer Optik. Während der Schweizer WM-Spiele sitze ich jeweils oben auf der Tribüne beim Video-Coach und bei Goalietrainer Peter Mettler. Ich schaue vor allem, was unser Keeper macht. Nachher diskutieren wir Torhüter miteinander übers Spiel, was gut und was weniger gut war. Im Vergleich zur Position auf dem Eis fehlt natürlich der mentale Druck; für mich ist es etwas gemütlicher. Gemeinsam mit dem Torhütertrainer besuche ich auch andere WM-Partien und beobachte dann spezifisch die Goalies unserer Gegner; nach dem Match tauschen Mettler und ich jeweils unsere Feststellungen aus. Ich bin generell nicht einfach der dritte Schweizer Goalie, sondern werde häufig mit einbezogen mit Leonardo Genoni und Reto Berra.

Wir sieht es bezüglich Eistrainings aus?

Das ist unterschiedlich. Wenn an einem Spieltag nur ein kurzes Warm-up stattfindet, gehe ich nicht aufs Eis, sonst jedoch regelmässig. Manchmal bleiben wir überzähligen Spieler auch noch etwas länger als die anderen. Von unserem Konditions- und unserem Torhütertrainer werde ich schon etwas „geschlaucht“. Sie sorgen dafür, dass ich körperlich nicht hinabfahre und für einen Einsatz jederzeit bereit wäre. Ich werde bestimmt nicht mit ein paar Kilo zuviel „auf dem Ranzen“ nach Davos zurückkehren.

Haben Sie von Kopenhagen auch schon etwas anderes als das Eisstadion, die Trainingshalle und das Hotel gesehen?

Am spielfreien Montag zum Beispiel ging die ganze Mannschaft in die Stadt, und wir assen gemeinsam auswärts. An Wettkampftagen habe ich wie die weiteren Ersatzspieler Zeit, am Nachmittag etwas anzuschauen, wenn sich die anderen zur individuellen Matchvorbereitung und zum Schlafen in ihre Zimmer zurückziehen. Es ist wirklich schön hier in Kopenhagen. Gleich neben unserem Teamhotel befindet sich ein grosses Einkaufszentrum. Und auch bis ans Meer ist es nicht weit. Im Hotel selber haben wir auf dem obersten Stockwerk zudem einen gemütlichen Mannschaftsraum mit einer schönen Aussicht auf die Stadt. Dort können wir auch Kartenspielen und Fernsehen.

Mit wem teilen Sie das Zimmer?

Mit Samuel Walser. Er kam bisher auch nicht zu einem WM-Einsatz, weil unser Coach Patrick Fischer das Kontingent von 22 Feldspielern noch nicht ausgeschöpft hat. Er wartet ab, ob allenfalls noch Schweizer Spieler in der NHL frei für die WM werden.

Sie befinden sich kurz vor Ende Ihrer bislang längsten Saison. Haben Sie nach wie vor Kraft und Energie fürs Eishockey?

Das ist kein Problem. Mental konnte ich mich nach dem Meisterschaftsende etwas erholen, bevor ich dann mit dem Nationalteam gegen Tschechien, Weissrussland und Norwegen spielte. Auch kräftemässig fühle ich mich nach wie vor gut.

Aber nach der WM werden Ferien willkommen sein…

Daraus wird vorerst nichts. Ich rücke gleich in die Sportler-Rekrutenschule in Magglingen ein. Parallel werde ich beim HCD einmal pro Woche auf dem Eis das spezifische Torhütertraining unter Marcel Kull absolvieren. Erst im Juli werde ich zwei Wochen Ferien machen. Vorher gehts aber noch nach Amerika.

Planen Sie wie vor einem Jahr den Besuch des Prospect Camps bei den New Jersey Devils, von denen Sie im Juni 2017 im NHL-Draft gezogen worden sind?

Ja, Anfang Juli werde ich erneut am einwöchigen Prospect Camp der Devils teilnehmen. Dort kann ich nicht nur sportlich profitieren, sondern auch Kontakte knüpfen, und die Verantwortlichen der New Jersey Devils sehen mich.

In der kommenden Saison werden Sie aber weiterhin die HCD-Farben tragen?

Auf jeden Fall!

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