Grosses Jubiläum für einen kleinen Grossen

Die Auswärtspartie von heute Abend in Fribourg gegen Gottéron wird für HCD-Captain Andres Ambühl eine besondere: Zum 1000. Mal tritt der Davoser zu einem Meisterschaftsspiel in der Nationalliga A beziehungsweise National League an. Ambühl findet als erst 13. Spieler Aufnahme im exklusiven 1000er-Klub.

Im Spätsommer 2000 beobachtete ich von der Tribüne aus vor dem Bündner-Cup-Spiel zwischen dem EHC Chur und dem HCD gemeinsam mit Arno Del Curto das Einlaufen. Auf Davoser Seite war ein kleiner, junger, wirbliger Stürmer dabei, der auffiel, weil ihn noch kaum einer kannte. „Aus dem wird mal was“, bemerkte der HCD-Trainer und zeigte auf Andres Ambühl, damals gerade mal 16 Jahre alt. Die Fortsetzung ist bekannt. Mittlerweile ist aus dem Wirbelwind längst ein vorbildlicher, unermüdlichlicher Powerstürmer und Leistungsträger geworden, der läuft und läuft und läuft. Ambühl ist sechsfacher Schweizer Meister (2002, 2005, 2007, 2009, 2015 mit dem HCD, 2012 mit den ZSC Lions) und zweifacher Spengler Cup-Gewinner mt Davos (2004, 2006). Er stürmte für die Schweiz an drei Olympischen Winterspielen, 15 Weltmeisterschaften, gewann 2013 WM-Silber und ist mit 107 WM-Partien Schweizer WM-Rekordspieler.

Seger führt 1000er-Klub an

Am Dienstagabend erreicht Ambühl im Auswärtsspiel gegen Fribourg-Gottéron einen weitere seltene Bestmarke. Zum 1000. Mal tritt der Ur-Davoser zu einer Meisterschafspartie in der obersten Schweizer Spielklasse an. Es wird sein 825. Punktespiel in den HCD-Farben, 175 weitere bestritt er zwischen 2010 und 2013 für die ZSC Lions. Erst zwöf Akteure übertrafen bis jetzt die magische 1000er-Grenze: Mathias Seger 1167 Spiele, Beat Gerber 1084, Ronnie Rüeger 1078, Ryan Gardner 1075, Ivo Rüthemann 1072, Gil Montandon 1069, Sven Lindemann 1045, Sébastien Reuille 1035, Martin Steinegger 1023, Marc Reichert 1022, Fabian Sutter 1021 und Reto von Arx 1004. „Das ich nun zu diesem 1000er-Klub stosse, ist cool", sagt Ambühl

NLA-Debüt mit 17

Sein NLA-Meisterschaftsdebüt gab der Stürmer im Frühjahr 2001. Nachdem er gegen Bern nach dem Einlaufen während der Partie noch nicht zum Einsatz gekommen war, legte er am 17. Februar 2001 im Heimspiel gegen den EV Zug richtig los. Ambühl erinnert sich: „Ich bildete gemeinsam mit Andreas Camenzind und einem weiteren jungen Spieler die vierte Sturmlinie. Wir gewannen die Partie 5:1, und Camenzind erzielte zwei Tore.“ Ambühl hat inzwischen selber 225 Treffer und 325 Assists verbucht; das ergibt den höchst bemerkenswerten Durchschnitt von mehr als einem halben Skorerpunkt pro Match. Auf sein wichtigstes Tor angesprochen, meint er: „Schlussendlich ist fast jeder Treffer wichtig. Am wichtigsten sind natürlich jene, wenn man in den Playoffs einen Match entscheiden kann. Aber das sind jeweils für mich nur Momentaufnahmen.“

Hätte Ambühl in der Saison 2009/2010 nicht in Nordamerika gespielt, hätte er die 1000er-Marke schon letzte Saison erreicht. 2009 wechselte er in die Organisation der New York Rangers. Sein Traum von der National Hockey League (NHL) erfüllte sich jedoch nicht. Ambüh kam nur im Farmteam bei Hartford Wolf Pack in 64 Partien in der American Hockey League (AHL) zum Zug. Dennoch betrachtet er rückblickend sein Amerika-Abenteuer nicht als verlorenes Jahr. Völlig auf sich allein gestellt, habe er auch menschlich sehr viel gelernt. Dass der Davoser nun beim 1000. Punktespiel in der Schweiz ankommt, hängt auch mit seiner robusten Gesundheit zusammen. 2002 beim HCD und ein Mal bei den ZSC Lions musste er wegen einer Hirnerschütterung pausieren. Weiter erlitt er im Playoff-Viertelfinal gegen Biel 2018 auf unglückliche Art eine Fussverletzung, die seinen Einsatz an der folgenden Weltmeisterschaft verhinderte. „Meine Gesundheit ist wohl genetisch bedingt, sie hat aber auch mit dem Aufwachsen zu tun. Mein Körper ist von Natur aus robust“, sagt der nur 1,76 Meter grosse, aber mit 85 Kilogramm kräftige Sertiger.

Ich will so lange wie möglich spielen

Ans Ende seiner Karriere denkt der mittlerweile 36-jährige Ambühl noch nicht. „Diese und nächste Saison habe ich noch einen Vertrag beim HCD. Ich möchte noch mindestens einmal Schweizer Meister werden mit dem HCD und auch mit der Nationalmannschaft einmal zuoberst sein. Für mich ist es logisch, dass ich so lange wie möglich spielen will. Dafür muss ich aber gesund bleiben und mithalten können. Der Spass muss auch weiterhin vorhanden sein“, sagt er. „Nach Ablauf meines Vertrags iim Frühling 2021 müssen wir von Jahr zu Jahr schauen. Aber natürlich werde ich älter, und ich beginne mir zu überlegen, was nachher sein könnte.“

Ehrung am Freitagabend

Vorläufig zählt für Ambühl die Gegenwart. Fakt ist, dass er am vergangenen Samstag in Bern den Anschlusstreffer zum 2:3 anleitete. Perttu Lindgren, der an allen Davoser Treffern beteiligt war, sicherte dem HCD mit dem 3:3 104 Sekunden vor Ablauf des dritten Drittels einen Puck, worauf die Bündner das Penaltyschiessen verloren. Am Dienstag möchte Ambühl sein Jubiläum auswärts gegen Fribourg natürlich am liebsten mit einem Sieg krönen. Vom HCD wird er am Freitagabend vor dem Anpfiff zum ersten Heimspiel der Saison gegen Biel geehrt.

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