Ich durfte eine Riesen-Zeit in Davos erleben

Am 1. April hat Beat Forster mit dem verlorenen sechsten Playoff-Halbfinalspiel gegen Zug seine Zeit beim HCD abgeschlossen. Der 34-jährige Verteidiger blickt auf 14 Jahre in Davos zurück und wechselt nun „voller Tatendrang“ zum EHC Biel.

So lange für den gleichen Klub zu spielen, mache ihn etwas stolz, sagt Beat Forster. „Ich durfte eine Riesen-Zeit in Davos erleben in den 14 Jahren mit dem HCD. Ich konnte mit diesem Super-Klub fünf Schweizer Meistertitel gewinnen und feiern. Es gibt nicht viele Spieler in der Schweiz, die das schaffen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich die blau-gelben Farben so lange tragen durfte.“ Der HCD sei ein spezieller Klub, das wisse jeder, der schon einmal für ihn gespielt habe. „Es ist ein grosser Klub, bei dem man nicht nur Eishockey spielen, sondern gut spielen, gewinnen und viel erreichen kann. Es macht mehr Spass, wenn man mehr gewinnt als verliert.“

Forster hat für den HCD 628 Meisterschaftsspiele absolviert, davon 148 in den Playoffs, 2002, 2005, 2009, 2011 und 2015 den Meisterpokal in die Höhe gestemmt, weiter neun Mal den Spengler Cup bestritten und zwei Mal gewonnen (2004/2011) sowie im Europacup beziehungsweise der Champions League die blau-gelben Davoser Farben getragen. Da drängt sich beim Abschied die Frage natürlich geradezu auf, welches denn die prägendsten Spiele oder Momente in seiner langen Davoser Laufbahn gewesen sind.

Das wird nicht mehr so schnell eine Mannschaft schaffen

Spezielle Spiele gebe es jedes Jahr, die speziellste Saison sei jedoch zweifelsohne 2008/2009 gewesen, sagt der stämmige Verteidiger. Damals musste der HCD in jeder Playoff-Serie über die volle Distanz gehen. Erst im siebten Spiel setzte er sich jeweils durch, zunächst im Viertelfinal gegen Lugano, dann gegen Fribourg-Gottéron und schliesslich auch im Final gegen die Kloten Flyers, als sich die Bündner im siebten Match auswärts mit einem 2:1-Sieg den Titel sicherten. „Wir waren bereits zu Beginn der Finalserie stehend k.o. und nach dem Gewinn der Meistertrophäe so fertig, dass wir nicht einmal mehr richtig feiern mochten“, erinnert sich Forster. Schweizer Meister nach 21 Playoff-Spielen – das werde nicht so schnell mehr eine Mannschaft schaffen. „Hätten die Flyers die Finalserie mit enormem Tempo begonnen, hätten sie uns wohl zerstört“, glaubt er. Letztendlich hätten jedoch der unbedingte Siegeswille und die Erfahrung den Ausschlag zugunsten des HCD gegeben. „Wir hatten zahlreiche erfahrene Akteure und mit Reto von Arx den besten Schweizer Spieler überhaupt in unseren Reihen; das war unser Vorteil“, so Forster.

Der Spengler Cup ist etwas vom Besten

Wenn der gebürtige Appenzeller, der in der Saison 2000/01 seinen Meisterschaftseinstand im Davoser NLA-Team gab, von seinen vielen Höhepunkten spricht, kommt er bald einmal auch auf den Spengler Cup zu sprechen. „An diesem Turnier habe ich immer „so gerne gespielt. Der Spengler Cup ist eine Bereicherung und etwas vom Besten überhaupt, was das Eishockey zu bieten hat. Es ist eine spezielle Woche in Davos“, bemerkt der Abwehrrecke. Forster betont das hohe sportliche Niveau. „Das Turnier wird von allen Spielern sehr ernst genommen. Weil die Taktik nicht so verbissen wie in der Meisterschaft durchgezogen wird, gerät der Spielwitz mehr in den Vordergrund. Das ermöglicht einen Hauch von Raffinesse, und die Spieler strotzen vor Spiellust.“

Vom Lehrling zum Lehrer

Als Jugendlicher sei er zum HCD gestossen, um in der Nationalliga A Fuss zu fassen, sagt Forster. Als er in seiner Entwicklung eine Stagnation spürte, wechselte er 2005 zu den ZSC Lions. In Zürich habe er dann an der Seite von Mathias Seger auch einen Riesenschritt machen können, stellt er fest. Für nationales Aufsehen sorgte Forster im Herbst 2008, als er aus seinem laufenden Vertrag bei den ZSC Lions ausstieg und zum HCD zurückkehrte. Noch heute mag er die Gründe nicht gross erörtern. Nur so viel: „Das war mein Entscheid. Ich habe ihn mit ZSC-CEO Peter Zahner besprochen. Wir wissen es.“

Mit 17 hatte Forster beim HCD sein Debüt in der ersten Mannschaft gegeben. Seine erste NLA-Saison bestritt er an der Seite von Beat Equilino. Nach der Rückkehr aus Zürich wurde Forster selber von Lehrling zum Lehrer in der Davoser Abwehr. Er führte Lukas Stoop, Samuel Guerra und Fabian Heldner ins NLA-Eishockey ein. „Diese Rolle gefällt mir, und ich habe sie auch nicht so schlecht ausgeführt“, meint er lächelnd. Es freut mich extrem, dass ich zu ihrer Entwicklung meinen Teil beitragen durfte.“ Forster weiss, wovon er spricht: „Verteidiger benötigen viel Zeit zum Reifen. Es braucht eine grosse Portion Erfahrung, um dann in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung zu treffen, wenn man im schnellen Eishockey unter (Zeit-)Druck steht.“ Er nennt präzisierend das richtige Timing, um den Angriff vorzuprellen, das richtige Timing bei Steilpässen aber auch das richtige Timing vor dem eigenen Tor.

Die Familie steht über allem

Forster gehört zu den härtesten Schweizer Verteidigern. Er liebt das Körperspiel und führt seine Checks zu Ende, was für die Gegner nicht selten schmerzhaft endet. Er verfügt aber auch über läuferische Qualitäten und einen guten „Hockeysinn“, den er ins Offensivspiel einbringt. Viele kennen den 1,85 Meter grossen und 99 Kilogramm schweren Haudegen wegen seiner kompromisslosen Zweikämpfe primär als „bösen“ Spieler, nicht aber seine sensible Seite. Für Forster steht die Familie „über allem, sie ist mir wichtiger als der Sport; der Sport hört ja irgendwann auf.“ Als Familienmensch geniesse er es, seine Kinder aufwachsen zu sehen – die neunjährige Chiara, den siebenjährigen Luca und die erst wenige Monate alte Giulia. Forster erachtet Eishockeyprofis für Familienleben als privilegiert. „Wir trainieren zwar viel und sind während der Saison oft unterwegs, können aber trotzdem viel Zeit mit der Familie verbringen, vor allem auch tagsüber.“

Das ist Teil des Business

Eigentlich hatte es sich Forster mit seiner Familie und seiner Eigentumswohnung so eingerichtet, möglichst lange in Davos bleiben zu können. Nun aber kommt es nach 648 NLA-Spielen für den HCD anders. Der HCD-Vorstand zog die gegenseitige Option, die beim eigentlich bis 2019 laufenden Vertrag integriert war, und kündigte dem Verteidiger per 31. Dezember 2016. Die beiden Parteien sassen später nochmals zusammen. Der Klub offerierte Forster einen neuen Einjahresvertrag, der Spieler beharrte jedoch auf zwei Jahre. „Für mich wäre es in einem Jahr mit 35 schwieriger geworden, einen neuen Klub zu suchen als jetzt mit 34“, sagt Forster und fügt an: „Entweder zwei Jahre oder gar nicht. Es ging nicht ums Geld.“ Ist Forster nun nach so vielen Jahren beim HCD wegen der Trennung sauer oder enttäuscht? „Weder noch. Der Klub hat mir meine schöne Karriere ermöglicht, die ich gemacht habe. Es ist offen kommuniziert worden. Das ist Teil des Business. Ich musste für mich schauen.“

Biel überzeugte mich am besten

Bekanntlich hat Forster für die beiden nächsten Saisons beim EHC Biel unterschreiben. „Weil mich Biel am besten überzeugte“, sagt der Verteidiger. „Es hat eine junge, hungrige Mannschaft. Ich spiele gerne mit jungen Spielern zusammen, die ich besser machte möchte. Und ich bin überzeugt, dass sich Biel im NLA-Mittelfeld etablieren und in den Playoffs einen Exploit landen kann.“ An den Rücktritt vom Spitzensport habe er nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen mit dem HCD keine Sekunde gedacht, bemerkt Forster. „Ich fühle mich gut und spielte zuletzt eine sehr gute Saison. Ich habe nach wie vor viel Spielfreude und kann einen Match mitprägen.“ In jungen Jahren habe er sein Hobby, das Eishockey, zum Beruf gemacht. Den übe er jetzt noch immer gerne aus. Forster nennt die lockere Atmosphäre in Kabine, den coolen Umgang mit den Jungs und das Kind im Mann durch die spielerischen Elemente in Trainings und Einsätzen. Das erhalte jung. Wegen der Vielseitigkeit sei Eishockey der schönste Sport überhaupt. „So lange ich Spass habe, sehe ich keinen Grund, dem Eishockey den Rücken zu kehren“, folgert Forster

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