Ich hätte gerne noch zwei weitere Spiele gemacht

Andres Ambühl hat an der Eishockey-WM zu den auffallendsten Schweizer Spielern gehört. Er wurde am Turnierende auch als einer der Top-3-Player des Teams ausgezeichnet. Nur allzu gerne hätte der HCD-Captain am WM-Final-Wochenende in Köln noch zwei weitere Partien für die Schweiz im Medaillenkampf bestritten.

Andres Ambühl, die Schweiz hat am vergangenen Donnerstagabend ihr WM-Viertelfinalspiel gegen Schweden mit 1:3 verloren. Wie erlebten Sie diese Partie?

Andres Ambühl: Wir versuchten alles und rackerten, doch irgendwie was es doch zu wenig, um den Schweden wirklich gefährlich zu werden. Das 0:1 konnten wir zwar noch wettmachen, doch im Mitteldrittel und zu Beginn des dritten Abschnitts schossen sie innert recht kurzer Zeit souverän zwei Tore.

Was machte den Unterschied aus?

Wir machten es den Schweden ein bisschen zu einfach. In der Offensive hatten wir zwar ab und zu gute Einsätze, doch insgesamt entwickelten wir zu wenig Druck auf ihr Tor. So kamen wir kaum zu guten Abschlussmöglichkeiten.

Die Schweiz begann die WM gegen Slowenien trotz 4:0-Führung mit einem Punktverlust, und gegen Frankreich setzte es eine Niederlage im Penaltyschiessen ab. Positiv fiel allerdings die markante Leistungssteigerung während des Turniers auf.

Wir wurden von Match zu Match besser und vor allem sicherer in unserem Spielsystem. Gegen die Top-Nationen gelang uns eine auffallende Steigerung; da konnten wir unser bestes Eishockey abrufen. Dadurch holten wir verdient einen Punkt gegen Finnland und zwei Siege gegen Kanada und Tschechien. Das war cool. Unsere beste Leistung zeigten wir gegen Kanada. Aber auch beim 3:1-Erfolg gegen Tschechien spielten wir gut. Wir hatten uns bereits vor jenem letzten Gruppenspiel für die Viertelfinals qualifiziert, wollten aber gegen die Tschechen unbedingt gewinnen.

Die Schweiz beendete die WM auf dem sechsten Rang und behauptete in der Eishockey-Weltrangliste ihren siebten Platz. Ist die Schweiz den Top-Nationen näher gerückt?

Wir punkteten zwar in allen sieben Gruppenspielen, doch generell hat sich an unserer Situation nicht viel geändert. Um zu den Top-Nationen zu gehören, muss man während Jahren konstante Leistungen abrufen können. Diese WM war aus unserer Sicht nicht schlecht, aber es braucht nun noch ein paar solche.

An der ersten WM unter Trainer Patrick Fischer hatte die Schweiz vor einem Jahr nur Platz 11 erreicht. Jetzt belegt sie Rang 6. Was haben Fischer und die Mannschaft diesmal besser gemacht?

Wir waren jetzt etwas strukturierter und hatten bereits während der ganzen Saison Zeit, miteinander zu arbeiten. Das war 2015/16 noch nicht so, hatte Fischer den Trainerposten doch erst im Dezember 2015 übernommen. Der Grat zwischen Viertelfinal-Qualifikation oder nicht ist aber nach wie vor schmal. Hätten wir vor einem Jahr im letzten Gruppenspiel die Tschechen bezwungen, wären wir auch damals in den Viertelfinal vorgestossen.

An den Olympischen Winterspielen im Februar 2018 werden in Pyeongchang die NHL-Spieler voraussichtlich fehlen. Darf man nun aufgrund der Schweizer WM-Auftritte gar mit einer Olympia-Medaille liebäugeln?

Da habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Eine Medaille ist immer das Ziel; das muss auch so sein. Aber so weit sollten wir jetzt noch nicht denken. Nun haken wir mal die Saison 2016/17 ab, und dann schauen wir wieder nach vorne.

Sie wurden am Donnerstag nach dem Viertelfinal gemeinsam mit Leonardo Genoni und Vincent Praplan als einer der drei besten Schweizer WM-Spieler geehrt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Das ist natürlich eine hübsche Sache. Aber Fakt ist, dass wir leider im WM-Viertelfinal scheiterten. Das Persönliche ist für mich nicht so wichtig.

Sie erzielten an dieser WM drei Tore, buchten zwei Assists und weisen eine Plus-Minus-Bilanz von +4 auf. Wie beurteilen Sie Ihre persönliche WM?

Im Grossen und Ganzen durften sich meine WM-Auftritte sehen lassen. Ich fühlte mich auch relativ gut, war fit und frisch. Ich hätte gerne noch zwei weitere WM-Spiele gemacht. Die hätte ich körperlich auch noch gut verkraftet.

Statt des WM-Final-Wochenendes in Köln sind jetzt bei Ihnen verdiente Ferien angesagt…

Ich habe noch keine grossen Ferienpläne geschmiedet, möchte aber schon noch ein bisschen in die Wärme. Nun habe ich zwei Wochen Ferien. Danach werde ich mit dem Sommertraining beginnen.

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