Ich sehne mich nach dem Eis

Nach seinem Wadenbeinbruch arbeitet Anton Rödin zielstrebig an seinem Comeback. Der 27-jährige Flügelstürmer aus Schweden hofft, dass er am 28. Februar im nächsten Meisterschaftsspiel auswärts gegen Bern wieder die Davoser Farben tragen kann. „Es sieht gut aus“, sagt HCD-Konditionstrainer Renè Baur.

Am 9. Dezember um 20.56 Uhr in der Vaillant Arena. Im Meisterschaftsspiel zwischen dem HC Davos und Biel läuft die 36. Spielminute. Anton Rödin ist in ein Duell mit Biels Verteidiger Benoit Jecker verwickelt. Der HCD-Schwede gerät nach dem Recontre ins Straucheln und prallt in hohem Tempo in die Bande. Er bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Eis liegen. „Nicht schon wieder“, schiesst es Rödin durch den Kopf. Röntgenaufnahmen im Spital in Davos bestätigen seine Befürchtungen: Ein Wadenbein ist gebrochen.

Gerade mal drei Partien hatte der Schwede im Herbst 2016 in der National Hockey League (NHL) für die Vancouver Canucks bestreiten können. Den langen Rest der Saison verbrachte er mit einem Sehnenriss, Knieverletzungen und Entzündungserscheinungen häufig bei Ärzten und Physiotherapeuten. Nachdem Rödin Anfang Oktober 2017 trotz Ein-Weg-Vertrag die Rückkehr in Vancouvers NHL-Team nicht auf Anhieb schaffte, wollte er seiner Karriere beim HCD neuen Schub verleihen. Bei den Bündnern bestätigte der schnelle und torgefährliche Flügelstürmer, der 2015/16 für Brynas in 33 Partien 37 Skorerpunkte gebucht hatte und nach der Meisterschaft als wertvollster Spieler der schwedischen Liga mit dem Goldhelm ausgezeichnet worden war, seine Vorschusslorbeeren sofort. In den ersten vier Meisterschaftspartien für den HCD liess er sich einen Treffer und vier Assists notieren.

Die Physiotherapie abgeschlossen

Dann aber folgte der unheilvolle Match gegen Biel. Rödin liess sich operieren und kehrte dann zur Genesung nach Schweden zurück. Wöchentlich erhielt er von HCD-Konditionstrainer Renè Baur ein detailliertes Programm mit Kraftübungen für den Oberkörper im Kraftraum. Seit Mitte Januar ist der Stürmer zurück in Davos. HCD-Physiotherapeut Tommaso Franceschini schloss inzwischen die Behandlung von Rödins verletztem Wadenbein ab. Jetzt arbeitet der Spieler unter Anweisung von Baur zielstrebig an seinem Comeback. Rödin stemmt Gewichte, er macht Klimmzüge und plagt sich an weiteren Kraftgeräten bis zur Erschöpfung ab. Mehrmals wiederholt er die einzelnen Übungen. Rödin ringt nach Atem. Schweisstropfen kullern über sein Gesicht.

Mit seinem Verletzungspech mag er nicht mehr hadern. Das sei „Teil des Spiels“, das Risiko eines Eishockeyprofis. „Aber in den beiden letzten Jahren waren es wirklich zu viele Verletzungen für mich; nun hoffe ich, dass dieses Pech ein Ende hat“, sagt Rödin. Jetzt will er nur noch eines: „Ich sehne mich nach dem Eis. Ich möchte spielen und dem Team helfen.“ Bei seinem Wechsel zum HCD im Ende November hatte der Stürmer noch gehofft, sich für Schwedens Olympiateam aufzudrängen. Dieser Traum platzte mit dem Wadenbeinbruch. Nun muss er vor dem Fernseher mitfiebern, wenn seine Nati-Kollegen in Südkorea sielen. „Ich wünsche Schweden viel Glück und hoffe, dass es Gold holt“, meint Rödin.

Es sieht wirklich gut aus

Persönlich hat sich der Skandinavier zum Ziel gesetzt, „bis zu den Playoffs zurück im Davoser Team zu sein. Ich denke, wir haben im Titelkampf gute Chancen.“ Baur bestätigt Rödins Comeback-Ziele als realistisch. „Es sieht wirklich gut aus. Ich hoffe, dass er nach der Olympiapause bereits die drei letzten Qualifikationsspiele bestreiten kann, damit er bis zu den Playoffs seinen Rhythmus wieder findet.“ Baur lobt Rödins Trainingsfleiss. „Seine Einstellung ist gut. Er will zurückkommen und der Mannschaft helfen. Im Kraftraum kann Rödin jetzt alles machen. Bei ein paar Übungen müssen wir noch aufpassen, dass wir bezüglich Gewichtsbelastung kontinuierlich steigern und nicht dreinschiessen.“ Ins positive Bild passt auch, dass Rödin diese Woche erstmals seit seinem Wadenbeinbruch wieder aufs Eis konnte.

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