Im HCD richtig angekommen

Neue Ausländer benötigen beim HC Davos in der Regel eine längere Anlaufzeit, bis sie sich ans Tempo und Spielsystem gewöhnt haben. Das musste in dieser Saison auch Robert Kousal erfahren. Seit Wochen fällt der 26-jährige Tscheche nun aber immer mehr auch als Torschütze auf.

Am Dienstagabend in der Partie zwischen dem HC Davos und dem HC Kloten: Robert Kousal schiesst in der 54. Minute den Puck nach einem idealen, öffnenden Querpass von Enzo Corvi entschlossen zum 3:3 ins Netz. Der tschechische Stürmer sichert so den Bündnern einen Punkt. Denn sie bleiben nachher sowohl in der Verlängerung als auch im Penaltyschiessen erfolglos. Es war Kousals 14. Treffer im 43. Meisterschaftsspiel. Da er auch 14 Assists auf seinem Konto hat, ist er mittlerweile bei 28 Skorerpunkten angelangt.

Pikant: In seinen ersten 30 Punktespielen in Davos hatte es der Stürmer gerade mal auf fünf Tore und acht Assists gebracht. Das Spielsystem von Arno Del Curto beim HCD sei zwar nicht schwierig, aber anders, als er gewohnt war, erklärt Kousal. Vor allem in der Defensivzone sei er verloren gewesen. Er habe einige Zeit gebraucht, bis er das System in den Griff bekommen habe. Zentral ist in Del Curtos System, dass der Center als erster Angreifer nach hinten absichern muss, während die Flügelstürmer ein intensives Forechecking betreiben. Diesbezüglich musste Kousal seine Angriffslust zuerst zügeln.

Tore fürs Selbstvertrauen

Mittlerweile hat sich dieses Problem aber auch gelöst, weil der Coach Kousal neben Perttu Lindgren auf der linken Seite als Flügel stürmen lässt. Der Tscheche meint allerdings, dass es für ihn selber nicht eine so grosse Rolle spiele, ob er nun als Center oder als Flügel agiere. „Viel wichtiger ist, dass ich mich gut fühle. Wenn ich Spass auf dem Eis habe und es rund läuft, ist die Position zweitrangig“, meint Kousal. Den Spass hat er offensichtlich gefunden, nachdem er in der ersten Saisonhälfte ein Auf und Ab wie die ganze Mannschaft erlebt habe, wie er erklärt. Jetzt ist Kousal im HCD angekommen. Das tönt dann beim Tschechen so: „Ich schoss ein paar Tore. Die verliehen mir mehr Selbstvertrauen. Meine Gedanken und mein Kopf sind nun klar.“

Gegen Lugano und die ZSC Lions

Tore und Assists von Kousal dürften auch mitentscheidend sein, wenn Davos an diesem Wochenende punkten will. Am Freitagabend gastiert der HCD in Lugano, und 24 Stunden später empfängt er um 19.45 Uhr die ZSC Lions in der Vaillant Arena. „Die Liga ist sehr ausgeglichen, jedes Team kann jedes schlagen. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, wir können jeden Gegner schlagen“, meint Kousal vor der kommenden Doppelrunde. Trotz der 3:4-Heimniederlage gegen Kloten nach Penaltyschiessen steht seit Dienstag die Playoff-Teilnahme des HCD definitiv fest. In den verbleibenden Partien der Regular Season geht es für die Bündner primär darum, sich für die Playoffs in eine gute Ausgangslage und vor allem in Bestform zu bringen.

Nati bleibt für Kousal Thema

Kousal hofft natürlich auf möglichst lange dauernde Playoffs mit dem HCD. Auch danach wird die Saison für den Stürmer noch nicht zu Ende sein. „Ich bin in Kontakt mit unserem Nationalcoach“, sagt der Tscheche. „Er lud mich in dieser Saison für jeden Zusammenzug des Nationalteams ein. Ich folgte aber nur im Dezember, als ich im Rahmen der Euro Hockey Tour mit Tschechien in Helsinki gegen Finnland und danach in Moskau gegen Schweden und Russland spielte. Wir haben abgemacht, dass ich nach dem Saisonende in Davos ein Aufgebot fürs Nati-Camp im Rahmen der WM-Vorbereitung erhalte.“ Vor einem Jahr hatte Kousal seine WM-Premiere erlebt. Sie war mitentscheidend, dass der Tscheche beim HCD zum Thema wurde und danach für zwei Jahre unterschrieb. Ein Entscheid, den er noch keine Sekunde bereute. „Ich fühle mich in Davos seit dem ersten Tag wirklich wohl“, bemerkt Kousal. „Ich schätze den Ort, den Klub und die Fans – alles passt wirklich bestens.“

Forster wechselt nach Biel

Ob Kousal im Frühling die WM-Selektion erneut schafft, ist offen. Fix ist hingegen bereits jetzt, dass Beat Forster den HCD Ende Saison verlassen und mit einem Zweijahresvertrag zum EHC Biel wechseln wird. Der HCD machte von einer gegenseitig vereinbarten Klausel Gebrauch, um den eigentlich bis 2019 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen. Dass der Klub diese Klausel zog, habe ihn überrascht, sagte Forster gegenüber der „Südostschweiz“. Aber so sei nun mal das Eishockey-Business. Schlechte Worte werde er aber nicht verlieren über den HCD. „Das ist bei diesem Klub gar nicht möglich. Der HCD ist im Schweizer Eishockey ein Unikat. Ich hatte hier sehr schöne Jahre“, so Forster.

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