Intensive Trainings statt Playoff-Spiele

Eigentlich hätten die Playoff-Viertelfinals morgen Samstag für den HC Davos mit einem Heimspiel gegen Lausanne beginnen sollen. Daraus wird zumindest vorläufig nichts. Selbst eine Absage des Meisterschafts-Schlussspurts ist möglich. „Eine solche würde bei uns die finanziellen Verluste in beschaulichem Rahmen halten“, sagt HCD-CEO Marc Gianola.

Der Bundesrat hat aufgrund der Coronavirus-Situation sämtliche Grossveranstaltungen über 1000 Zuschauer vorläufig bis am 15. März untersagt. Der HCD musste deshalb die beiden letzten Qualifikationsrunden als Geisterspiele austragen . An einer ausserordentlichen Ligaversammlung wurde am Montag beschlossen, den Spielbetrieb in der National League bis am übernächsten Sonntag zu unterbrechen. Sollte das Veranstaltungsverbot seines der Behörden nicht verlängert werden, werden die Playoff-Viertelfinals – darunter auch die Serie Davos – Lausanne – am 17. März gestartet. Für den Fall, dass das Veranstaltungsverbot verlängert oder noch umfangreichere Auflagen zum Tragen kommen, werden die Liga und die Klubs über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die HCD-Weisungen an die Spieler

Aufgrund der zweiwöchigen Meisterschaftspause schraube der HCD im Training der ersten Mannschaft die Intensität herauf, sagt Sportchef Raeto Raffainer. „Wir haben nun Zeit, neue physische Inputs zu geben.“ Teamintern seien die gesundheitlichen Vorsichtsmassnahmen für die Spieler die selben wie während des letzten Spengler Cups, als in Davos eine Magen-Darm-Grippe kursierte. Raffainer präzisiert: „Hände desinfizieren. Nicht ins Eisstadion kommen, wenn man sich nicht 100-prozentig wohl führt. Sofort Kontakt aufnehmen, wenn Familienmitglieder irgendwie krank sind. In einem solchen Fall würden wir Spieler temporär im Hotel unterbringen.“ Aus dem Tagesbetrieb wurde vorläufig Paul Berry, der langjährige Teambetreuer und „gute Seele“ der Mannschaft, genommen. „Aufgrund seines Alters gehört Pauli zur Risikogruppe. Es wäre schlimmer, wenn er vom Coronavirus angesteckt würde“, sagt Raffainer.

Die Klubs wollen keine Geisterspiele mehr

Klar kam am Montag an der Ligaversammlung zum Ausdruck, dass die Klubs keine Geisterspiele mehr möchten. „Geisterspiele haben wir am letzten Wochenende erlebt; solche wollen wir nicht mehr“, meint Raffainer. Ins selbe Horn bläst Marc Gianola. „Playoff-Spiele ohne Zuschauer machen keinen Sinn“, sagt der CEO des HCD. „Geisterspiele machen unser Produkt nicht gut. Sie sind nicht lässig für die Spieler, aber auch nicht für die Fernsehzuschauer.“

Was will MySports?

Die Frage drängt sich natürlich auf, wie es nach dem 15. März weitergehen soll. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem klein, dass der Bundesrat sein aktuelles Verbot von Grossveranstaltungen in der ganzen Schweiz lockern oder aufheben wird. Aufs Eishockey bezogen würde das bedeuten, den Playoff-Start weiter nach hinten zu verschieben, die Playoffs zu verkürzen oder gar abzusagen. Aus Klubsicht wäre ohne Geisterspiele das Meisterschaftsende die logische Folge. Offen ist zurzeit, wie das Fernsehen auf eine Absage reagieren würde, um keine Geisterspiele austragen zu müssen. Im TV-Vertrag sind Modus und Anzahl Spiele geregelt. Für die Übertragungsrechte bezahlt der UPC-Sender MySports pro Jahr 35 Millionen Franken. „Im Grundsatz wollen wir, was uns vertraglich zusteht», sagte MySports-Chefin Steffi Buchli am Dienstag dem „Blick“. Sie hätte kein Problem damit, weitere Geisterspiele zu übertragen. „In einer Reihe von nicht-optimalen Optionen wäre das für uns nicht die schlechteste.“

Gianola antwortet auf die Frage, welche finanziellen Konsequenzen es für den HCD hätte, wenn in dieser Saison nicht mehr gespielt würde: „Das Risiko ist im Moment schwierig einzuschätzen, weil wir nicht wissen, wir gross das Fernsehen Regress nimmt durch den Schaden, der entsteht, falls sie ihre Fernsehrechte nicht wahrnehmen können. Für unsere Zuschauer ist es aber auch schlecht, wenn sie den Höhepunkt der Saison nicht im Stadion sehen könnten. Finanziell würde sich für den HCD der Verlust in einem beschaulichen Ausmass halten.“

Kommentare