Jetzt geht es ums Überleben

Am Dienstagabend um 20 Uhr startet der HC Davos in der Vaillant Arena seinen Kampf um den Ligaerhalt. Die 1:2-Auswärtsniederlage am Samstag in Rapperswil-Jona im bedeutungslosen letzten Platzierungsrundenspiel war ein Schuss vor den Bug. Die Playout-Serie gegen die Lakers wird definitiv kein Spaziergang, sondern knüppeldicker Überlebenskampf. Umso wichtiger wird die lautstarke Unterstützung möglichst zahlreicher HCD-Fans im Stadion sein.

In der Qualifikation hat der HC Davos in dieser Saison alle vier Partien gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers gewonnen – 2:0 und 4:2 in der Vaillant Arena, 2:1 nach Penaltyschiessen und 3:1 am oberen Zürichsee. In der Platzierungsrunde verloren die Bündner hingegen mit 1:3 (zuhause) und 1:2. Und im Schweizer Cup scheiterte Davos im Viertelfinal mit einer 3:4-Heimniederlage nach Verlängerung an den Lakers. Diese knappen Resultate deuten auf eine höchst enge Playout-Serie hin. Doch sonst sind sie „Schnee von gestern“. Jetzt zählt nur noch die Gegenwart, und die ist glasklar. Wer im Playout zuerst vier Partien gewinnt, sichert sich den Klassenerhalt in der National League. Der Verlierer hingegen erhält im Überlebenskampf eine weitere, letzte Chance in der Ligaqualifikation (ebenfalls in einer Best-of-7-Serie) gegen den Meister der Swiss League, der früheren Nationalliga B. Dort kämpfen ab Dienstag La Chaux-de-Fonds und Langenthal um den Titel.

Eine Kopfsache

Auf dem Papier gilt der HCD fürs Playout aufgrund seiner erfolgreichen Geschichte und aktuell wegen teilweise prominenterer Namen im Spielerkader als Favorit. Die enorme mentale Herausforderung ist für die Davoser allerdings neu. In der Eishockeyszene sind sich alle einig, dass das Playout (auch) im Kopf entschieden wird. Seit dem Wiederaufstieg in die oberste Schweizer Spielklasse im Jahr 1993 schaffte Davos bis zu dieser Saison immer die Playoff-Qualifikation. Es musste nie um den Klassenerhalt bangen und kämpfen. Die Rapperswiler hingegen kennen die Situation mit den „Nervenspielen“. Sie wurden vor einem Jahr B-Meister und schafften in der Ligaqualifikation den Aufstieg gegen Kloten. Die Lakers gewannen das alles entscheidende siebente Spiel gegen Kloten mit 2:1 in der Verlängerung und schickten damit die „Flieger“ in die Swiss League.

Der Vergleich auf allen Positionen

Die spielerischen Vorteile liegen mit Blick aus Playouf (theoretisch) beim HCD. Doch jetzt werden Spieldisziplin, Kampfkraft und unbändiger Siegeswille wichtiger denn je. Torhüter Melvin Nyffeler galt bei „Rappis“ Aufstieg als Schlüssel zum Erfolg. Er bestätigte seine Qualitäten auch in der National League. Die Davoser Goalies Gilles Senn und Anders Lindbäck steigerten sich im Laufe der Saison deutlich und wurden zu sicheren Rückhalts, seit nach dem Trainerwechsel Harijs Witolisch das gesamte Defensivspiel stabilisierte. In der Verteidigung verfügt der HCD über eine Mischung zwischen Routiniers wie Félicien Du Bois und talentierten Jungen sowie mit Magnus Nygren und Tomas Kundratek über zwei spielstarke Ausländer. „Rappi“ setzt auf lauter disziplinierte Schweizer „Defensivsoldaten“, dafür auf vier ausländische Stürmer, angeführt von Saison-Topskorer Casey Wellman.Vom HCD waren Captain und Antreiber Andres Ambühl sowie Spielmacher Perttu Lindgren schon als MVP (wertvollste Spieler) der ganzen Liga ausgezeichnet worden. Und Enzo Corvi gehörte letzte Saison zu den Schweizer WM-Silber-Helden. Von enormer Bedeutung wird sein, dass die Davoser ihre vermeintlichen spielerischen Vorteile mit Entschlosseneit und Zielstrebigkeit auch in Tore ummünzen, ganz besonders auch im Powerplay. (Sturm-)Erfahren sind die Coaches. Harijs Witolinsch wurde mit Russland Olympiasieger und Weltmeister sowie KHL-Champion mit Dynamo Moskau und St. Petersburg. Jeff Tomlinson führte „Rappi“ zurück in die National League.

Die Vergleiche auf den verschiedenen Positionen deuten auf eine enge Playout-Serie hin. Entscheidende Faktoren dürften die sogenannten „Special Teams“ bilden, die Situationen in Über- und Unterzahl. Umso mehr gilt es, dumme Strafen zu vermeiden und im Powerplay (im übertragenen Sinn) zuzuschlagen.

Kommentare