Kein verlorenes Jahr

Wie für den ganzen HCD war es auch für Torhüter Anders Lindbäck eine schwierige Saison. Der Schwede spricht rückblickend dennoch nicht von einem verlorenen Jahr. «Ich machte viele wertvolle Erfahrungen und denke, dass ich auch in dieser Saison wieder ein besserer Goalie geworden bin», sagt der 30-Jährige.

Anders Lindbäck hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Er spielte in der obersten schwedischen Liga und selbst an einer Weltmeisterschaft für sein Land. In der National Hockey League (NHL) absolvierte er 135 Spiele für Nashville, Tampa Bay, Dallas und Arizona. Und parallel dümpelte er von 2010 bis 2018 in der American Hockey League. So turbulent wie die abgelaufene Saison mit Davos verlief für den schwedischen Riesen – 1,98 Meter lang und 98 Kilogramm schwer – jedoch keine.

Lindbäck bringt seine Leistungen beim HCD auf den Punkt: «In der ersten Saisonhälfte hatte ich ein paar ausgezeichnete Partien, aber viel mehr schlechte. Ich denke wie das ganze Team zu jener Zeit. Ab Weihnachten spielte ich dann regelmässig ziemlich gut. Und im Playout boten Gilles Senn und ich der Mannschaft einen starken Rückhalt.»

Da war ich nicht gut genug

Lindbäck wurde im letzten September erst sechs Tage vor dem Meisterschaftsstart vom HCD verpflichtet. Mit seinem Engagement überraschte die Klubführung alle, auch die Mannschaft. Der Schwede bestritt kein einziges Vorbereitungsspiel. Und er musste sich nach acht Jahren in Nordamerika erst wieder an die grösseren europäischen Eisrinks gewöhnen. «Ich möchte jetzt aber nicht nach Gründen oder Entschuldigungen für die schlechte erste Saisonhälfte suchen», bemerkt er, sondern stellt schonungslos fest. «Da war ich einfach nicht gut genug.»

Lindbacks Abwehrquote von 90,42 Prozent aller Schüsse in 31 Qualifikationsspielen war doch nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass der HCD im Herbst mehrere Kanterniederlagen einsteckte und der Schwede in der Regular Season mit insgesamt 1023 Schüssen eingedeckt wurde. Er habe nie daran gedacht, den Bettel mal hinzuschmeissen, wenn sich wieder eine Klatsche abzeichnete, bemerkt er. «Aufgeben kommt für mich nie in Frage. Ich kämpfe, egal wie viel es steht. Das bin ich unseren Fans und dem Klub schuldig.»

Wertvolle Erfahrungen 

Lindbäck wehrt sich dagegen, rückblickend von einem verlorenen Jahr in der Schweiz zu sprechen. Vielmehr habe er viele neue, wertvolle Erfahrungen machen können. Konkret: «Ein anderes Land, ganz anders als Schweden oder die USA, und auch eine andere Sprache. Und auch ein anderes Eishockey. Hier wird mit viel Tempo wesentlich offensiver gespielt. Ich denke, dass ich auch in dieser Saison wieder ein besserer Torhüter geworden bin, obwohl es mir nicht gelang, meine Qualitäten während der ganzen Meisterschaft und jede Nacht auszuspielen.» Deshalb sei er mit seinem Eishockey nicht immer zufrieden gewesen. Von Davos schwärmt Lindbäck hingegen in höchsten Tönen. «Davos ist wunderschön. Ich liebe diesen Ort und die Leute hier. Meine Familie fühlte sich hier sehr wohl.» Vermissen werde er auch die Mannschaft, bemerkt der Schwede. Das seien «unglaublich gute Jungs». Lindbäcks sportliche Zukunft ist zurzeit noch offen. «Ich habe Kontakte zu verschiedenen schwedischen Klubs», verrät er. «Wir werden sehen. Das wird sich in ein paar Wochen klären. Ich werde schauen, was für mich als Torhüter, aber auch für meine Familie die beste Lösung ist.» 

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