Meet the Junior – Niklas Aebli

6.2.2026, 12:00

Erwartet hat er diesen Moment nicht, als der Anruf kam: Er stünde im Line-up fürs National-League-Spiel gegen den EHC Biel. Es ist der 6. Januar, Niklas Aebli lässt die Schule ausfallen. Aus gutem Grund. Er trainiert zum ersten Mal mit der ersten Mannschaft und gibt am Abend sein NL-Debüt. Der 18-Jährige durfte am Traum vom Profi schnuppern – und will mehr.
 
Man hört’s an seinem Dialekt: Niklas Aebli ist ein waschechter Prättigauer. Von der Hockeyschule bis zur U13 trainierte er in Grüsch, der Wechsel nach Davos kam mit dem Übergang in die Oberstufe. Aufgewachsen ist er zehn Autominuten von der Halle in Grüsch entfernt, im Bündner Bergdorf Seewis. «Unsere Mutter meinte, wir hätten zu viel Energie und hat uns darum verschiedene Sportarten ausprobieren lassen. Von allem hat uns Eishockey am besten gefallen.» Uns – das sind Niklas und sein Zwillingsbruder Henrik. Bis letztes Jahr waren die beiden tagtäglich zusammen – in derselben Klasse, beim Eishockey, in der Wohnung in Davos. Dann trennten sich ihre Wege: Aufgrund vieler Verletzungen entschied sich der Bruder, eine Lehre zu beginnen und wieder beim HC Prättigau-Herrschaft Eishockey zu spielen. Niklas hingegen wechselte von der Talentklasse ins Sportgymnasium und avancierte zwischenzeitlich zum Liga-Topscorer der U21. «In dieser Saison läuft es mir richtig gut. Ich habe physisch Fortschritte gemacht, konnte an Masse zulegen und vor allem habe ich mein Selbstvertrauen gestärkt.» Auch mit Hilfe eines Mentalcoachs, erzählt er. Mit diesem konnte er seine Angst, Fehler zu machen, angehen. Durch die Integration verschiedener Routinen, die er auch beibehält, wenn es nicht so gut läuft, schaffte er es, sein Selbstvertrauen zu stärken. «Ich weiss, was ich kann, und konzentriere mich auf mich.» Das bedeutet für Niklas auch, dass er nicht viel auf Tabellenplätze oder Spielerstatistiken gibt. «Die Bully-Statistik und die +/--Bilanz interessieren mich – dadurch sehe ich, welchen Einfluss ich aufs Spiel hatte.»

Der Traum, vom Hobby leben zu können

Zurück zum 6. Januar 2026. Niklas ist aufgeboten fürs National-League-Spiel gegen den EHC Biel – in Biel. «Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet und bin froh, dass ich es nicht früher wusste. Ich glaube, ich hätte vor Nervosität nicht schlafen können», sagt Niklas rückblickend mit einem Lächeln. «Aber dieses Gefühl, vor so vielen Leuten zu spielen und das ganze Drumherum – es macht süchtig.» Und vor allem motiviere es ihn extrem, das grosse Ziel zu erreichen: Profi zu werden. «Mir ist bewusst, dass der Schritt dahin riesig ist. Du gibst jeden Tag dein Bestes und hoffst auf solche Chancen, um dich zeigen und beweisen zu können.»
Mit seinem Auftritt sei er zufrieden, sagt Niklas. «Einmal ging ein Pass von mir auf den Stock des Gegners, der direkt aufs Tor losziehen konnte. Ich bin froh, dass kein Tor daraus resultierte – das wäre ein ganz schlechter Start gewesen.» Angesprochen auf die Unterschiede zwischen Junioren- und Erwachsenenhockey erwähnt Niklas das höhere Tempo, das schnellere Umschaltspiel und dass auf dem Eis viel mehr miteinander kommuniziert wird. «Vor allem musst du richtig laut rufen, weil es in der Halle so laut ist. Das braucht schon etwas Überwindung.»

Am Ende des Spiels kam Niklas auf 8’46’’ Eiszeit. «Zwischen meinen Einsätzen hatte ich Zeit, die anderen zu beobachten. Auf dem Eis, aber auch auf der Bank: der Umgang untereinander, die Dynamiken, wie einzelne Spieler mit Frust umgehen. Das war alles sehr spannend.»

Profil schärfen, weiterarbeiten

Die Erfahrung seines ersten NL-Spiels nimmt Aebli mit. Grundsätzlich kann er noch zwei Jahre in der U21 spielen – wertvolle Zeit, um sich persönlich und sportlich weiterzuentwickeln. «Ich glaube, ein wichtiger Faktor, um den Schritt zum Profi zu schaffen, ist Zuverlässigkeit. Wenn der Coach dich aufs Eis schickt, muss er wissen, was er an dir hat. Er muss sich auf dich verlassen können.»
In der aktuellen Saison gelingt es Niklas zu zeigen, was er kann. In 37 Spielen hat er 44 Punkte erzielt: 22 Tore und gleich viele Assists. Damit ist er aktuell Dritter in der Liga-Scorerliste. Ein Sniper, der den Fokus zuerst auf solide Defensivarbeit legt und dann versucht, offensiv Akzente zu setzen.
Neben dem Eis arbeitet er akribisch weiter an seinem Traum vom Profidasein. Dazu gehören die Routinen, die er entwickelt hat: Er zieht immer zuerst alles rechts an, zu seinen Pre-Game-Snacks gehört ein rotes M&M, und fünf Minuten vor dem On-Ice-Warm-up visualisiert er verschiedene Battle-Szenen.

Möge Gewisses noch so skurril klingen – Niklas ändert nichts daran, auch wenn es einmal nicht rund läuft. Auch das scheint momentan eines der Erfolgsrezepte des jungen 18-jährigen Prättigauers zu sein.