Mit Hiller und Forster gegen den HCD

Erstmals in der 33-jährigen Playoff-Geschichte des Schweizer Eishockeys treffen der EHC Biel und der HC Davos aufeinander. Die Paarung erhält eine besondere Brisanz, weil bei den Seeländern mit Torhüter Jonas Hiller und Verteidiger Beat Forster zwei Ex-Davoser die stärksten Leistungs- und grössten Hoffnungsträger sind.

Der EHC Biel gilt als Überraschungsteam der am Montag beendeten Qualifikation, hatte doch niemand die Seeländer als Tabellendritter auf der Rechnung. Nach einer schwierigen Phase im Oktober und November leitete ein Trainerwechsel den Höhenflug ein. Nach der Entlassung von Mike McNamara und einem erfolgreichen Intermezzo von Sportchef Martin Steinegger übernahm Antti Törmänen am 11. Dezember den EHC Biel. Der Finne hatte 2013 den SC Bern zum Meistertitel geführt.

Die Bieler starten am Samstag zum ersten Mal seit 1990 mit Heimvorteil in eine Playoff-Serie in der obersten Schweizer Spielklasse. Auch vor 28 Jahren beendete der EHC Biel die Qualifikation auf dem dritten Platz. Damals schaltete es in den Viertelfinals den EV Zug aus. Es war die einzige Playoff-Serie überhaupt in der obersten Spielklasse, welche die Bieler je zu ihren Gunsten entschieden. Gegen den HCD treten sie jetzt gar in der Favoritenrolle zur Viertelfinalausmarchung an, haben sie doch in der Qualifikation 14 Punkte mehr gewonnen als der HCD. Die Seeländer verfügen über ein gesundes Selbstvertrauen, gewannen sich doch von den letzten fünf Meisterschaftsspielen vier; zuletzt fertigten sie gleich zwei Mal die ZSC Lions mit 4:1 ab. Zum Vergleich: Davos verlor fünf seiner letzten sechs Punktespiele. Die Bündner können als Vorteil die insgesamt viel grössere Playoff-Erfahrung in die Waagschale werfen. Und von den vier Meisterschafts-Direktbegegnungen in dieser Saison entschieden die Davoser drei für sich. Zudem setzten sie sich im Cup-Halbfinal in Biel mit 4:2 durch.

Vom HCD via NHL zu Biel

Zu den grössten Trümpfen im Bieler Team gehören zwei Schweizer Spieler mit einer erfolgreichen Davoser Vergangenheit. Jonas Hiller entwickelte sich in Davos unter den Fittichen von Goalietrainer Marcel Kull zu einem der besten Schweizer Torhüter. Nach seinem zweiten Meistertitel mit dem HCD wechselte Hiller 2007 nach Nordamerika. Für die Anaheim Ducks und die Calgary Flames bestritt er in der National Hockey League (NHL) nicht weniger als 437 Partien. 2016 kehrte Hiller in die Schweiz zurück. Er unterschrieb für drei Jahre beim EHC Biel, wo er pro Saison rund 700‘000 Franken kassieren soll. Zum Vergleich: Zu seinen besten Zeiten hatte er in der NHL 4,5 Millionen Franken verdient. International sorgte Hiller zuletzt an den Olympischen Spielen in Südkorea für Furore: Mit einer sensationellen Fangquote von 95,6 Prozent war er am olympischen Eishockeyturnier der statistisch beste Torhüter. Der äusserst routinierte Hiller ist mittlerweile 36-jährig. Erst am Anfang ihrer Karriere stehen im Gegensatz dazu die beiden aktuellen HCD-Goalies. Gilles Senn hat eben erst seinen 22. Geburtstag gefeiert, Joren van Pottelberghe ist noch keine 21 Jahre alt.

Der neue Turm in der Bieler Abwehr

Direkt vom HCD zum EHC Biel wechselte auf die laufende Saison hin Beat Forster. Der stämmige Verteidiger hatte mit Ausnahme eines dreieinhalbjährigen Abstechers zu den ZSC Lions seine ganze Karriere in Davos absolviert. Mit dem HCD war er 2002, 2005, 2009, 2011 und 2015 Schweizer Meister geworden. Nach der letzten Saison hatten sich der HCD und Forster nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können. Als Leader in der Bieler Abwehr wird der 35-Jährige alles daran setzen, sich ausgerechnet gegen seinen früheren langjährigen Klub in bestem Licht zu präsentieren.

Zwei Ausfälle beim HCD

Davos muss in diesen Playoffs ohne Tino Kessler und Noah Schneeberger auskommen. Schneeberger brach sich Ende Februar im Training den Fuss, spielte aber vorerst weiter. Nun ergab eine Abklärung, dass die Fraktur operiert werden muss. Für den Verteidiger, der ab nächster Saison bei Fribourg-Gottéron spielt, dürfte die Saison (und damit die Zeit beim HCD) zu Ende sein. Ebenfalls ein vorzeitiges Saisonende muss Tino Kessler verkraften. Er verletzte sich gegen Lugano am Knie und wird ebenfalls operiert werden.

 

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