NHL-Draft als gutes Sprungbrett

Die NHL-Organisation der New Jersey Devils hat am letzten Samstag HCD-Torhüter Gilles Senn gedraftet. Der 21-Jährige behält Davos vorläufig aber die Treue. Er wolle zunächst beim HCD einen guten Status erreichen, sich durchsetzen und möglichst viele Erfolge erringen, sagt Senn der „Davoser Zeitung“.

Gilles Senn hat in den letzten Monaten einiges erlebt, das letzte Wochenende war allerdings ein ganz spezielles. Am Freitagabend schloss er seine schulische Ausbildung mit der Maturafeier ab. Gleichzeitig wurde der gebürtige Walliser am Schweizerischen Sport-Gymnasium Davos (SSGD) als Sportler des Jahres ausgezeichnet. Keine 24 Stunden später erhielt Senn aus Chicago die Nachricht, dass er von den New Jersey Devils im NHL-Draft gezogen wurde. Die „Teufel“ wählten den HCD-Torhüter in der fünften Draft-Runde als Nummer 129 overall. Senn und auch sein HCD-Goalietrainer Marcel Kull wurden kurz nach 18 Uhr per SMS vom Spieleragenten Allain Roy orientiert, der den Draft in den USA vor Ort verfolgte.

Der krönende Saisonabschluss

Senn besass bereits vor dem Draft von einem anderen NHL-Klub eine Einladung zu einem Camp in diesem Sommer. Und er wusste durch Roy, dass verschiedene NHL-Teams Interesse bekundeten. Dieses hatte der junge Torhüter in der letzten Saison mit starken Auftritten in seiner ersten kompletten Saison beim HCD geweckt, was im Februar auch zu seinem Debüt im Nationalteam – 4:2-Sieg gegen Weissrussland in Nitra (Slk) – geführt hatte.

Er habe am Samstag den Draft-Akt nicht intensiv verfolgt und auch die offizielle Draft-Liste, auf welcher er gar nicht aufgeführt war, nicht studiert, meinte Senn auf Anfrage, um dann konkreter zu werden: „Es ist schön, dass ich den Draft doch noch geschafft hatte; ich bin froh, dass ich gezogen wurde.“ Als 18-Jähriger hatte er auf der Draft-Liste figuriert, war dann aber nicht berücksichtigt worden. Dass es jetzt klappte, bezeichnet er als krönenden Abschluss der gelungenen (letzten) Saison inklusive Matura. Kaum machte die Draft-Kunde die Runde, lief Senns Handy mit Anrufen und SMS so heiss, bis der Aku leer war. Und auch in den sozialen Medien erhielt er zahlreiche Glückwünsche.

Mit dem HCD viel Erfolg haben

Auch als neuer NHL-Draft bleibt Senn aber genau so wie während seines Aufstiegs während der letzten Saison auf dem Boden der Realität. Den Draft bezeichnet er als „gutes Sprungbrett, falls ich mal nach Nordamerika wechsle.“ Das will er aber nicht überstürzt tun. Möglich ist, dass Senn in diesem Sommer bei den New Jersey Devils ein Development Camp absolviert. Sonst plant er seine nähere Zukunft in Davos. „Ich will beim HCD einen guten Status erreichen, mich durchsetzen und möglichst viel Erfolg haben“, sagt Senn klipp und klar.“

Das passt genau ins Bild von Kull und HCD-Trainer Arno Del Curto. „Gilles hat alles für eine grosse Karriere. Aber er hat noch einen langen Weg vor sich“, meint Del Curto. Und Kull bemerkt: „Draft ist Draft. Das darf man nicht überbewerten. Für mich zählt die Leistung. Wenn Gilles weiterhin so arbeitet wie bisher und sich so weiterentwickelt, kommt das von selbst.“ Dass Senn und Kull die Draft-Kunde am Samstag während eines Abendessens aller HCD-Goalies erhalten hatten, bezeichnet Kull als „lustigen Zufall“ und „ganz glatten Draft; manchmal gibt es solch spezielle Momente.“ Von Kulls früheren Schützlingen schafften Jonas Hiller und Reto Berra den Sprung in die NHL. Grosses Aufheben macht der bescheidene, aber höchst zielstrebige Torhütertrainer deswegen nicht. Er spüre eine innere Freude und freue sich für seine Schützlinge, „denn sie tun und geben extrem viel dafür. Ich weiss, was sie alles abrufen, bis es so weit ist.“

Devils ziehen Hischier als Nummer 1

Schweizer Eishockeyspieler stehen bei den New Jersey Devils zurzeit offensichtlich generell hoch im Kurs. Am Freitagabend hatten sie im NHL-Draft Luca Hischier als Nummer 1 gezogen. Der 18-jährige Stürmer ist der erste Schweizer First-Draft-Pick in der NHL-Geschichte überhaupt und wie Senn ein Walliser. Tags zuvor hatten die Devils bereits den 20-jährigen Verteidiger Mirco Müller im Tausch gegen zwei Draft-Wahlrechte von den San Jose Sharks übernommen.

 

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