Ob mit oder ohne Comeback – Du Bois bleibt | Hockey Club Davos

News - Ob mit oder ohne Comeback – Du Bois bleibt

Im Spieltelegramm taucht der Name von Félicien Du Bois immer auf. Allerdings nur in der Rubrik «Bemerkungen» unter den verletzten HCD-Spielern. Du Bois hat in dieser Saison noch keine Minute gespielt. Ob Félicien Du Bois nach seinem Achillessehnenriss bei Davos als Verteidiger nochmals zum Einsatz kommt, ist zurzeit offen. Klar ist hingegen seine Zukunft. Der 37-Jährige wird im Frühling seine Karriere beenden, dem HCD allerdings erhalten bleiben.

Es geschah Ende Juli 2020 im Training: Beim Badminton will der HCD-Profi mit einer Stop- und Start-Bewegung schnell nach vorne rennen. Der Kraftakt ist zu gross für die Achillessehne. Sie reisst. Der Pechvogel beginnt nach der Operation sofort mit der Reha und so weit als möglich auch wieder mit dem Konditionstraining. «Bezüglich Achillessehne läuft alles nach Plan», sagt Du Bois jetzt, mehr als fünf Monate nach dem Unfall. Inzwischen kann er nicht nur im Kraftraum, sondern auch auf dem Eis Übungen absolvieren. Wenn er aber im Training die Intensität erhöht, spürt er, dass er lange hatte aussetzen müssen, länger als je zuvor nach einer Verletzung. Dann meldet sich zum Beispiel sein Hüftbereich aufgrund einer Kompensation. «Die Achillessehne erholt sich gut bis jetzt. Aber ich muss mir alles wieder erarbeiten. Um wieder Spitzensport auf jenem von mir selber erwarteten Niveau auszuüben, gibt es körperliche Widerstände», bemerkt der 37-Jährige. Das habe unter anderem mit seinem Alter und seiner Vorgeschichte zu tun.

Biss und Leidenschaft
Eishockey sei ein robuster Sport. Als dünner, schmaler Jugendlicher sei er körperlich für diesen Sport nie prädestiniert gewesen, erzählt Du Bois. Zumindest vor 20 Jahren nicht. Verteidiger mussten damals gross, stark und kräftig gebaut sein. Folglich trainierte Du Bois viel im Kraftraum, um Muskelmasse zu erarbeiten. «Ich musste vermutlich zu viel machen und hörte nicht genug auf meinen Körper. Die Erholungsphasen kamen zu kurz», sagt er rückblickend. Damals wurde ohnehin zu viel auf die Muskulatur und zu wenig auf die Beweglichkeit geachtet. Inzwischen sind im Eishockey wendige, schnelle Verteidiger gefragt. Rückblickend würde er im damaligen Training einiges anders machen, sagt Du Bois. «Denn wenn man zu wenig beweglich ist, werden auch die Gelenke nicht verschont.»

Mit konsequentem Einsatz, Biss und Leidenschaft kämpfte sich Du Bois zu einem der besten Schweizer Verteidiger hoch. Er trat an sechs Weltmeisterschaften auf und war 2015 beim letzten Schweizer Meistertitel des HC Davos der Regisseur in der Abwehr. Aber auch Verletzungen begleiteten Du Bois. Während seiner Zeit bei den Kloten Flyers waren es Adduktoren- und Leistenprobleme, später beim HCD Hirnerschütterungen. Du Bois raffte sich aber immer wieder auf und kehrte nach Verletzungspausen wieder stark zurück. «Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass Verletzungen zum Eishockey gehören», sagt er. «Eine Profikarriere dauert nur wenige Jahre. Allein schon die Leidenschaft zum Beruf machen zu dürfen, ist speziell. Und man kann viel Schönes erleben. Aber es gibt auch Schattenseiten wie zum Beispiel die körperliche Abnützung.»

«Es wäre attraktiv, nochmals zu spielen»
So war es für Du Bois im letzten Sommer nach seinem Achillessehnenriss kein Thema, seine Hockeyutensilien definitiv an den Nagel zu hängen, obwohl er bereits bei der Vertragsverlängerung im Frühling entschieden hatte, dass die Saison 2020/21 seine letzte sein würde. Ob er in den nächsten Monaten nochmals in Ernstkämpfen für den HCD antreten wird, lässt der Verteidiger offen. Körperlich tue er sich zurzeit noch schwer, nicht aber mental, betont der nach Andres Ambühl zweitälteste Spieler im HCD-Kader. «Der Biss ist nach wie vor vorhanden, vor allem wenn ich sehe, dass erst die Hälfte der Regular Season absolviert ist. Es wäre attraktiv, nochmals zu spielen.» Du Bois schränkt aber gleich selber ein: «Ich will jedoch nicht einfach für Meisterschaftsspiele aufs Eis zurückkehren. Ich werde das nur tun, wenn ich der Mannschaft helfen kann. Das Comeback einfach ‹durchstieren› werde ich nicht. Natürlich wäre es schade, wenn ich ohne Einsatz in dieser Spielzeit zurücktreten würde. Doch ich habe gute Erinnerungen und auch ein gutes Gefühl an die letzte Saison. Das hilft mir.»

Auch nach dem Karriere-Ende beim HCD
Momentan befinde er sich in einer 50:50- Situation, bemerkt Du Bois. Am Vormittag arbeite er jeweils als Eishockeyspieler an seinem Comeback, den Rest des Tages beschäftige er sich mit seiner Zukunft. Und da hat der sowohl als Eishockeyprofi wie auch als Familienvater stets gewissenhafte Du Bois bereits Pflöcke eingeschlagen. In einer Teilzeitbeschäftigung wird er dem HCD treu bleiben. Weiter wird er ab Sommer an der Fachhochschule Graubünden in Chur berufsbegleitend studieren. Da er seit mehr als 15 Jahren keine Schulbank mehr drückte, habe er mit den Vorbereitungen bereits begonnen – eben typisch Du Bois.

Quelle: Hansruedi Camenisch / Davoser Zeitung  Foto: Maurice Parrée

Du Bois bleibt

12.01.2021 11:00