Perttu Lindgren blüht wieder auf

Perttu Lindgren erinnert nach langwierigen, schweren Hüftproblemen wieder an seine besten Zeiten. Der 31-jährige Finne trug mit je zwei Treffern und einem Assist entscheidend zu den beiden Siegen des HC Davos am Freitagabend in Bern (4:3) und 24 Stunden später im Prestige-Duell gegen Arno Del Curtos ZSC Lions (4:3 nach Verlängerung) bei.

2014/15 war Perttu Lindgren redlich am Gewinn des Schweizer Meistertitels des HCD beteiligt. Zwölf Monate später wurde der Mittelstürmer als wertvollster Spieler auf Schweizer Eis (MVP) ausgezeichnet, obwohl Davos bereits im Playoff-Halbfinal ausschied. 2016/17 quälte sich der Finne mit akuten Hüftproblemen mühsam durch die Saison. Die folgende Spielzeit musste er nach den ersten fünf Meisterschaftspartien abbrechen und sich operativ behandeln lassen. Zwischendurch drohte gar das Ende seiner Karriere. Mit unzähligen Physiotherapie-Stunden und vielen weiteren Einheiten allein im Kraftraum arbeitete sich der Finne wieder zurück. Anfangs der laufenden Meisterschaft war Lindgren noch weit von seiner Bestform entfernt. Eigentlich zu früh stieg der Center aufgrund der harzigen Saison beim HCD wieder in den Spielbetrieb ein. Zwischendurch verpasste er gleichwohl neun Ernstkämpfe, damit er statt zu spielen an seiner körperlichen Verfassung feilen konnte.

Es passt einfach wieder

Inzwischen ist Lindgren wieder (fast) der Alte. Und er trägt gar wieder den knallgelben Helm des PostFinance-Klubtopskorers. In 37 Meisterschaftsspielen buchte Lindgren je 14 Tore und Assists. Allein in den beiden Partien vom Wochenende liess er sich sechs Skorerpunkte notieren. Nach den beiden Siegen gegen Tabellenführer Bern und die renommierten ZSC Lions sprach der Finne von einem Befreiungsschlag – nicht nur für sich, sondern für die ganze Mannschaft. In Bern bildete Lindgren gemeinsam mit Andres Ambühl und Anton Rödin die Davoser Paradelinie, tags darauf mit Ambühl und Marc Wieser. „Es passt einfach, die Harmonie stimmt in unserer Linie. Wir haben ein gutes Gefühl, und dann geschehen auch gute Sachen. Wir denken nicht zu viel, wir spielen einfach “, sagt der Mittelstürmer. Das gestiegene Selbstvertrauen offenbarte sich gegen Bern in zwei zwingend herausgespielten Powerplay-Toren. Und gegen die ZSC Lions schoss der Lindgren-Block die Davoser bereits in den ersten elf Minuten mit 2:0 in Führung. Auf die Frage, ob es denn speziell motivierend gewesen sei, erstmals gegen Arno Del Curto zu spielen, antwortete der Finne diplomatisch. „Die Vaillant Arena war fast ausverkauft. Vor dieser Kulisse zu spielen war schön.“

Wir brauchen die Punkte…

Obwohl der Playoff-Zug bereits ohne den HCD abgefahren ist, bezeichnet Lindgren die aktuellen Meisterschaftsspiele für sein Team nicht als bedeutungslose Pflichtaufgaben, im Gegenteil. „Wir brauchen die Punkte. Mit jedem Sieg verbessert sich unser Feeling mit Blick auf die Zukunft“, sagt der 31-jährige Teamleader. „Jetzt schiessen wir auch wieder Tore. Lange Zeit taten wir uns damit bekanntlich sehr schwer. Bei den beiden Siegen am Wochenende krampfte jeder in unserer Mannschaft sehr hart für die Punkte. Und wegen der zahlreichen verletzungsbedingten Absenzen und der Ausfälle während der Partien (Chris Egli in Bern, Tomas Kundratek und Andres Ambühl gegen die Lions, die Red.) kämpfte jeder noch mehr.“

…und Jeden in der Mannschaft

Lindgren legt Wert auf die Feststellung, „dass wir Jeden und alle vier Blöcke brauchen, auch unsere jungen Spieler, damit wir vorwärts kommen.“ In der Tat spielten auch die Jungen auffallend mutig auf. Der erst 18-jährige Benjamin Baumgartner erzielte bem 3:1 gegen die ZSC Lions seinen ersten Treffer in der National League überhaupt. Und einen starken Rückhalt bildeten mit ihren ausgezeichneten Leistungen die beiden Torhüter – Gilles Senn in Bern und Anders Lindbäck gegen die Lions. Der Schwede parierte gegen die Zürcher beim Stand von 4:4 in der 55. Minute einen Penalty. Ihre gefestigte Moral offenbarten die Davoser gegen Lions auch, indem sie in der Verlängerung die klar bessere Mannschaft waren und dank Luca Hischiers Treffer doch noch zum Sieg kamen, obwohl sie einen Drei-Tore-Vorsprung preisgegeben und am Ende des zweiten Drittels Ambühl mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafen verloren hatten.

Sein nächstes Meisterschaftsspiel bestreitet der HCD am Dienstagabend auswärts gegen die Rapperswil-Jona Lakers. Bei den Davosern fehlt mit den verletzten Tomas Kundratek, Lukas Stoop und Claude-Curdin Paschoud, dem wegen eines Stockschlags aus dem ZSC-Match für ein Spiel gesperrten Magnus Nygren die halbe Stammverteidigung.

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