Playoffs sind die schönste Zeit des Jahres

HCD-Stürmer Broc Little und Biels Goalgetter Marc-Antoine Pouliot haben sich am Mittwoch an der Topskorer-Ehrung in Bern für die „Davoser Zeitung“ ein Rededuell geliefert. Ab Samstag stehen sich die Beiden mit ihren Teams im Playoff-Viertelfinal gegenüber.

Traditionsgemäss zeichnet die PostFinance vor dem Playoff-Start die Topskorer aller zwölf National-League-Klubs aus der Qualifikation aus. Sie wurden am Mittwoch in Bern unter dem Motto „Zwölf Agenten im Auftrag ihrer Klubs“ in Anlehnung an James-Bond-Filme präsentiert. Liga-Topskorer wurde der Lausanne-Kanadier Dustin Jeffrey mit 57 Punkten (13 Tore/44 Assists) vor Fredrik Pettersson (26 Tore/24 Assists) von den ZSC Lions. Als erfolgreichster HCD-Goalgetter brachte es Broc Little auf 36 Skorerpunkte (21 Tore/15 Assists). Von der PostFinance erhielt er dafür einen Check von 10‘800 Franken (300 pro Skorerpunkt) zugunsten des HCD-Nachwuchses. Biels bester „Quali“-Skorer war Marc-Antoine Pouliot mit 13 Treffern und 29 Assists.

Broc Little und Marc-Antoine Pouliot, Sie waren in der Regular Saison der beste Skorer Ihrer Mannschaft. Was bedeutet Ihnen persönlich dieser Titel?

Broc Little: Das Toreschiessen ist einer der Hauptgründe, weshalb ich das Eishockey so liebe. Aber Eishockey ist ein Mannschaftssport. Deshalb möchte ich primär meinem Team helfen und mit meinen Toren und meinen Pässen meinen Teil dazu beitragen, dass wir gewinnen.

Marc-Antoine Pouliot: Dass ich in Bern als Topskorer des EHC Biel ausgezeichnet wurde, ist eine Ehre für mich. Aber natürlich bedeutet mir das Team mehr. Wir hatten eine grossartige Qualifikation. Niemand erwartete uns auf Platz 3. Und ich denke, dass wir auch in den Playoffs weit kommen können.

Als Topskorer trugen Sie in den Spielen einen feuergelben Helm und ein spezielles Trikot…

Little: Daran musste ich mich zuerst gewöhnen, denn das kannte ich aus all den Ligen und Ländern, wo ich frühere spielte, nicht. Und da gab es auch keine spezielle Topskorer-Ehrung wie jetzt in der Schweiz. Aber ich denke, die Fans in der Schweiz haben ihren Spass, wenn der Topskorer im Spiel speziell gekennzeichnet auftritt. Und es ist natürlich toll, dass ich mit meinen Skorerpunkten mehr als 10‘000 Franken für den Nachwuchs des HCD einspielen konnte.

Pouliot: Das ist wirklich etwas Spezielles. Bei uns zuhause in Kanada gibt es so was nicht. Wenn meine Angehörigen und Freude mich auf Bildern oder in Videos im Topskorertrikot sahen, lachten sie; sie konnten es fast nicht glauben. Aber ich denke, es trägt zur Unterhaltung im Eishockey bei.

Marc-Antoine Pouliot, Sie sprachen bereits von einer grossen Regular Season des EHC Biel. Wir erklären Sie sich diesen Exploit?

Pouliot: Die ganze Mannschaft hat viel Charakter, und die Mischung stimmt. Bei uns hängt nicht alles von ein, zwei Spielern ab. Wir haben mehrere Leaderfiguren und Schlüsselspieler; das macht uns für die Gegner unberechenbar. Das ganze Team steigerte sich im Laufe der Saison; jetzt spielen wir auf einem hohen Niveau. Wir gewannen nicht nur viele Spiele, sondern holten auch viel Selbstvertrauen. Aber dennoch sind wir uns im klaren, dass jetzt mit dem Playoff-Start alles wieder bei Null beginnt und wir uns weiter steigern müssen.

Beim HCD verlief die Qualifikation nicht so rund, Broc Little. Da gab es immer wieder Rückschläge…

Little: Unser Saisonstart war recht gut. Nach dem Spengler Cup gerieten wir dann aber in ein Loch. Wir hielten uns nicht mehr an unser Spielsystem und liessen vor allem in der Defensivarbeit die Konsequenz vermissen. Nach der Olympiapause waren unsere Auftritte jedoch wieder deutlich besser, wenn wir den missglückten Auftritt beim 0:5 in Lugano vom Montagabend ausklammern. In Bern und besonders bei unserem 4:3-Heimsieg gegen Lugano zeigten wir jenen vom HCD bekannten und auch erfolgreichen Stil, den wir auch in den Playoffs auspacken müssen.

Marc-Antoine Pouliot, seit 2012 spielen Sie in der Schweiz, zunächst für Biel, dann für Fribourg-Gottéron und nun wieder für Biel. Sie kennen folglich den kommenden Playoff-Gegner Davos bereits sehr gut.

Pouliot: Davos verfügt über eine starke Mannschaft, auch wenn es jetzt die Regular Season nicht unter den ersten Vier abgeschlossen hat. Unter Arno Del Curto spielt der HCD seit Jahren das gleiche System: Eine schnelle geradlinige Angriffsauslösung, viel Zug aufs Tor und ein intensives Forechecking. Wir wissen, was uns erwartet. Das kann eine „grosse Schlacht“ werden und eine lange Serie geben.

Broc Little, was halten Sie von Biel?

Little: Da ich die erste Saison in der Schweiz spiele, sind für mich Vergleiche schwierig. Unsere Spiele mit dem HCD gegen Biel waren allesamt hart umkämpft. Aber ich habe gute Erinnerungen, siegten wir in der Meisterschaft doch drei Mal knapp mit 3:2 und dazu im Schweizer Cup mit 4:2. Das letzte Aufeinandertreffen verloren wir in Biel allerdings mit 1:5. Wir müssen unser bestes Eishockey zeigen, um diese Playoff-Serie zu gewinnen.

Wie wollen Sie mit Ihrer Mannschaft den Einzug in die Playoff-Halbfinals schaffen?

Wir müssen unseren Tempostil in die Waagschale werfen, die Beine gut bewegen und die läuferischen Qualitäten ausspielen. Und natürlich brauchen wir Treffer. In letzter Zeit fehlten bei uns etwas der direkte Zug aufs Tor und auch die Entschlossenheit im Abschluss. Da besteht Steigerungsbedarf. Auch die Puckkontrolle muss wieder besser werden.

Pouliot: Wir müssen gleich spielen wie in der zweiten Hälfte der Qualifikation, das heisst sehr solid in der Defensive, dort dem Gegner nichts zulassen, und in der Offensive unsere Torchancen nutzen. Aber: Wir müssen uns weiter steigern, denn in den Playoffs bewegt sich alles auf einem etwas höheren Niveau; die Spiele werden körperbetonter und intensiver sein. Wir brauchen uns allerdings nicht zu verstecken. Wir sind für die Serie gegen Davos bereit.

Weshalb empfehlen Sie den Zuschauern ausgerechnet diese Playoff-Serie?

Little: Playoffs sind die schönste Zeit des Jahres. Da geht es in jedem Match um alles; deshalb sind die Spiele in der Regel sehr intensiv. Ich freue mich, denn ich denke, dass unsere Mannschaft dazu bereit ist.

Pouliot: Es dürfte attraktive Spiele zweier Mannschaften geben, die offensiv ausgerichtet sind und aufs Tempo drücken. Da kann viel passieren. Vielleicht gibt es plötzlich in einem Spiel auch viele Tore, was in der Qualifikation nicht er Fall war.

Sie sind Beide Topskorer Ihrer Teams. Wie beurteilt Ihr Euch gegenseitig?

Pouliot: Broc ist ein wirklich guter Spieler. Er weiss, wie man den Puck im gegnerischen Tor versenkt. Broc verfügt über einen guten Schuss und ist vor dem Tor ein steter Gefahrenherd. Wir werden ein besonderes Auge auf ihn werfen, damit er gegen uns möglichst wenig Tore erzielt.

Little: Danke für die Komplimente, Marc. Ich halte Pouliot für einen sehr starken Stürmer. Auffallend sind seine vielen Assistpunkte. Sie bestätigen seine ausgezeichnete Übersicht und machen ihn natürlich auch im Powerplay ganz besonders gefährlich.

Kommentare