Überall ein bisschen zu wenig

Von „einer weiteren ehrenvollen Niederlage“ hat Félicien Du Bois nach dem 3:4 in Liberec etwas ironisch gesprochen. Wie der HC Davos am Wochenende in Biel und zuhause gegen die ZSC Lions auf die Siegerstrasse zurückfinden will, erklärt der 34-jährige HCD-Verteidiger ebenfalls im Interview.

Félicien Du Bois, wo orten Sie die Gründe für die 3:4-Niederlage vom Dienstagabend in Liberec?

Félicien Du Bois: Ich glaube, in kämpferischer Beziehung brauchen wir uns nichts vorzuwerfen; das war okay. Auch sonst war unser Auftritt nicht so schlecht, doch leider reichte es nicht. Liberec erzielte seinen ersten Treffer im Powerplay, uns gelang hingegen kein Tor in Überzahl. Wir schafften es auch nicht, den Gegner während längeren Phasen richtig unter Druck zu setzen. Unter dem Strich war alles auser dem kämpferischen Aspekt ein bisschen zu wenig. Qualitativ reichte es nicht ganz. So setzte es für uns leider eine weitere ehrenvolle Niederlage ab.

Es lag wohl aber auch an Liberec, dass sich der HCD nicht wunschgemäss entfalten konnte. Die Tschechen standen in der Defensive sehr gut und liessen Ihrem Team kaum gute Torchancen zu.

Das muss man natürlich anerkennen. Liberec stellte eine gute Mannschaft. Und die Tschechen waren gut auf uns eingestellt. Sie sorgten dafür, dass wir unser gewohntes Tempospiel nicht zur Geltung bringen konnten. Sie standen auch gut, so dass unsere Pässe häufig nicht beim Mitspieler ankamen.

Das Davoser Powerplay funktionierte auch nicht so gut wie in den letzten Meisterschaftsspielen.

Wir schossen zwar auch häufig, doch wir trafen das Tor nicht präzis genug. Im Powerplay schafften wir in der Tat keinen Treffer. Da müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen. Denn wie schon gesagt: Liberec erzielte den wichtigen Führungstreffer in einer Überzahlphase.

Am nächsten Mittwoch bestreitet der HCD zuhause sein letztes Champions-League-Spiel in dieser Saison. Der Vorstoss in die Achtelfinals ist nicht mehr möglich. Wie steigt man als Spieler in einen solchen Match?

Keine Ahnung. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Erhält nun der Schweizer Cup nach dem Aus in der Champions League einen höheren Stellenwert? Schliesslich haben weder Sie persönlich noch der HCD diese Trophäe bisher gewonnen.

Diese Gedanken sind berechtigt. Ja, weshalb sollen wir nicht versuchen, im Cup einmal etwas weiter zu kommen? Ich denke, die Motivation wird grösser sein als in den vergangenen Jahren.

Zunächst geht es jetzt aber mit der Meisterschaft weiter. Wie schwierig ist es nach der Enttäuschung von Liberec, sich voll auf die Spiele am Freitag in Biel und am Abend danach in Davos gegen die ZSC Lions zu konzentrieren?

Da orte ich keine Schwierigkeiten. Im Gegenteil: Nachdem wir uns wegen der Niederlage in Liberec nicht mehr für die Champions-League-Achtelfinals konzentrieren können, haben wir erst recht Biss und Hunger, um wieder richtig in die Meisterschaft einzusteigen. Hätten wir in Liberec super gespielt und gewonnen, hätte die Gefahr bestanden, dass wir den nächsten Match etwas locker angegangen wären. Jetzt sehe ich die Situation gerade umgekehrt. Jeder von uns will etwas gutmachen. Das soll mit einer guten Leistung in Biel beginnen. Wir müssen uns in der National League weiter verbessern und vor allem an Konstanz zulegen. Biel ist dafür ein guter Prüfstand, denn es stellt eine gute Mannschaft.

Was dürfen die Zuschauer am Samstagabend im Klassiker gegen die ZSC Lions in der heimischen Vaillant Arena erwarten?

Die ZSC Lions zeigten in der laufenden Saison bisher Ups und Downs. Auf dem Papier haben sie allerdings eine Riesen-Mannschaft. Sie haben alles, sind hinten und vorne sehr stark. Offensichtlich bekunden Sie – wie wir auch – etwas Mühe, Konstanz auf hohem Niveau zu finden. Deshalb wissen wir nicht genau, was uns am Samstag von den Lions erwartet. Umso mehr müssen wir uns auf unser Spiel und unsere eigene Leistung konzentrieren. Wir haben selber noch viel zu verbessern. Das Wort Konstanz habe ich jetzt schon ein paar Mal erwähnt. Ein wichtiger Ansatzpunkt besteht beim Defensivgewissen. Wir schenken den Gegnern zurzeit zu viele einfache Tore. Gelingt es uns, pro Match einen oder zwei Gegentreffer zu verhindern, haben wir rasch ein paar Punkte mehr. Dazu sind in der Defensive aber nicht nur 99,8 Prozent Einsatz und Konzentration nötig, sondern 120 Prozent.

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