Unser Capitano schreibt Olympia-Geschichte | Hockey Club Davos

News - Unser Capitano schreibt Olympia-Geschichte

Diese Woche reisen vom HCD Andres Ambühl, Enzo Corvi und Sandro Aeschlimann mit dem Schweizer Eishockey-Nationalteam nach Peking. Für den 38-jährigen Ambühl werden es bereits die fünften Olympischen Winterspiele.

Andres Ambühl, Sie rücken heute Sonntag ins Olympia-Vorbereitungscamp des Schweizer Nationalteams in Zug ein und fliegen am nächsten Mittwoch nach Peking. Haben Sie Ihre Koffer schon gepackt?
Andres Ambühl: Bis und mit dem Spiel vom Freitagabend gegen Bern habe ich mich auf den HCD konzentriert. Danach hatte ich die Zeit, in welcher ich mich auf die Olympischen Spiele vorbereiten und vorfreuen konnte. Gestern habe ich mit packen begonnen.

Wegen der Corona-Pandemie werden es spezielle Olympische Spiele. Welche Massnahmen mussten Sie wegen Covid-19 bereits treffen?
Ich teste häufig, messe regelmässig Fieber und muss Gesundheitsfragen beantworten. Das läuft, seit ich das Olympia-Aufgebot erhalten habe. Beim HCD sind wir mit Enzo Corvi, Mathias Bromé, Matej Stransky, Kristian Pospisil und mir einige, die in Peking spielen werden. Das Ganze ist von unserem Teamarzt Walter Kistler sehr gut organisiert.

Peking werden Ihre fünften Olympischen Spiele. In der olympischen Eishockey-Geschichte haben das bisher nur Pawel Dazjuk, Ilja Kowaltschuk (beide Russland), Jere Lehtinen, Kimmo Timonen (beide Finnland), Dieter Hegen, Udo Kiessling (beide Deutschland), der Tscheche Jaromir Jagr, der Schwede Daniel Alfredsson, der Norweger Petter Thoresen sowie der Franzose Denis Perez geschafft. Gar sechs Mal stürmten Teemu Selänne und Raimo Helminen für Finnland an Olympischen Spielen. Was bedeutet Ihnen Ihre fünfte Olympia-Teilnahme?
Ich bin ja nicht mehr 20. Nun freue ich mich extrem, dass ich auch in etwas höherem Alter nochmals bei Olympia dabei sein darf. Es zeigt mir, dass ich in den letzten paar Jahren nicht alles falsch gemacht habe.

Was erwarten Sie von sich und der Schweiz in Peking?
Ich will der Mannschaft helfen, je nach Rolle, die ich erhalte. Sei es mit Toren oder mit starkem Defensivspiel. Einfach dort, wo es mich braucht. Als Mannschaft ist es unser Ziel, wie schon bei den letzten internationalen Titelkämpfen, dass wir vorne dabei sind. In den letzten Jahren zeigten wir in der Regel eine gute Vorrunde, doch meist scheiterten wir danach im Viertelfinal. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen. Diesmal wollen wir die Viertelfinalhürde überspringen.

Erinnern Sie sich noch an Ihr Olympia-Debüt 2006 in Turin?
Da gehörte ich noch nicht zur Stammformation. Ich trainierte grösstenteils gemeinsam mit dem dritten Nati-Torhüter. Meine Olympia-Premiere erlebte ich erst im letzten Spiel der Schweiz, im Viertelfinal gegen Schweden. Gegen den späteren Olympiasieger verloren wir mit 2:6.

2010 traten Sie in Vancouver an – in Kanada, dem Mutterland des Eishockeys.
Für mich als Eishockeyaner waren es die coolsten Olympischen Spiele. Die ganze Bevölkerung war Hockey-verrückt, und bei jedem Match war die Hütte voll. Die Stimmung in der Stadt war grossartig. Schade nur, dass wir im Viertelfinal gegen die USA knapp mit 0:2 verloren.

Wie war es für Sie 2014 im russischen Sotschi?
Auch das war für mich eine tolle Erfahrung, einfach anders als Vancouver. Die Stadt befindet sich bekanntlich am Schwarzen Meer und ist eigentlich eine beliebte Sommerferiendestination. Das ganze Olympiagebiet war sehr weitläufig. Leider mussten wir nach dem 1:3 gegen Lettland in der Viertelfinal-Qualifikation früh heimreisen.

2018 spielten Sie bei Olympischen Spielen erstmals in Asien, im südkoreanischen Pyeongchang.
Auch das war ein cooles Erlebnis, spielte ich doch erstmals überhaupt in Asien Eishockey. Am Schluss blieben mir diese Winterspiele jedoch nicht in hübscher Erinnerung, weil wir in der Viertelfinal-Qualifikation gegen Deutschland wegen eines 1:2 in der Verlängerung aus dem Turnier ausschieden. Die Deutschen verpassten in der Folge den Olympiasieg im Final gegen Russland haarscharf (3:4 nach Verlängerung, nachdem sie bis zu Beginn der 60. Spielminuten noch mit 3:2 geführt hatten, die Red.) Das zeigt mir, was eigentlich auch für die Schweiz möglich wäre. Erfolg und Misserfolg liegen sehr nahe beisammen.

Welche Olympia-Gegenspieler haben Sie am meisten beeindruckt?
Das ist sehr schwierig zu sagen, traf ich doch auf zahlreiche Super-Spieler aus dem Welteishockey. Bei meinen drei ersten Winterspielen waren jeweils all die damaligen NHL-Stars in ihren Nationalteams dabei. In meiner ersten Olympia-Partie 2006 zum Beispiel spielte ich gegen Schweden mit Peter Forsberg und Mats Sundin. Das war natürlich extrem cool, genauso wie bei anderen Winterspielen gegen die Kanadier etwa mit Sidney Crosby.

2026 finden die nächsten Olympischen Winterspiele in Mailand statt. Da könnten sie die beiden Eishockey-Rekordhalter Teemu Selänne und Raimo Helminen einholen…
(lacht) Wenn ich in vier Jahren nochmals dabei wäre, wäre das wohl kein gutes Zeichen fürs Schweizer Eishockey.

Quelle: Hansruedi Camenisch / Davoser Zeitung   Foto: Maurice Parrée

Unser Capitano

30.01.2022 10:00