Vom Davoser- an den Ontariosee

Am vorletzten Samstag hatte Nando Eggenberger seine bislang grösste Enttäuschung erlebt. Live verfolgte er via Internet den Draft in der National Hockey League (NHL). Von Runde zu Runde musste der 18-Jährige miterleben, wie er von allen NHL-Teams übergangen und schliesslich gar nicht gezogen wurde. Damit hatte der Bündner nicht gerechnet. Mitentscheidend war zweifellos die letzte U20-WM über den Jahreswechsel in Buffalo (USA), wo die Talentspäher (Scouts) aller NHL-Klubs anwesend waren. Eggenberger führte das Schweizer Team als Captain an. Er erhielt in den fünf WM-Spielen im Durchschnitt 17:31 Minuten Eiszeit. Insgesamt schoss der Stürmer elf Mal aufs gegnerische Tor. Er verbuchte die zweitmeisten Schüsse aller Schweizer Spieler. Allerdings sprang kein einziger Skorerpunkt heraus. Und am Ende der WM wies er in der Plus-/Minus-Statistik mit -9 den schlechtesten Wert der ganzen Mannschaft aus.

Pech bei Einladung der Vancouver Canucks

Eggenbergers grosser Frust wegen der Nicht-Berücksichtigung im NHL-Draft wurde allerdings bald etwas gelindert. Praktisch mit dem Ende der Ziehung erhielt er am vorletzten Samstag von den Vancouver Canucks eine Einladung ins Prospect Camp in der ersten Juli-Woche. Er sagte postwendend zu und buchte für letzten Donnerstag den Hinflug.Am Mittwochnachmittag erlitt Eggenberger jedoch im HCD-Training eine leichte Knieverletzung, worauf er die ganze Expedition annullieren musste.

Nach Oshawa an den Ontariosee

Eine positive Meldung gab es für den jungen HCD-Stürmer am letzten Donnerstag aber doch noch. Die Oshawa Generals wählten den 18-Jährigen im CHL Import Draft. Sie spielen in der Ontario Hockey League, einer der drei höchsten kanadischen Juniorenligen.  Oshawa liegt im südöstlichen Teil der Provinz Ontario und grenzt direkt an den Ontariosee. Die Stadt zählt rund 150‘000 Einwohner. Sie befindet sich rund 55 Kilometer östlich von Toronto. Via die Nachwuchsabteilung der Oshawa Generals entwickelten sich später Spieler wie Bobby Orr, Eric Lindros, Marc Savard oder John Tavares zu absoluten Stars in der NHL.

„Für mich ist es das Beste, wenn ich meine Karriere in Nordamerika fortsetze“, sagt Eggenberger. Schon vor einem Jahr habe er sich den Wechsel „über den grossen Teich“ überlegt.  Das mittelfristige Ziel des 1,88 Meter grossen und 84 Kilogramm schweren Stürmers bleibt die NHL. Mit Blick auf seine Eishockey-Laufbahn hatte Eggenberger bereits als Zwölfjähriger von Chur nach Davos in die HCD-Nachwuchsabteilung gewechselt. Für die erste Mannschaft bestritt er in der Nationalliga A insgesamt 72 Partien (7 Tore/4 Assists). Eggenberger wird Mitte August zu seinem neuen Team nach Oshawa stossen. Bis dahin trainiert er weiter mit dem HCD. „Für mich ist das eine perfekte Vorbereitung. Ich bin dem HCD dankbar dafür“, sagt der Stürmer.

Auch Rödin und Jörg verlassen den HCD

Neben Nando Eggenberger verlassen zwei weitere Stürmer Davos. Der Schwede Anton Rödin (27) war Ende November 2017 zum HCD gestossen. In seiner fünften Partie für die Bündner erlitt er einen Wadenbeinbruch. Danach kam er erst im März in den beiden letzten Qualifikationsspielen und in den sechs Playoff-Viertelfinalpartien gegen Biel wieder zum Einsatz. Jetzt macht Rödin von einer NHL-Ausstiegsklausel in seinem eigentlich noch ein Jahr gültigen HCD-Vertrag Gebrauch. Der Stürmer unterschrieb für die kommende Saison bei den Anaheim Ducks.

Im gegenseitigen Einvernehmen lösten der HCD und Stürmer Mauro Jörg (28) am Montag den bis im Frühling 2019 datierten Vertrag vorzeitig auf. Jörg hatte 2014 von der Rapperswil-Jona Lakers zu Davos gewechselt. Mit den Bündnern wurde der Flügelstürmer auf Anhieb Schweizer Meister. Mit 26 Skorerpunkten unterstrich er in jener Saison seine Torgefährlichkeit. In der Spielzeit 2015/16 erhöhte Jörg sein Skorerpunktetotal gar auf 32. In den beiden letzten Saisons erreichte er hingegen nur noch je die Hälfte des Bestwerts. Jörg wird künftig für den HC Lugano stürmen. Für die Tessiner spielte er bereits von 2008 bis 2012.

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