Wenn müde Beine zur Kopfsache werden

Der HC Davos hat am Sonntag gegen Zug zwar nach Penaltyschiessen mit 1:2 verloren, aber dennoch mit einer starken Leistung im achten Match innert zwölf Tagen überrascht. Mit Müdigkeit umzugehen sei eine Frage des Kopfes, sagt Sven Jung, der das volle Spengler Cup- und Neujahrsprogramm absolviert hat.

Am Samstagabend brach der HC Davos in seinem Auswärtsspiel gegen den EV Zug in der zweiten Spielhälfte ein und verlor folgerichtig mit 1:5. Es war das siebte Spiel der Bündner innert elf Tagen gegen einen viel frischeren Gegner, der erst zum dritten Mal seit dem 23. Dezember in die Hosen stieg. Für das „Rückspiel“ vom Sonntagnachmittag musste man für den müden HCD nach diesem Auftritt das Schlimmste befürchten. Doch weit gefehlt. Die Davoser setzten unerwartete Kräfte frei. Sie dominierten die emotionsgeladene Partie, was das Schussverhältnis von 35:21 dokumentierte. Einzig bezüglich Chancenauswertung fehlte „der letzte Zwick“. So liessen die Bündner beim Stand von 1:1 gar 86 Sekunden in doppelter Unterzahl ungenutzt. Und 51 Sekunden vor Ende des dritten Drittels verhedderte Topskorer Broc Little den Puck im Schneestaub auf dem Eis. Nach 65 Spielminuten behielten dann die Zuger im fälligen Penaltyschiessen das bessere Ende für sich. Die Davoser wurden für ihren starken Auftritt mit nur einem Punkt schlecht belohnt.

Sven Jung verglich nach der unglücklichen Heimniederlage auf dem Weg in die Kabine die beiden Begegnungen: „Beim 1:5 in Zug zogen wir nur knapp 30 Minuten lang unser Konzept diszipliniert durch. Nachher ging die Konzentration und folglich der Faden in unserem Spiel verloren. Jeder wollte ein bisschen sein eigenes Süppchen kochen. Da funktionierte nichts mehr. Im Heimspiel zeigten wir hingegen 65 Minuten lang unser gewohntes und bewährtes Hockey. Leider verloren wir das Penaltyschiessen, das immer eine 50:50-Chance ist, unglücklich.“

Emotionen verliehen Flügel

In Zug hinterliessen die Davoser nach dem 0:2-Rückstand den Eindruck, dass ihre Beine immer schwerer wurden. Der Gegner war in der zweiten Spielhälfte regelmässig einen Schritt voraus. „Das Mammutprogramm, das wir seit dem 27. Dezember hatten, geht an keinem Spieler spurlos vorbei“, sagt Jung. „Aber vieles ist in einer solchen Situation mental, es spielt sich im Kopf ab. „Wenn man den Kräfteverschleiss auszublenden versucht geht es schon. Dann gehen auch die Beine.“ In der Tat: Die Davoser drückten aufs Tempo. Die emotionsgeladene Atmosphäre verlieh ihnen zusätzliche Flügel.

Jung gehört zu jenen Spielern, die am Spengler Cup alle vier Partien für den HCD bestritten und auch in allen vier Partien im neuen Jahr im Einsatz standen. „Klar war das ein happiges Programm, vor allem die vier Spengler Cup-Spiele innert 74 Stunden“, sagt der Verteidiger, der am letzten Freitag seinen 23. Geburtstag feierte. Umso wichtiger sei besonders in derart kräftezehrenden Phasen die Regeneration. „Viele Massagen, häufig aufs Velo, um Laktose aus den Muskeln zu bringen, viel Schlafen und gut Essen“, nennt Jung jene Faktoren, auf die man besonders achten müsse.

Natürlich spüre er die Anstrengungen, „aber am Montag bestimmt noch mehr als jetzt unmittelbar nach dem achten Match in dieser kurzen Zeitspanne“, sagt Jung am Sonntagabend unmittelbar nach der Partie gegen Zug. Und was er nun zu zwei trainingsfreien Tagen einwenden würde? „Da sage ich nicht Nein“, bemerkt der Verteidiger und verschwindet mit einem Lachen in der Kabine.

In der Tat verkündete HCD-Coach Arno Del Curto seinen Schützlingen dort zwei freie Tage. Am Mittwoch nehmen sie das Training und die Vorbereitung auf die Partien vom Freitag in Genf gegen Servette und vom Samstag zuhause gegen Kloten wieder auf.

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