Wenn Verteidiger mehr als nur Verteidiger sind

Beim HCD schalten sich die Verteidiger unter der neuen Trainercrew vermehrt in den Angriff ein. Beim 6:5-Sieg in Genf gegen Servette gingen am letzten Samstag gleich vier Treffer auf das Konto von Abwehrspielern. Otso Rantakari war zwei Mal im Powerplay mit Weitschüssen erfolgreich, auch Lukas Stoop und Sven Jung trafen.

Der HC Davos feierte gegen Genf-Servette im sechsten Auswärts-Meisterschafsspiel – die erste Heimpartie findet wegen des Umbaus des Eisstadion erst am 18. Oktober statt – bereits seinen vierten Sieg und den dritten in Folge. Zunächst hatten die Romand drei Mal einen Rückstand noch wettmachen können, ehe Sven Jung mit dem 4:3 in der 36. Minute das HCD-Schiff definitiv auf Erfolgskurs brachte. Mit zwei Überzahltreffern schraubte Otso Rantakari im Schlussdrittel den Vorsprung innert 24 Sekunden au 6:3 hoch. Trotz des Siegs stellte Davos-Verteidiger Sven Jung nach der Partie fest: „Wir zeigten nicht unser bestes Spiel. Wir nutzten zwar unsere Torchancen relativ gut, doch fünf Gegentreffer sind zu viele. Es war ein ständiges Hin und Her, und am Schluss brachten wir den Sieg mit viel Kampf über die Zeit.“

Jung selber traf in Genf zum zweiten Mal in dieser Saison. Eine Woche zuvor hatte der 24-jährige Verteidiger beim 7:1-Erfolg in Lausanne das 3:0 markiert. Seit Jung ab 2014 beim HCD spielt, ist er nicht als eifriger Torschütze aufgefallen. Mehr als zwei Tore erzielte er pro Meisterschaft noch nie. Jetzt ist der gebürtige Emmentaler nach nur sechs Partien bei dieser Marke angelangt. Und weiter bemerkenswert: Von Jungs sechs Schüssen, die den Weg aufs gegnerische Tor fanden, landeten zwei im Netz, was eine sehr gute Quote von 33,33 Prozent ergibt. Der Verteidiger bemängelt jedoch sofort, dass er noch zu oft am Torgehäuse vorbei schiesse. „An meiner Abschlussqualität muss ich noch arbeiten“, so Jung.

Verteidiger in den Angriff integriert

Seine gesteigerte Torgefahr führt er auf das Spielsystem der neuen Davoser Trainercrew um Christian Wohlwend zurück, „das im modernen Eishockey die meisten Mannschaften spielen. Unsere Trainer fordern, dass sich auch wir Verteidiger in den Angriff integrieren und uns nicht einfach an der blauen Linie positionieren, sondern in der gegnerischen Zone bewegen und auch mal nach vorne prellen“, erklärt der Abwehrspieler. „So ist es möglich, dass wir als Team zu zusätzlichen Anspielstationen, Überzahlsituationen und Abschlusspositionen kommen. Andernfalls würden die drei Stürmer allein zu oft in der Luft hängen.“

Mit dem früheren finnischen Weltklasse-Verteidiger Waltteri Immonen hat der HCD in seiner Trainercrew in dieser Saison erstmals einen „Defense Coach“. „Immonen bringt uns sehr viel“, stellt Jung fest. „Im Training machen wir gute Verteidiger-Übungen, wie sie in einem Spiel vorkommen. Weiter analysiert er mittels Videoaufnahmen unser Spielverhalten individuell und im Verteidigerteam. Da sagt er uns nicht einfach, was schlecht war, sondern er zeigt uns auch noch andere gute Optionen auf. Und wenn es um die Integration der Verteidiger in der Offensive geht, arbeiten Walteri und unser ‚Offense Coach‘ Johan Lundskog sehr gut zusammen.“

Nach einem trainingsfreien Montag erhalten Jung und seine Teamkollegen in dieser Woche ausgiebig Gelegenheit, weiter am Spielsystem zu feilen. Denn das nächste Meisterschaftsspiel steht für den HCD erst am kommenden Samstag in Bern auf dem Programm.

 

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