Wer auf dem Eis ernten will, muss im Kraftraum säen

Zurzeit schaffen die Spieler des HC Davos im Sommertraining die Basis für einen möglichst erfolgreichen Winter. Zu den Schwerpunkten gehören das Kraft- und Muskeltraining. Ein Augenschein in der „Folterkammer“ der Vaillant Arena.

„Enter to make yourself better, or do not enter at all.“ Die Aufforderung ist sonnenklar, auch wenn sie in den dunklen Katakomben der Vaillant Arena an der Eingangstüre zum Kraftraum hängt. Trete ein, um dich kräftiger zu machen, oder lass es andernfalls sein. Diese Gewissensfrage stellt sich bei den Spielern des HC Davos allerdings nicht. Natürlich gehen sie in den Kraftraum, um Hanteln zu stemmen oder zu drücken oder mit Gewichten zu balancieren – in der Regel sogar täglich während des Sommertrainings ausser samstags und sonntags. Und das bereits wieder seit mehr als einem Monat. Denn für die HCD-Cracks hat die Saison 2017/18 bereits am 24. April begonnen.

Unentbehrliche Knochenarbeit

Die Stimmung im Kraftraum, obwohl im Volksmund manchmal auch Folterkammer genannt, ist aufgestellt. Gleichwohl arbeitet jeder konzentriert und führt auf seinem persönlichen A4-Blatt schriftlich Buch über die absolvierten Übungen. „Ich bin froh, nach der langen Saison auf dem Eis mal was anderes machen zu können“, sagt Claude-Curdin Paschoud. Für Bewegungs- und Fitness-Freak Noah Schneeberger ist die Vielseitigkeit mit all den Fazetten im Training ohnehin ein wichtiger Grund, dass er das Eishockey zu seinem Beruf gemacht hat. Andere ziehen eigentlich Schlittschuhe den Kraftgeräten vor. Aber alle wissen: Wer im Winter ernten will, muss im Sommer säen. Doch das kann nur, wer schon beim Säen 100 Prozent Leistung bringt und sich da selber nicht betrügt.

Einen Schritt zurück, zwei vorwärts

Einen besonderen Stellenwert räumt Félicien Du Bois in diesem Jahr dem Sommertraining ein. Der Verteidiger verzichtete deswegen in Absprache mit Nationalcoach Patrick Fischer gar auf die WM-Teilnahme. „Ich muss auf meinen Körper schauen, denn ich bin keine Energiemaschine wie Andres Ambühl; mit ihm darf sich keiner vergleichen“, sagt Du Bois. „Nachdem in den letzten Jahren meine Saison mit der WM jeweils erst in der zweiten Mai-Hälfte zu Ende ging, brauchte mein Körper wieder mal richtige Erholung und dann einen gezielten Aufbau mit einem zehnwöchigen Sommertraining.“ Ein Nati-Rücktritt sei der Verzicht auf Paris keineswegs gewesen. Du Bois nennt es „einen Schritt zurück, um hoffentlich zwei nach vorne machen zu können.“ Mit der Basis, die er sich jetzt im Sommertraining erarbeitet, will er im Winter wieder angreifen.“

Ich verlange sehr viel

Das Sommertraining ist harte Knochen- und Fleissarbeit. HCD-Konditionstrainer Renè Baur doppelt noch nach. „Die Spieler kennen mich. Ich verlange viel; das ist nun mal so.“ Es sei aber höchst angenehm, mit allen zu trainieren. „Die Gruppe ist sehr gut, sie ist wirklich gut“, lobt der Südtiroler seine Schützlinge. Baur leitet zum zweiten Mal das komplette Sommertraining beim HCD. „Heuer spüre ich einen Riesenunterschied. Die Spieler kennen mich inzwischen, sie wissen meine Trainingsmethode und meine Philosophie“, bemerkt er.

Inhaltlich hat sich im Training hingegen wenig verändert. Er habe versucht zu differenzieren zwischen Körpertypen, Alter, aber auch Spielertypen, präzisiert Baur. Am 24. April begann die ganze Mannschaft mit dem Basistraining. „Grundlagenausdauer und Muskelaufbau“ nennt es der Kondi-Trainer. Inzwischen wird mehr variiert. „Die jungen Spieler bleiben noch ein bisschen länger beim Muskelaufbau, während die älteren jetzt schon in den Maximalkraftbereich übergehen“, so Baur.

Alles etwas vorverschoben

In seinem Programm berücksichtigt er, dass der HC Davos bereits Anfang August zu einem internationalen Eishockeyturnier nach Astana (Kasachstan) fliegt. Er müsse alles etwas vorverschieben, „damit bei den Spielern eine gewisse Basis vorhanden ist, wenn sie mit den Freundschaftsspielen beginnen. Und sobald das Eistraining anfängt, kann ich das Pensum ohnehin nicht mehr zu 100 Prozent aufs Krafttraining konzentrieren.“

Das Krafttraining bildet natürlich nur einen Teil im Programm des Sommertrainings, jeweils am Vormittag. Nachmittags wird an der Schnelligkeit gearbeitet. Da sind Sprünge und Spiel angesagt, aber auch Ausdauer auf dem Bike. Und am Mittwoch heisst es immer  „Auf zum Berglauf“ nach vorangehenden Rumpf- und Mobilitätsübungen. Langweilig wird es den HCD-Profis wahrlich auch ohne Puck und Schlittschuhe nicht.

 

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