Wer möchte nicht Trainer beim HCD sein?

Christian Wohlwend hat beim HC Davos für zwei Jahre als Headcoach unterschrieben. Der 42-jährige Engadiner erläutert im Interview seine Beweggründe, seine Eishockeyphilosophie und seine Ideen, mit denen er den Bündner Traditionsklub wieder vorwärts bringen will.

Christian Wohlwend, herzliche Gratulation zur Wahl als Headcoach des HCD. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Christian Wohlwend: Wer möchte nicht Trainer beim HCD sein – speziell für mich als Engadiner? Ich glaube, alle Bündner, die irgendwie mit dem Eishockey zu tun haben, sind Fans von Davos. Ich begann in St. Moritz mit dem Eishockeyspielen, in Blau-Gelb, spielte dann mit dem EHC im Nachwuchs auch Turniere in Davos und war von der Davoser Eishalle immer fasziniert. Zudem wer Spengler Cup für mich stets ein Riesen-Highlight zum Zuschauen. Dieses Turnier verfolgte ich bis und mit heute stets mit grossem Interesse. Nun selber Teil des HC Davos zu werden ist für mich ein Traum, der in Erfüllung geht.

Der HCD beendete die abgelaufene Saison abgeschlagen auf Platz 11. War das für Sie kein Hinderungsgrund, von der Schweizer U20- und der A-Nationalmannschaft nach Davos zu wechseln?

Nein, null Komma null. Ich kenne fast alle Spieler des HCD sehr gut. Viele waren bei mir in der U20-Nationalmannschaft, und einige durfte ich im A-Nationalteam miterleben. Ich weiss, dass in der vergangenen Saison praktisch jeder Davoser Spieler sein wirkliches Potenzial nicht ausschöpfte. Es steckte extrem der Wurm drin. Ich bin absolut überzeugt von jedem einzelnen Spieler, der beim HCD ist. Und ich bin sicher, dass er viel, viel besser spielen kann. Die nächste Saison wird nicht mehr so sein wie die abgelaufene.

Was wollen Sie konkret beim HCD bewegen?

Bezüglich Strukturen wurde beim HCD einiges versäumt. Man muss alles wieder etwas professionalisieren. Das beginnt beim Sommertraining. Mit Steven Lingenhag, der neu auch fürs Off-Ice-Training der ersten Mannschaft verantwortlich ist, haben wir eine super Lösung, und mit Pierre Gutknecht, der uns unterstützt, eine höchst professionelle Hilfe. Die Spieler müssen sich aber auch bewusst sein, dass das Sommertraining enorm wichtig ist, um nachher während der ganzen Qualifikation und in den Playoffs erfolgreich spielen zu können. Auf dem Eis werden wir mit den Spielern vermehrt individuell arbeiten und dank je einem Verteidiger- und Stürmertrainer auch mehr auf die einzelnen Akteure eingehen und genau analysieren, damit sie noch bessere Eishockeyspieler werden und ihre Top-Leistung auch abrufen können.

Sie werden in Davos als Headcoach ein ganzes Trainerteam führen, dass sich um die erste Mannschaft kümmert.

Die Zeiten sind vorbei, als es einen Headcoach gab und dazu einen Assistenztrainer, der alles ein bisschen unterstützte. Heutzutage ist ein Coachingstaff mit Spezialisten, die Erfahrung haben, umumgänglich. Man braucht einen Verteidigercoach, der auf die ganze Defensive achtet, einen Stürmercoach, der auch fürs Powerplay zuständig ist, weiter einen Goalietrainer und einen Off-Ice-Coach. Als Headcoach habe ich die Verantwortung über alles. Alle Entscheidungen werden jedoch vom ganzen Coachingstaff getragen. Auf diese Weise haben wir viel mehr Meinungen und viel mehr Know-how.

Mit Ihrer Verpflichtung hat der HCD auch das Engagement eines Ihrer Assistenten bekanntgeben: Waltteri Immonen wird sich um die Defensive kümmern.

Waltteri Immonen war früher in Finnland selber ein sehr guter Abwehrspieler. Anschliessend arbeitete er neun Jahre bei seinem Stammklub Jokerit Helsinki und phasenweise auch im Nationalteam als Verteidigercoach. Danach wirkte er in der gleichen Position neun Jahre beim EV Zug. Er verfügt folglich über eine immense Erfahrung. Immonen ist auch ein super Typ, und er ist sehr bewandert in der Videoschulung. Mir ist wichtig, dass im Coachingstaff alle etwa die gleiche Philosophie haben – gute Charakter, die einander aber auch fordern und ihre Meinung einbringen.

Die meisten Trainer legen sehr viel Wert auf Puckkontrolle, weniger hingegen auf Spektakel. Wie lautet Ihre Eishockeyphilosophie?

Für mich bedeutet Spektakel, wenn man eine Mannschaft sieht, die sehr leidenschaftlich spielt und jedes Mal ans Limit geht. Wir wollen nächste Saison mit viel Puckbesitz Eishockey spielen. Jeder spielt lieber mit der Scheibe als ohne und will lieber offensiv etwas kreieren als nur defensiv hinten hineinstehen.

Als Cheftrainer von Erwachsenen-Teams sammelten Sie bisher praktisch nur Erfahrungen bei Wallisellen und Bülach, aber abgesehen von ein paar Partien mit Lugano noch keine in einem Team der obersten Schweizer Liga.

Da sehe ich keine Probleme. Egal in welcher Liga man als Trainer tätig ist, geht es um Eishockey und um Menschen, um Führung und Sozialkompetenzen, um Leadership. Da unterscheidet sich ein Spieler in der höchsten Liga nicht von einem in einer tieferen.

Zurück zum HCD: Die Transfers von Schweizer Spielern sind allesamt getätigt. Realistisch betrachtet wird Davos mit dieser Mannschaft auch unter Ihrer Führung nicht ganz vorne in der Liga mitmischen.

Die Tabelle ist immer das Endprodukt. Verschiedene Faktoren spielen mit, zum Beispiel hast du viele verletzungsbedingte Ausfälle, hast du einen Lauf, und so weiter. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Mannschaft die Playoffs erreichen können; das ist auch unser Ziel. Unser Team hat viele Spieler, die wissen, wie man Eishockeyspiele gewinnen kann. Das haben sie schon oft bewiesen. Fakt ist, dass in der vergangenen Saison – wie schon erwähnt – praktisch jeder Spieler nicht sein bestes Eishockey zeigte. Es kann also eigentlich nur besser werden. Ich bin überzeugt, dass dies auch der Fall sein wird.

Der HC Davos hat für nächste Saison erst zwei Ausländerpositionen mit den bisherigen Magnus Nygren und Perttu Lindgren besetzt. Zwei weitere ausländische Spieler fehlen noch. Haben Sie bereits konkrete Namen im Kopf?

Nein, noch überhaupt nicht. Wir haben begonnen, den Spielermarkt nach Stürmern zu sondieren. Wir lassen uns Zeit und wollen keine Schnellschüsse machen, sondern die bestmögliche Lösung für den HCD treffen. Es ist natürlich Tatsache, dass die Ausländer im Schweizer Eishockey einen grossen Unterschied ausmachen.

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