Wir dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren | Hockey Club Davos

News - Wir dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren

Trotz vier Niederlagen in den letzten fünf Partien verfällt Raeto Raffainer nicht in Panik. Der Sportchef des HC Davos gibt sich zuversichtlich, weil die Verletzten- und Krankenliste kleiner wird. Gleichzeitig fordert er Geduld, aber auch mehr defensive Stabilität im HCD-Spiel.

Raeto Raffainer, der HCD hat am Dienstagabend gegen die ZSC Lions in Zürich mit 1:5 verloren. Wie sahen Sie diesen Match?
Raeto Raffainer: Wie die vorangegangenen Partien: Wir spielen mit und erarbeiten uns Torchancen, lassen dem Gegner aber auch Abschlussmöglichkeiten zu. Und dieser nutzt sie im Gegensatz zu uns. Am Schluss verlieren wir jeweils etwas den Kopf und laufen dem Gegner ins Messer. Gegen dieses Muster müssen wir ankämpfen.

Der HCD hat in vier seiner letzten fünf letzten Partien klare Niederlagen kassiert: Vor dem 1:5 in Zürich ein 2:5 gegen Fribourg-Gottéron, und vor dem 3:2-Heimsieg gegen Biel unterlag Davos Ambri gleich zwei Mal – mit 4:6 zu Hause und 2:6 in der Leventina. Wie soll Davos diese Negativserie mit jeweils sehr vielen Gegentoren stoppen?
Wenn es nicht läuft, muss man das Spiel vereinfachen. Das ist uns bewusst, und das thematisieren unsere Trainer auch mit der Mannschaft. Wir müssen zu einer defensiven Stabilität zurückfinden. Das gelang uns gegen Biel. Zuletzt handelten wir uns aber wieder zwei Rückschläge ein.

Am Freitagabend trifft der HCD in Langnau auf den Tabellenletzten SCL Tigers, und am Montagabend gastiert der EHC Biel in Davos. Das werden wohl auch keine Spaziergänge.
In unserer Liga gibt es grundsätzlich keine Spaziergänge. Wenn unsere Mannschaft gesund ist, hat sie ganz klar Playoff-Potenzial. Letzte Saison überraschten wir viele Leute positiv. In die laufende Meisterschaft starteten wir hingegen schon angeschlagen – vor allem aufgrund gleich mehrerer verletzter Stammverteidiger. In normalen Jahren wäre es in einer solchen Situation meine Aufgabe als Sportchef gewesen, das Team mit Transfers zu verstärken und so den Substanzverlust aufzufangen. Wegen der besonderen Corona-Umstände verzichteten wir jedoch auf finanzielle Hochseilakte. Wir liessen die Mannschaft im Regen stehen. Denn zurzeit geht es um Überleben des HCD. Für den verpatzten Saisonstart müssen wir das Team deshalb in Schutz nehmen. Nun befinden wir uns in einer Phase, wo fast das ganze Team wieder gesund ist oder wird. Jetzt dürfen wir aber den Kopf nicht verlieren und glauben, wir sollten in zwei, drei Partien alles korrigieren. Stattdessen müssen wir geduldig an unserer defensiven Stabilität arbeiten. Gesund hat diese Mannschaft genug Potenzial, um die fehlenden Punkte wieder gutzumachen.

Auffallend ist, dass Leistungsträger wie Perttu Lindgren, Enzo Corvi, Marc Wieser oder Benjamin Baumgartner zurzeit ihrer Form der letzten Saison hinterherrennen.
Es geschieht immer wieder, dass Spieler nicht mit dem gleichen Selbstvertrauen auftreten, wenn ihnen der Rhythmus fehlt. Einige der erwähnten Akteure sind nach einer Corona-Infektion noch leicht angeschlagen und deshalb zurzeit physisch noch etwas am kämpfen.

Joe Thornton, mit elf Skorerpunkten in den letzten zwölf Spielen in dieser Saison einer der besten Skorer beim HCD, wurde von seinem neuen NHL-Klub Toronto Maple Leafs am späten Sonntagabend nach Nordamerika zurückbeordert. Wurde der HCD von diesem Rückruf überrascht?
Der Zeitpunkt kam unerwartet. Wir hatten gehofft, dass Joe Thornton bis Weihnachten für uns spielen könnte.

Benjamin Baumgartner wurde am 8. Oktober von den New Jersey Devils gedraftet. Wird auch der junge Österreicher in nächster Zeit den HCD verlassen?
Das ist zurzeit kein Thema. Wegen den stark verkürzten NHL-Camps werden die neu gedrafteten Spieler kaum eingezogen. Sollte von New Jersey eine Anfrage bei uns eintreffen, müssen wir diskutieren. Gegenwärtig gehe ich davon aus, dass Benjamin Baumgartner die ganze Saison beim HCD bleiben wird.

Sie erklärten verständlich, dass der HCD unmittelbar vor und während der Saison aus finanziellen Gründen auf das Engagement von Verstärkungsspielern verzichtete, weil es um das Überleben des Clubs geht. Ist das sportliche Abschneiden in dieser Corona-Saison folglich ziemlich egal?
Nein. Ich wiederhole mich: Wir sind überzeugt, dass die Mannschaft genügend Potenzial für die Playoff-Qualifikation hat, wenn sie gesund ist. Wir haben noch Zeit und brauchen nicht in Panik zu verfallen. Es ist ja erst ein Viertel der Qualifikation vorbei. Dieser Teil verlief für den HCD zweifellos aus den von mir erwähnten Gründen knorzig. Wegen der Corona-Pandemie hat die National League schon vor dem Meisterschaftsstart mit einer Modusanpassung reagiert: Die Klubs, die am Ende der Regular Season auf den Rängen 7 bis 10 klassiert sind, ermitteln in sogenannten Pre-Playoffs die beiden letzten Playoff-Teilnehmer. Damit geraten viele Teams nicht so sehr unter Druck wie beim bisherigen Strichkampf. Zudem entschied die Liga, dass es keinen Absteiger geben wird.

Quelle: Hansruedi Camenisch / Davoser Zeitung

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den Kopf verlieren

18.12.2020 11:00