Wir gingen einfach unter

Gaudenz Domenig hat in der letzten Monaten in seinem Team oft „den richtigen Kampf“ vermisst. Die Position von Trainer Arno Del Curto stellt er gleichwohl nicht in Frage. Und auch auf dem Transfermarkt wird der HCD nicht nachbessern. Die Gründe erklärt der HCD-Boss im Interview.

Gaudenz Domenig, Sie bezeichnen die abgelaufene Saison als die schlechteste, seit Sie HCD-Präsident sind…

Gaudenz Domenig: Wir kassierten in dieser Saison in der Meisterschaft zum Teil sehr hohe Niederlagen, wie es zuvor nur sehr selten der Fall war. Irgendwie fehlte das Vertrauen. Im Schweizer Cup unterlagen wir im Final einem NLB-Ligisten. In der Champions League verloren wir, despektierlich gesagt, gegen Engländer, die nicht einmal richtig Englisch können, nämlich in Cardiff. Und im Playoff-Viertelfinal scheiterten wir an Biel, an einer Mannschaft, die seit 28 Jahren nie mehr den Halbfinal erreichte. Bei Biel muss man zwar eingestehen, dass es in den letzten Jahren aufgerüstet hat und stärker geworden ist. Gegen diesen Klub kann man verlieren. Ich vermisste in den Playoff-Spielen bei uns aber mehrfach den Spirit. Mir fehlte der richtige Kampf. Wir gingen einfach unter.

Biel holte in der Qualifikation immerhin 14 Punkte mehr als der HCD, und in diesem Kalenderjahr waren die Seeländer die besten Punktesammler der ganzen National League. Tönt die Forderung nicht etwas überheblich, man hätte die Bieler wegputzen müssen?

Ich sage nicht wegputzen, aber wir hätten nicht auf jene Art verlieren dürfen, wie dies geschah. Vor einem Jahr schieden wir im Halbfinal gegen Zug aus, aber anders, als das jetzt gegen Biel der Fall war.

Im dritten Playoff-Spiel leistete es sich der HCD in Biel, nur drei Ausländer einzusetzen und zwei gesunde „Söldner“ zuschauen zu lassen!

Ich bin kein Eishockeyspezialist. Bezüglich Aufstellung gibt es in unserem Klub Leute, die mehr vom Eishockey verstehen, als ich, insbesondere unser Trainer Arno Del Curto. Er kann das besser beurteilen.

Sie sprechen von zahlreichen enttäuschenden Auftritten des HCD in dieser Saison. Was bedeutet das bezüglich Ihres Trainers?

Wir müssen die ganze Sportabteilung betrachten. Erreichte der Trainer die Mannschaft nicht richtig? Stimmte es im Scouting nicht? Haben wir die falschen Spieler? Machten wir das Sommertraining richtig? Waren wir zu kräftig, aber zu langsam? Wir sind jetzt daran, die ganze Saison zu analysieren.

Wird ein Trainerwechsel zum Thema?

Nein, im Gegenteil. Ich gehe davon aus, dass Arno Del Curto unser Trainer bleibt, so lange er das innere Feuer hat. Seine Qualitäten sind nach wie vor vorhanden. Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass wir im Playoff-Viertelfinal ausschieden. Deswegen stellten wir den Trainer noch nie in Frage. Del Curto ist immerhin der einzige Trainer, der noch stets den Viertelfinal erreichte.

Ehrlicherweise muss man eingestehen, dass Bern, Zug, Lugano und die ZSC Lions zumindest auf dem Papier stärkere Kader haben als der HCD.

Das ist wahrscheinlich der Fall. Die erwähnten Klubs verfügen auch über mehr Geld. Im Sport heisst das in der Regel, dass man sich eine stärkere Mannschaft leisten kann.

Der HCD hat schon seit Jahren keine „gemachte“ Schweizer Leistungsträger mehr von anderen Klubs geholt. Wissen Sie überhaupt noch, wann das das letztes Mal der Fall war?

Das war 2014 mit Félicien Du Bois der Fall. Damals holten wir auch Marc Wieser zurück. Wir setzen bewusst vermehrt auf den eigenen Nachwuchs. Zum Teil der Not gehorchend, weil wir Geld für eine neue Infrastruktur, sprich Trainingshalle, investieren müssen. Für diesen Bau sprachen unsere Aktionäre 3,9 Millionen Franken zu. Die nächsten drei Saison dürften für uns finanziell wegen der Stadionsanierung und dem dadurch gedrängterem Heimspielprogramm noch schwieriger werden, weil ich deswegen einen Zuschauerrückgang befürchte. Deshalb muss das Budget auf dem bestehenden Niveau strikte eingehalten werden.

Mit Blick auf die nächste Saison hat der HCD mit Lukas Stoop und Luca Hischier zwei Ergänzungsspieler verpflichtet. Den Klub verlassen hingegen mit Noah Schneeberger, Gregory Sciaroni und Samuel Walser drei langjährige Stammspieler. Fribourg und Lausanne zum Beispiel rüsten ihre Kader hingegen auf. Der HCD wird folglich nächste Saison hart um die Playoff-Qualifikation kämpfen müssen.

Es kann sein, dass wir die Playoffs etwas weniger selbstverständlich erreichen als auch schon. Ausser dem HCD verpasste schon jeder Klub einmal die Playoffs. Ich möchte nicht der erste HCD-Präsident sein, der das erleiden muss. Ein konkursiter Klub nützt aber auch niemandem etwas.

Weiterhin primär auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, kann aber ein heisser Tanz werden.

Unser Trainer Arno Del Curto glaubt, dass die Mannschaft stärker wird. Ich bin auch zuversichtlich, dass wir nächste Saison ein starkes Ausländerquartett haben, wenn Perttu Lindgren,der schon MVP der Liga war, wieder voll mittun kann und Anton Rödin nach seinen verletzungsbedingten Pausen mit einem soliden Sommertraining eine gute Basis schafft. Magnus Nygren ist ein hervorragender Spieler, und auch Broc Little ist nicht schlecht. Weil Lindgrens sportliche Zukunft wegen seiner Hüftprobleme etwas ungewiss ist, erwägen wir das Engagement eines fünften ausländischen Spielers.

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