Witolinsch zu seinen ersten Erfahrungen als HCD-Headcoach

Seit dem 20. Dezember ist Harijs Witolinsch Trainer des HC Davos. Der 50-jährige Lette spricht im Interview über geblockte Schüsse, die regelmässigen Fehlstarts seines Teams, die ungenügende Torproduktion und den HC Lausanne, der am heute Abend um 19.45 Uhr in Davos antritt.

Harijs Witolinsch, Sie sind seit sieben Wochen Trainer des HC Davos. Wie lautet Ihre erste Zwischenbilanz?

Harijs Witolinsch: Ich hätte mir natürlich mehr Siege gewünscht. Über den Einsatz der Mannschaft kann ich mich nicht beklagen. Die Spieler geben alles. Was vielen fehlt, ist die Erfahrung und in der aktuellen Situation oft das Selbstvertrauen. Weil das Team insgesamt so jung ist, können wir nur über den Einsatz gewinnen. Daran arbeiten wir, und da müssen wir uns steigern. Genau so müssen wir in unseren Auftritten konstanter werden.

Wo setzten Sie den Hebel ganz gezielt an?

Der Schlüssel liegt im Einhockey generell in der Defensive. Wenn wir hinten stark spielen, können wir vorne schon ein paar Tore schiessen. Das bedeutet, dass wir unsere Defensive verstärken müssen. Da sind nicht nur kompakte Auftritte gefragt. Wichtig ist, dass wir, ob Verteidiger oder Stürmer, möglichst viele gegnerischen Schüsse blockieren, das heisst sich zu opfern. Die Statistiken zeigen, dass wir in jenen Partien, die wir gewannen, mehr Schüsse blockierten als der Gegner. Handkehrum verloren wir, wenn der Gegner mehr Schüsse blockierte. Bei unseren Siegen blockierten wir gegen 20 Schüsse, bei den Niederlagen hingegen nur etwa acht. Wir müssen versuchen, bezüglich geblockter Schüsse, aber auch Checks und Schüssen auf gegnerische Tor mit dem Gegner mindestens mitzuhalten. Gelingt uns das, haben wir in jedem Match eine Siegchance.

Der HCD gerät praktisch in jedem Match sehr früh in Rückstand. Wie erklären Sie sich diese regelmässigen Fehlstarts?

Vielleicht hat es mit Nervosität oder Selbstvertrauen zu tun. Wir versuchen das zu ändern, etwa indem wir das Einlaufen auf dem Eis verlängern und auch das Einlaufen neben dem Eis länger und intensiver gestalten. Die genauen Gründe für die Fehlstarts weiss ich auch nicht. Aber ich erhalte oft das Gefühl, dass wir erst beginnen, unser Spiel zu spielen, wenn wir in Rückstand liegen. So nach dem Motto „Jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren.“ Folglich müssen wir schon beim ersten Bully mehr an die Defensive denken und unser Spiel einfacher gestalten.

Grosse Probleme bekundet der HCD auch beim Toreschiessen. Sie waren früher selber Stürmer. Was kann man für eine bessere Torproduktion unternehmen?

Wir spielen zu kompliziert, statt den einfachen Weg anzustreben, wir streuen viel zu oft noch einen zusätzlichen Pass ein. Das beweist uns auch die Statistik. Oft weist der Gegner ein Drittel mehr Schüsse als wir auf, auch wenn nicht alle von super Qualität sind. Jeder Schuss aufs Goal ergibt eine Möglichkeit, ein Tor zu schiessen, egal ob man sich in einer guten oder in einer schlechten Position befindet. Deshalb sollte jeder Angriff mit einem Schuss Richtung Tor enden. So ergeben sich Nachschüsse oder Ablenker, oder wir verdecken dem gegnerischen Goalie die Sicht. Wir müssen folglich mehr Schüsse aufs Tor bringen, egal aus welchem Winkel und aus welcher Situation; so können wir die Torgefahr erhöhen.

Die Playoffs sind realistisch betrachtet für den HCD kaum mehr erreichbar. Ist es jetzt schwierig für Sie, Ihre Mannschaft zu motivieren?

Nein, die Mannschaft weiss, wo sie steht. Und was sie im Training zeigt, ist gut. Unser Fokus richtet sich ganz auf den Ligaerhalt; das ist das wichtigste. Da ist volle Konzentration erforderlich, auch damit wir unser Spiel finden. Wenn die junge Mannschaft dieses Ziel verwirklicht, wird jeder Spieler viel profitieren. Denn im Vergleich zu anderen Teams erhalten die Jungen bei uns viel Eiszeit.

Am Freitagabend empfängt der HCD Lausanne. Was erwarten Sie von dieser Partie?

Wir gehen in jede Partie um zu gewinnen. Gerade vor dem Heimpublikum wollen wir Präsenz markieren. Unser letztes Heimspiel gegen Fribourg am vergangenen Samstag war nicht schlecht. Schade, dass wir mit 1:2 verloren. Der Kampfgeist war vorhanden, und der HCD zeigte auch spielerisch eine gute Leistung. Jetzt gilt es, mit Selbstvertrauen in den Match gegen Lausanne zu steigen.

In Lausanne verlor der HCD genau vor einem Monat mit 3:5. Wie stufen Sie den Gegner ein?

Die Lausanner sind gut organisiert, und sie verfügen über gute Spieler. Aber Lausanne ist kein übermächtiger Gegner. Bei unserer letzten Niederlage lautete das Zwischenresultat bis zur 43. Minute 2:2. Seit ich Trainer des HCD bin, wurden wir nur von Zug richtig dominiert; da hatten wir fast keine Torchancen. Wenn wir gegen Lausanne bestehen wollen, müssen wir leichte Fehler vermeiden – und wie schon erwähnt bezüglich geblockten Schüssen, Checks und Schüssen aufs Tor mindestens so gut sein wie der Gegner. Mit einer so jungen Mannschaft, wie wir es sind, können wir nicht mit Erfahrung gewinnen, sondern nur mit grossem Willen und Eisatz. Deshalb erwarte ich totalen Einsatz 

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